RWE-Aktien: Mehr als ein Wertverlust auf dem Papier

Von: Stephan Johnen
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Die RWE-Ausschüttungen werden zur „Aufgabenerfüllung der Tochtergesellschaften“ des Kreises Düren verwendet, beispielsweise für den ÖPNV. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise und dem deutschen Atomausstieg haben es die Aktionäre der deutschen Energieversorger nicht leicht gehabt. Von einstigen Höhen jenseits der 100-Euro-Marke ist beispielsweise die RWE-Aktie, die derzeit mit rund 22 Euro notiert, weit entfernt.

Zum Jahresabschluss 2011 waren die von den Gesellschaften des Kreises Düren gehaltenen Aktien rund 43 Millionen Euro wert. Aktuell hat des Paket noch einen Wert von rund 26,4 Millionen Euro. „Der Kreis hat die Reißleine zu spät gezogen“, hat jüngst die Grünen-Kreistagsfraktion kritisiert. In der Vergangenheit hatten die Grünen den Verkauf der Aktien gefordert, beispielsweise um die Gründung der „Kreiswerke Düren“ zu finanzieren. Doch welche unmittelbaren Auswirkungen hat der sinkende Aktienkurs auf den Kreishaushalt?

Die Beteiligungsgesellschaft Kreis Düren, eine 100-prozentige Tochter des Kreises, hält 1.202.868 RWE-Aktien, die mit 35.805 Euro bilanziert sind. Die zu 90 Prozent dem Kreis gehörende Vermögensverwaltungsgesellschaft hält 3800 Aktien, die mit einem Stückpreis von 38,24 Euro in der Bilanz stehen. „Der Kursverfall hat keine Auswirkungen auf den Kreishaushalt, da die Aktien nicht unmittelbar im Kreisvermögen gehalten werden“, sagt Kämmerer Dirk Hürtgen auf Anfrage unserer Zeitung.

Im Rahmen der Arbeiten zum Jahresabschluss 2012 werde allerdings geprüft, ob eine bilanzielle Korrektur des Wertansatzes der beiden Gesellschaften notwendig ist. Will heißen: Solange die Aktien nicht verkauft werden, sind die Gesellschaften nur auf dem Papier deutlich weniger wert.

Ganz konkrete Auswirkungen hat allerdings die seit Jahren schrumpfende Dividende. Die Gewinnausschüttung des Energiekonzerns an seine Aktionäre ist kontinuierlich gesunken. Schüttete der Konzern in den Jahren 2009 und 2010 noch 3,50 Euro pro Aktie aus, sank die Dividende 2011 und 2012 auf zwei Euro. Angesichts der fallenden Strom-Großhandelspreise und den damit sinkenden Gewinnen rechnen Experten mit einer weiteren Reduzierung. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS prognostizierten jüngst 1,20 Euro. Den Kurs der Aktie sehen sie bei 19 Euro, die Bank rät zum Verkauf des Wertpapiers.

Die RWE-Dividende wird im Kreis Düren allerdings zur „Aufgabenerfüllung der Tochtergesellschaften verwendet“, erklärt der Kreiskämmerer. Dort werden die Ausschüttungen zum Teil zur Defizitübernahme verwendet. 2,5 Millionen Euro aus der RWE-Gewinnausschüttung flossen zuletzt an die Dürener Kreisbahn, 1,5 Millionen ins Kreuzauer Freizeitbad „Monte Mare“.

In den vergangenen zwei Jahren wurden rund 3,6 Millionen Euro weniger aus der RWE-Zentrale überwiesen. „Wir haben noch Kapitalrücklagen, von denen wir zehren“, sagt Hürtgen. Aktuell würden Überlegungen angestellt, wie die Reduzierung der Dividenden-Erträge kompensiert werden könne, damit eine „dauerhafte Aufgabenerfüllung insbesondere im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs sichergestellt werden kann“.

Einsparungen seien nötig. Dazu gehöre eine Überprüfung der Standards ebenso wie die Suche nach Einsparpotenzialen beim operativen Busbetrieb. „Das ist ein laufender Prozess“, will Hürtgen aber keine konkreten Aussagen machen. „In anderen Kreisen wird eine ÖPNV-Umlage erhoben“, führte er aus. Dies sei im Kreis Düren aufgrund der RWE-Dividende nicht notwendig gewesen, solche Überlegungen stünden aber auch nicht auf der Tagesordnung. Klar sei aber auch, dass „1,8 Millionen Euro nicht rein im Betrieb der Kreisbahn eingespart werden können“.

Ein Verkauf des Freizeitbades sei keine Lösung. Hürtgen verweist darauf, dass das operative Defizit des Bades von knapp einer Million auf etwa 480.000 Euro gedrückt worden sei. „Es ist ein Trugschluss zu glauben, wir könnten mit einem Schlag 1,5 Millionen Euro einsparen“, sagt er. Zu 600.000 Euro Abschreibungen auf das Gebäude kämen jährlich 400.000 Euro für die Zinszahlungen.

Mit einer weiteren drastischen Reduzierung der RWE-Dividende rechnet Hürtgen indes nicht. „In die jüngsten Zahlen wurde alles eingerechnet, was es an Belastungen gab“, meint er. „Das Tal sollte damit durchschritten sein.“ Für die Zukunft hofft der Kreiskämmerer auf steigende Ausschüttungen. Ein Verkauf der Aktien zum derzeitigen Zeitpunkt sei „nicht zielführend“. Es könne nur besser werden.

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