Düren - Rurtalwerkstätten feiern 150-Jähriges: „Ein Stück Heimat“

Rurtalwerkstätten feiern 150-Jähriges: „Ein Stück Heimat“

Von: Fred Schröder
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Vor 150 Jahren wurden die Rurtalwerkstätten gegründet. Heute bieten sie mehr als 1000 Menschen mit und ohne Behinderung einen Arbeitsplatz. Foto: Rurtalwerkstätten
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Vor 150 Jahren wurden die Rurtalwerkstätten gegründet. Heute bieten sie mehr als 1000 Menschen mit und ohne Behinderung einen Arbeitsplatz. Foto: RTW

Düren. Was vor einem halben Jahrhundert im Keller im „Haus des Deutschen Ostens“ als Anlernwerkstatt mit zwölf Personen begann, präsentiert sich nun als einer der größten Arbeitgeber der Region. Die „Rurtalwerkstätten“ (RTW), gemeinnützige GmbH der Lebenshilfe, feiern am 20. September ihr 50-jähriges Bestehen.

Mit Stolz. Denn heute werden an sechs Standorten 840 Menschen mit Behinderung beschäftigt. Zählt man Ausbildungs- und Betreuungspersonal dazu, stehen mehr als tausend Personen auf den RTW-Lohnlisten. „Die Rurtalwerkstätten sind ein Wirtschaftsunternehmen“, sagt Geschäftsführerin Sabine Pinkerneil (36). „Aber ein Wirtschaftsunternehmen mit Sonderstatus.“

Es war ein wahrer Kraftakt, den sich die Lebenshilfe-Vorstände nur wenige Monate nach der Gründung ihrer Kreisvereinigung auf die Fahne schrieben. Nicht nur schulische und therapeutische Förderung, auch berufliche Anleitung und Bildung für geistig behinderte Personen strebte man an. Jakob Savelsberg, einer der Motoren in der Lebenshilfe, stand auch bei der Gründung dieser Einrichtung in vorderster Reihe. Man betrat Neuland. Eine rechtliche Grundlage für die Anlernwerkstatt war nur vage vorhanden.

Erst mit dem Arbeitsförderungsgesetz (AFG) kam zum 1. März 1969 der rechtliche Rahmen. Die „Werkstatt für Behinderte“, so jetzt der korrekte Terminus, war anerkannt als Einrichtung beruflicher Bildung und erfüllte die Voraussetzung für individuelle wie auch institutionelle Förderung. „Die Werkstatt“, sagt Sabine Pinkerneil, „ist für die meisten unserer betreuten Mitarbeiter ein Stück Heimat. Viele arbeiten hier nicht nur, sondern sie haben hier auch ihre Freunde.“ Wer in den RTW arbeiten möchte, darf keinen Intelligenzquotienten haben, der höher ist als 69.

Inzwischen hatte die RTW expandiert. Neue Räume im Eschfeld wurden bezogen, später kamen der Standort Scharnhorstraße und Räume an der Kölner Landstraße dazu. Ständige Nachfrage nach Plätzen machten weitere Maßnahmen notwendig. So wurde 1976 das Gelände einer Faltschachtelfabrik an der Veldener Straße angekauft und zur Werkstatt mit Verwaltung umgebaut. Weitere Objekte kamen hinzu, so dass es heute sechs Standorte gibt. Gearbeitet wird in den Bereichen Verpackung, Holz, Mechanik, Blech, Küche, Wäscherei/Heißmangel, Garten- und Landschaftsbau sowie Druckerei und Buchbinderei.

„Wir müssen uns immer neuen Herausforderungen stellen“, sagt Geschäftsführerin Sabine Pinkerneil, „weil insbesondere der Bedarf an Plätzen für psychisch behinderte Menschen steigt“. Aktuell wird geplant, auf dem Glashüttengelände ein neues Objekt zu bauen.

Gesellschafter bei der Gründung der „Rurtalwerkstätten“ waren die damalige Kreisvereinigung der Lebenshilfe und eine Birkesdorfer Unternehmerfamilie. Heutige Gesellschafter sind die Lebenshilfe Düren und das Heilpädagogische Eingliederungszentrum Lebenshilfe HPZ Bürvenich.

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