Runder Tisch zur Flüchtlingshilfe stößt auf großes Interesse

Von: Jörg Abels
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Die Fertighäuser an der Selhausener Straße in Oberzier gehören zu den Flüchtlingsunterkünften der Gemeinde Niederzier. Aktuell hat die Kommune 107 Flüchtlinge aufgenommen und noch Platz für 33.
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Foto: Abels

Niederzier. Hermann Heuser war positiv überrascht. Mit 20, ja vielleicht 30 hilfsbereiten Mitbürgern hatte der Bürgermeister am Montagabend beim ersten Treffen des Runden Tisches zur Flüchtlingshilfe in der Gemeinde Niederzier gerechnet. Am Ende waren es dreimal so viele.

„Das ist ein guter Tag für die Gemeinde Niederzier“, freute sich der Bürgermeister. „Dieser Zuspruch zeigt, dass wir zusammenhalten, wenn es gilt, anderen zu helfen.“

Und es blieb an diesem Abend nicht nur beim bloßem Informationsaustausch und vagen Hilfsangeboten. Für jeden Ort der Gemeinde fanden sich Ansprechpartner, die sich um konkrete Betreuungsangebote kümmern wollen, und an die sich hilfsbereite Mitbürger in den kommenden Wochen werden können. In jedem Ort sollen in den Bürgerhäusern Cafés angeboten werden, mit dem Ziel, die Flüchtlinge aus aller Herren Länder kennenzulernen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

Sybille Haußmann vom kommunalen Integrationszentrum des Kreises Düren und Pfarrerin Susanne Rössler von der Evangelischen Gemeinde zu Düren hatten zuvor verdeutlicht, dass die Sprachbarriere das größte Hindernis bei der Integration der Flüchtlinge ist, da nur anerkannte Asylbewerber ein Anrecht auf einen bezahlten Deutschkurs hätten.

„Hier erhoffen wir uns als Verwaltung ehrenamtliche Hilfe“, betonte Heuser. Ein Aufruf, der auf viele offene Ohren stieß. Über die konkrete Umsetzung soll in den kommenden Wochen gesprochen werden. Heuser wünscht sich darüber hinaus, dass sich vielleicht auch Paten finden, die vor allem die Flüchtlingsfamilien bei Behördengängen und kleineren Problemen im täglichen Leben unterstützen.

Sybille Haußmann warb dafür, Flüchtlinge über Berufspraktika einzubinden, da sie die ersten drei Monate überhaupt keinen und danach weitere zwölf Monate nur einen Job annehmen dürfen, wenn die Agentur für Arbeit für diesen keinen anderen Bewerber findet. „Hier sind kreative Lösungen gefragt“, ermutigte die Expertin die hilfsbereiten Bürger. Die Gemeinde hat bereits 13 Flüchtlinge im Bauhof untergebracht, die freiwillig gemeinnützige Arbeiten übernehmen, betonte Heuser, und auf diese Art ganz nebenbei auch die deutsche Sprache lernen.

Um die Flüchtlinge besser kennenzulernen, ist auch ein kleines Fest geplant. Der in Niederzier wohnende Pianist Georg Weber, der jahrelang das Frauenkabarettduo „Missfits“ begleitete, hat spontan seine Unterstützung zugesagt.

Derzeit leben 107 Flüchtlinge in der Gemeinde Niederzier. Seit Jahresbeginn hat die Gemeinde bereits 28 Männer, Frauen und Kinder aufgenommen – so viele wie im gesamten Jahr 2014. Anders als andere Kommunen hat die Gemeinde Niederzier bislang noch kein Unterbringungsproblem. Im Gegenteil: Aktuell stehen sogar noch 33 freie Plätze zur Verfügung. Dabei kann die Gemeinde auf die erfahrungsgemäß nicht immer konfliktfreie Unterbringung in Wohncontainer-Siedlungen noch verzichten. Dabei soll es nach Möglichkeit auch bleiben, betonte Heuser.

„Wir sind immer auf der Suche nach Wohnungen auf dem privaten Wohnungsmarkt, erklärte der Bürgermeister. „Es sieht derzeit gut aus, dass wir das dezentrale Unterbringungssystem auch beibehalten können.“ Zuletzt wurde das alte Sportheim in Hambach, das zuletzt als Jugendheim diente, aber von den Jugendlichen kaum noch genutzt wurde, umgebaut.

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