Rurtal-Gymnasium will Unesco-Projekt-Schule werden

Von: Ines Kubat
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Marilena Brucato setzt sich dafür ein, dass das Rurtal-Gymnasium den offiziellen Status einer Unesco-Projektschule erhält. Foto: Ines Kubat

Düren. Heute vor genau 70 Jahren, am 16. November 1945, wurde in London der Gründungsvertrag der Unesco unterschrieben. Die eigenständige Unterorganisation der Vereinten Nationen hat sich seitdem die weltweite Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur auf die Fahnen geschrieben.

Diesen Zielen verpflichten sich viele Organisationen. Das Dürener Rurtal-Gymnasium nimmt es aber ab sofort ganz genau mit der Umsetzung: Dort will man offiziell als Unesco-Projekt-Schule anerkannt werden. Schulen mit einem solchen Zertifikat gibt es in Deutschland derzeit rund 200, weltweit etwa 8800. Sie alle versuchen mit verschiedenen Projekten, den Unesco-Gedanken an die Schüler weiterzugeben.

Im Kreis Düren wäre das Gymnasium aber die einzige Schule mit einem solchen Profil. Anfang September hat Marilena Brucato, Koordinatorin des Projekts, die Bewerbungsunterlagen abgeschickt: Ab sofort darf sich das Gymnasium „interessierte Unesco-Projekt-Schule“ nennen. Der Weg, bis die Schule anerkannt ist, ist weit und erfolgt in mehreren Schritten. „Zwei bis drei Jahre lang dauert die Bewerbungsphase, schätze ich“, erklärt Brucato, Lehrerin für Geschichte und Italienisch. Erst bedarf es der Zustimmung der Schulkonferenz, des Kultusministeriums und der deutschen Unesco-Kommission. In den nächsten Jahren will die Schule deshalb noch einige Themen anstoßen, „vieles läuft hier aber schon im Sinne der Unesco-Schwerpunkte“, sagt die Lehrerin.

Zum Beispiel beim Thema Toleranz: „In den Klassenräumen ist die Herkunft der Schüler eigentlich gar kein Thema. Im Gegenteil sogar: Für Ramadan haben wir das Schulfest verschoben, damit alle Schüler ohne Einschränkungen daran teilnehmen können.“ Toleranz gegenüber anderen ist nur eins der Themen, die Unesco-Schulen anpacken sollen: Die anderen Ziele sind die Verwirklichung von Menschenrechten für alle, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, die Bekämpfung von Armut und Elend, die globale Entwicklung und die Bewahrung des kulturellen Erbes.

Im Bereich Umwelt habe die Schule beispielsweise schon einiges vorzuweisen: „Seit 2011 sind wir Nationalparkschule Eifel. Die Schüler werden vor Ort sowohl an die Natur als auch verschiedene Tierarten herangeführt“, sagt die Lehrerin. Außerdem gebe es eine Nachhaltigkeits-AG, und Recyceln werde ebenfalls nicht nur im Unterricht thematisiert. Besonderen Fokus legt das Rurtal-Gymnasium in der Bewerbung um die Unesco-Projekt-Schule auf den Bereich Demokratie und Menschenrechte.

„Das Thema behandeln wir in historischer Perspektive im Unterricht“. Außerdem wird bereits seit mehreren Jahren eine Rechtskunde-AG vom Vorsitzenden der Elternpflegschaft angeboten. Die AG widmet sich nun auch verstärkt dem Asylrecht, berichtet Brucato weiter. Auch das entspreche den Projektschulvorgaben: Nicht nur Lehrer und Schüler, sondern auch Eltern sollen den Unesco-Gedanken aktiv mittragen.

Im Sinne der Friedenserziehung gebe es an der Schule verschiedene Aktionen zur Gewaltprävention, außerdem können sich Schüler zu „Streitschlichtern“ ausbilden lassen. Als neuen Baustein – unter anderem für das Unesco-Zertifikat – strebt das Gymnasium außerdem einen anderen Titel an: „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Sowieso sei interkulturelles Lernen und Denken an der Schule verankert, wozu auch die Austauschfahrten nach England, Tschechien und Belgien beitragen, erzählt die engagierte Lehrerin.

Doch natürlich stehe auch die Vermittlung des kulturellen Erbes auf dem Plan: Die Schüler einer interessierten Unesco-Projektschule sollen schließlich die Weltkulturerbe-Stätten in der Umgebung kennen. Deshalb werde sowohl der Dom in Aachen als auch der in Köln besucht. In regelmäßigen Abständen tauscht sich Projektkoordinatorin Brucato mit Vertretern anderer interessierter oder anerkannter Unesco-Schulen aus. „Das Netzwerk innerhalb Deutschlands ist sehr gut. Davon werden wir auch nach der Anerkennung profitieren.“

Dass sie eines Tages tatsächlich den offiziellen Titel einer Unesco-Schule tragen werden, davon ist Brucato überzeugt: „Meiner Meinung nach dauert die Bewerbung nur so lang, weil wir beweisen müssen, dass wir Projekte nachhaltig initiieren.“ Sobald der offizielle Titel in der Tasche ist, profitiert die Schule nicht nur vom Ideen-Netzwerk: Alle zwei Jahre gibt es einen internationalen Projekttag, der an jeder teilnehmenden Schule vorher intensiv vorbereitet wird. Wenn bei der Bewerbung alles gut geht, kann Brucato mit ihren Schülern in fünf Jahren den nächsten runden Geburtstag der weltweiten Organisation feiern. Und zwar als anerkannte Unesco-Projekt-Schule.

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