Rudolf Schock: Ein Wahldürener und Weltstar

Von: Stephan Johnen
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Ein Tenor mit Kult-Status: Rudolf Schock, hier in seinem Gürzenicher Wohnzimmer, avancierte zum Medienstar. Foto: stock/teutopress
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Fred Oepen (links) und Dr. Horst Wallraff haben sich mit dem Leben Rudolf Schocks auseinandergesetzt. Foto: Johnen

Düren. Die Gelegenheit, mit einer echten Berühmtheit ein Lied anzustimmen, bietet sich nicht allzu oft. Wie Dr. Horst Wallraff vom Stadt- und Kreisarchiv Düren versichert, hatten die Nachbarn des Opern-, Operetten, Film- und Fernsehstars Rudolf Schock aber regelmäßig Gelegenheit dazu.

Der Wahl-Dürener Schock pflegte mit seinem Hund auf Spaziergänge rund um Gürzenich zu gehen. Gesellte sich ein sangesfreudiger Nachbar samt Vierbeiner hinzu, blieb es nicht lange still.

„Rudolf Schock war ein Weltstar, vielleicht der erste deutsche Künstler, der zu einem Sänger mit Kult-Status avancierte“, berichtet Wallraff. „Und dennoch blieb er immer bodenständig, war ohne Allüren.“ Am 4. September wäre der Tenor, der 1980 nach Gürzenich zog, 100 Jahre alt geworden. Der 1915 in Duisburg geborene Schock starb völlig überraschend in der Nacht zum 13. November 1986 an einem Herzinfarkt.

Ihm zu Ehren hat der Dürener Fred Oepen, der sich „schon immer für die Geschichte der Stadt interessiert hat“, zwei Ausstellungen konzipiert. Auch der Historiker Horst Wallraff hat sich mit dem Leben und Wirken des Tenors auseinandergesetzt. Viele Dokumente, Tonträger und Erinnerungsstücke stellte die Familie Rudolf Schocks zur Verfügung.

Aufgewachsen ist der Tenor in einem Arbeiterviertel, der Vater starb früh, die Mutter arbeitete als Putzfrau und Garderobiere am Stadttheater Duisburg. „Schock hatte keinerlei musikalische Ausbildung – aber Talent“, sagt Wallraff. Wie übrigens seine Geschwister, die ebenfalls als Opernsänger Karriere machten. Der Beharrlichkeit der Mutter war es wohl zu verdanken, dass der junge Rudolf 1933 vorsingen durfte.

Während seine ältere Schwester Elfriede als Chorsängerin engagiert wurde, schaffte Rudolf, inzwischen gelernter Friseur, dies erst ein Jahr später. Der junge Sänger machte sich einen Namen, wurde für die Deutsche Staatsoper Berlin engagiert, trat in Wien auf die Bühne und in Bayreuth. Neben Bühnenengagements war er von 1940 bis 1945 als Soldat an diversen Kriegsschauplätzen eingesetzt. „Die Alpträume haben ihn bis an sein Lebensende verfolgt“, sagt Wallraff.

Der eigentliche Durchbruch erfolgt jedoch in der Nachkriegszeit. 1947 wird die erste Platte aufgenommen, im Kinofilm „Du bist die Welt für mich“ spielt Schock sein kurz zuvor verstorbenes Tenor-Vorbild Richard Tauber. Es folgen mehr als zehn weitere Musikfilme, unzählige Plattenverträge und Tourneen. Die schwere Erkrankung seiner älteren Tochter Isolde, die bei Düren lebte, bewog das Ehepaar 1980 zu einem Umzug vom Starnberger See nach Gürzenich.

„Schon vor seinem Umzug an die Rur war Schock mit der Stadt verbunden“, berichtet Fred Oepen. Schock hatte viele Freunde in Düren, unter anderem den Geschäftsmann Heinz Leroy. „Ende der 50er Jahre trat Schock, der ein Vermögen angehäuft hatte, als Investor in Erscheinung“, blickt Horst Wallraff zurück. Der Sänger ließ in der während des Krieges beinahe vollständig zerstörten Stadt an der Ecke Hohenzollernstraße/Bonner Straße sowie an der Oberstraße und der Stürtzstraße von Leroy ganze Wohnblocks errichten. 1958 und 1961 füllte er als Tenor bei Konzerten die Stadthalle. Er war der „Troubadour des Wirtschaftswunders“, resümiert Horst Wallraff. „Die Menschen lechzten nach dem Krieg geradezu nach Unterhaltung.“

Der Weltstar habe sich trotz seines Erfolgs jedoch nie abgeschottet. Wenige Tage vor seinem Tod gab er mit der „Constantia“ Birkesdorf ein Konzert. Auf dem Programm standen „Auszüge aus Klassik, Operette und Musical“. Seit 1992 trägt der Platz vor dem Haus der Stadt den Namen Schocks.

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