Bergstein - Rückkehr in die Heimat nach 66 Jahren

Rückkehr in die Heimat nach 66 Jahren

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Peter Lüttgen vom Pfarrgemein
Peter Lüttgen vom Pfarrgemeinderat zeigt das sogenannte Hartmann-Kreuz, das nach fast sieben Jahrzehnten in den USA wieder einen Platz in der Bergsteiner Pfarrkirche gefunden hat. Foto: Johnen

Bergstein. Die Geschichte beginnt im Kriegswinter 1944/45, als ein amerikanischer Soldat in den Trümmern des Bergsteiner Pfarrhauses über ein Kreuz stolperte, das die Bergsteiner im Jahr 1926 ihrem Pfarrer zu dessen 25. Priesterjubliäum geschenkt hatten.

Der unbekannte Soldat steckte es als Erinnerungsstück ein - und damit verlor sich die Spur des sogenannten Hartmann-Kreuzes. Beim Pfarrfest am Wochenende wird es nun offiziell wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Durch eine glückliche Fügung ist das vermisste Kreuz wieder in die Heimat zurückgekehrt, nach beinahe sieben Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten.

Zurück in die Vergangenheit: Im Herbst 1944 erreichte der Zweite Weltkrieg die Nordeifel, am 10. Oktober musste Bergstein evakuiert werden. „Der Burgberg wurde als Hill 400 zum strategischen Ziel der amerikanischen Verbände”, berichtet Peter Lüttgen vom Bergsteiner Pfarrgemeinderat. Am 5. Dezember nahmen die Amerikaner Bergstein ein und das Zweite Ranger-Bataillon richtete in der Pfarrkirche seinen Kommandostand zur Erstürmung des Burgbergs ein. Wie der GI hieß, der das Kreuz im während der Kämpfe schwer beschädigten Pfarrhaus „sicherstellte”, ist nicht bekannt. Belegt sei aber, dass das Kreuz 1970 in den Besitz eines Jesse Callas gelang, der das Kreuz vermutlich von seinem Vater übernommen hatte. Es blieb 35 Jahre in seinem Besitz, bis er ehe zufällig Zeuge des Gesprächs eines Kollegen wurde, der von seinem katholischen Glauben berichtete. „Dies veranlasste Callas, für den das Kreuz keine religiöse Bedeutung hatte, das Fundstück an Patric Boudro weiterzugeben”, berichtet Lüttgen.

An dieser Stelle war das Glück den Bergsteinern hold, denn Boudros Frau Gertraud kam aus München - und entzifferte die Inschrift auf der Rückseite des Kreuzes. Sie erkannte, das es ein Geschenk der Bergsteiner an ihren Pfarrer Wilhelm Hartmann war, der 1939 auf dem Bergsteiner Friedhof beerdigt wurde. Jahrelang suchte Gertrud Boudro vergeblich nach der Pfarre Bergstein, um das Kreuz an seinen Bestimmungsort zurückzubringen. Ihre Suche war erfolglos, bis sie im vergangenen Jahr im Internet fündig wurde. Vermittelt durch Arnold Kilburg gelang die Rückführung des unversehrten Kreuzes in die Eifel, nach 66 Jahren. Heimatforscher Kilburg war es auch, der die Geschichte rekonstruierte. Im Turmraum der Pfarrkirche soll das Kreuz nun ausgestellt werden. Neben Informationen zum Kreuz und zum Leben und Wirken von Pfarrer Wilhelm Hartmann gibt es Texte zur Christus-Königverehrung als Zeichen der Katholiken gegen den NS-Führerkult. Auch Auszüge aus einem Brief von Dechant Peter Weisweiler, der als Bergsteiner Pfarrer aus der Evakuierung heraus seiner Gemeinde Mut zusprach und den Krieg anprangerte, wird ausgestellt.

An ein amerikanisches Schicksal erinnert eine Münze, die in einem Bergsteiner Garten gefunden wurde. Die abgeschliffene Vorderseite des Geldstücks zeigt eine Gravierung: Frank W. Hayes, 517 Parachute Reg, France 1944. Axel Schumacher begab sich auf die Spurensuche und zeichnet den Weg des Soldaten nach Bergstein nach, der dort ein jähes Ende nahm.

Die Ausstellung ist jeweils nach den Gottesdiensten zu besuchen.

Pfarrfest am Wochenende

Eine kleine Ausstellung im Turmraum der Bergsteiner Pfarrkirche zeigt, wie das Hartmann-Kreuz wieder nach Bergstein kam.

Beim Pfarrfest am Wochenende wird das Kreuz offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Samstags wird ab 19.30 im Pfarrgarten gegrillt, am Sonntag wird nach dem Gottesdienst um 10.15 Uhr gefeiert. Für die jungen Besucher gibt es ein buntes Rahmenprogramm.

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