Russisch-orthodoxe Gemeinde in Düren feiert bald Weihnachten

Von: Sonja Essers
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Sie feiern am 7. Januar Weihnachten: Die Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche mit Priester Matthias Lhotzky (Mitte). Foto: Sonja Essers
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Besinnlich und ruhig: In der russisch-orthodoxen Kirche wird am 7. Januar Weihnachten gefeiert. Die Gläubigen setzen andere Schwerpunkte als Katholiken und Protestanten. Foto: imago

Düren. Wer die Stufen in der Kapelle des St.-Angela-Gymnasiums aufsteigt, betritt eine andere Welt: Melancholisch klingende Gesänge in einer fremden Sprache und der Duft von Kerzen und Weihrauch empfangen jeden, der in der ersten Etage des Gebäudes ankommt.

Sechs Frauen und drei Männer senken demütig ihre Köpfe und lauschen den Worten eines Mannes, der in einen strahlend gelben Umhang gekleidet ist. Die Frauen tragen Röcke und bedecken ihre Haare mit Tüchern. Immer wieder bekreuzigen sie sich und küssen am Ende der Zeremonie das metallene Kreuz, das der Geistliche in den Händen hält. Nach rund 90 Minuten verstummen die Gesänge, das Licht der Kerzen erlischt und auch der Geruch des Weihrauchs verzieht sich langsam.

In der Kapelle der Mädchenschule feiert die russisch-orthodoxe Gemeinde aus Düren jeden Samstag und Sonntag ihre Gottesdienste. Ein Höhepunkt ihres Kirchenjahres steht in diesen Tagen an. Während aus deutschen Wohnzimmern die Krippen und Tannenbäume so langsam wieder verschwinden, bereiten sich die Mitglieder der russisch-orthodoxen Gemeinde auf das Weihnachtsfest erst vor.

Das begehen die Gläubigen nämlich am Samstag, 7. Januar. Die russisch-orthodoxe Kirche legt ihre Feiertage nach dem alten julianischen Kalender fest und laut diesem entspricht der 7. Januar dem 25. Dezember. Mit dem Fest der Katholiken und Protestanten hat das jedoch nicht allzu viel gemein, wie Priester Matthias Lhotzky weiß.

Strenges Fasten

Die Unterschiede zwischen den Glaubensrichtungen werden schon in der Vorweihnachtszeit sichtbar. Zur Vorbereitung auf das Fest wird in der russisch-orthodoxen Gemeinde streng gefastet. Dabei stehen die geistliche Einkehr und der Verzicht auf gewisse Speisen im Vordergrund. „In dieser Zeit nehmen wir keine tierischen Nahrungsmittel zu uns. Das geht auf Adam und Eva zurück. Im Paradies haben sie sich nur von pflanzlichen Lebensmitteln ernährt, und wir versuchen diesem Ideal zu folgen“, sagt Lhotzky. Ausgeschlossen davon sind Kinder und alte Menschen.

Trubel und Kommerz spielen in der russisch-orthodoxen Kirche keine Rolle, sagt Lhotzky. „Dafür legt man in der orthodoxen Kirche beim Weihnachtsfest ein bisschen mehr Wert darauf, dass Christus Mensch geworden ist“, sagt der Priester. Dass Gott Mensch geworden sei, solle zum Nachdenken anregen. Doch es gibt auch eine Gemeinsamkeit, die die russisch-orthodoxe Kirche mit den anderen christlichen Glaubensrichtungen verbindet: der Weihnachtsbaum. „Ein neuer Baum steht für einen neuen Anfang“, sagt Matthias Lhotzky.

Bis zu 100 Gläubige

Seit 2011 gibt es die russisch-orthodoxe Gemeinde in Düren, deren Mitglieder aus dem gesamten Kreis stammen. Seit rund drei Jahren feiern die Gläubigen ihre Gottesdienste in der Kapelle der St.-Angela-Schule. „Dafür sind wir sehr dankbar. Wir fühlen uns hier wirklich sehr wohl“, sagt Lhotzky. Derzeit besteht die Gemeinde aus 50 Mitgliedern, die die Gottesdienste regelmäßig besuchen. An Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten können es auch schon mal bis zu 100 Gläubige sein. „Das ist eine junge Gemeinde. Sie ist noch im Aufbau“, sagt Lhotzky.

Zu den Gemeindemitgliedern gehören auch Elena und Andri Rogalski aus Düren. „Weihnachten wird bei uns nicht so wie in Deutschland gefeiert. Das Wichtigste ist die Kirche. Dort bekommen die Kinder auch ihre Geschenke“, sagt sie. Dass das russische Weihnachtsfest in diesem Jahr auf ein Wochenende falle, sei besonders praktisch.

Ansonsten müsse man dafür Urlaub einreichen. „Das geht aber nicht immer“, sagt Andri Rogalski. Nach dem Gottesdienst wird das Ehepaar das Weihnachtsfest zusammen mit der Familie feiern. „Bei uns heißen die Stichworte Beten, Geschenke und Essen“, bringt Tatjana Kühl es auf den Punkt. Gemeinsam mit ihrem Mann Alexander besucht auch sie regelmäßig die Gottesdienste.

Die Tannenbäume in den Wohnzimmern der Gemeindemitglieder bleiben noch bis zum 14. Januar stehen. Dann wird das neue Jahr gefeiert. Einziger Wermutstropfen: „Ein Feuerwerk gibt es dann nicht“, sagt Rogalski und lacht.

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