Rurtalwerkstätten: Konsequenzen nach öffentlicher Schelte

Von: Carsten Rose
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Keine freie Sicht: Noch ist unklar, wie es mit den Rurtalwerkstätten weitergehen wird. Die Verantwortlichen sind optimistisch. Foto: Rose
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Düren. Die Rurtalwerkstätten stehen nach den öffentlich gewordenen Defiziten bei der Beschäftigung und Betreuung ihrer Klienten vor einem Umbruch. Im schlimmsten Fall droht der Einrichtung, zum nächsten Hauptaufnahmetermin im September keine neuen Teilnehmer für ihre Bildungsangebote aufnehmen zu dürfen – das würde finanzielle Einbußen bedeuten.

Bereits jetzt gilt seitens der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit (BA) vorerst ein Zuweisungsstopp unter anderem für Abgänger von Förderschulen, solange der Betrieb seine Mängel insbesondere beim Bildungsauftrag nicht behebt.

Die BA hat nun mit den Rurtalwerkstätten (RTW) und dem Landschaftsverband Rheinland (Auftraggeber für den Arbeitsbereich) Auflagen erarbeitet, damit diese weiter Bildung für Menschen mit Behinderung anbieten darf.

Zu Details hielt sich die BA bei Anfrage mit Verweis auf das „laufende Verfahren“ bedeckt. Die Rurtalwerkstätten spielen dagegen mit offenen Karten: Bis Ostern müssten neue Konzepte vorliegen, darüber hinaus würden Stellen nachbesetzt, und der Betrieb werde seine Infrastruktur umbauen. Die Verantwortlichen der RTW geben sich optimistisch, die Aufgaben zu bewältigen; die BA bleibt „betont neutral“, wie ihr Sprecher Christoph Löhr mitteilt.

Öffentlich geworden sind die Defizite Ende Februar, nachdem eine RTL-Journalistin als Praktikantin getarnt bei den Rurtalwerkstätten recherchiert hatte. Zudem ist die Regionaldirektion im Mai 2016 selbst zu dem Schluss gekommen, dass die Betreuungs- und Fördereinrichtung ihre Klienten nicht den Auflagen entsprechend fördere. Ein überarbeitetes Konzept hatte die BA im Dezember nicht akzeptiert.

Bereiche strikt trennen

In den neuen Konzepten müssen die Rurtalwerkstätten nach eigenen Angaben darlegen, wie in dem Betrieb gearbeitet und fortgebildet wird. Die BA bemängelt, dass Bildungs- und Arbeitsbereich sowohl bei den geistig Behinderten als auch bei den psychisch Kranken bis jetzt nicht strikt getrennt sind. „Wir erarbeiten jeweils ein neues Konzept für beide Gruppen“, sagt Thorsten Scholl, Technischer Leiter. Scholl, Geschäftsführer Wolfgang Nettersheim und der Pädagogischer Leiter, Patrick Scheuer, wollen bei den Inhalten nicht ins Detail gehen.

Nur so viel: „Im alten Konzept haben wir uns zu stark an Formalien und Theorien gehalten und nicht deutlich gemacht, was wir praktisch umsetzen. Das war unser Fehler“, sagt Scholl. Definitiv solle die Individualförderung verbessert werden. Diese habe die BA infrage gestellt, weil zum Beispiel – wie im TV-Beitrag zu sehen war – mehrere Personen ein und denselben Großauftrag abgearbeitet hatten. „Das wird es nicht mehr geben“, sagt Nettersheim.

Um die geforderte strikte Trennung zwischen Bildungs- und Arbeitsbereich zu schaffen, hat die Geschäftsführung mehrere neue Gebäude im Blick; Anfang 2018 könnte man „mit etwas Glück“ teilweise umziehen. Ziel sei ein zentraler Berufsbildungsbereich für Menschen mit geistiger Behinderung. Ein neues Gelände für die Produktion sei auch angedacht.

Infrage kämen nur Objekte nahe der bisherigen Standorte Düren, Stockheim und Huchem-Stammeln. Da die Gebäude immer behindertengerecht umgebaut werden müssen, gestalte sich die Suche dementsprechend schwierig, und es sei kein schneller Umzug möglich, sagt Scholl. In absehbarer Zeit steht auch ein Umzug der nicht mehr zeitgemäßen Zentrale an der Veldener Straße an: „Wir planen mittelfristig nicht mehr mit diesem Gebäude“, sagt der Geschäftsführer.

Umstrukturieren müssen die RTW im Zuge der Bereichstrennung auch beim Personal. Im Berufsbildungsbereich der geistig Behinderten müsse der Betrieb nachbesetzen. Wie viele Stellen offen sind, sei noch unklar. Nettersheim unterstrich, dass der Vorwurf stimme, der Personalschlüssel würde bei der jetzigen Struktur generell nicht eingehalten. Aber in Bezug auf das Berufsbildungszentrum für psychisch Kranke, das im RTL-Beitrag gezeigt wurde, stimmte dieser Vorwurf nicht.

Keine Alternativen

Sollte die BA ihren Zuweisungsstopp nicht bis Herbst aufheben, steht auch die Schulaufsicht des Kreises Düren vor einem Problem. Deren Leiter, Michael Schevardo, sagt, er sei im Fall der Fälle „ratlos“, wie er die Abgänger von Förderschulen mangels Alternativen versorgen sollte.

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