„Roter Ring“ kümmert sich um Opfer von Wirtschaftskriminalität

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
5016309.jpg
Dr. Peter Gerhard Lindner aus Düren ist Bundesvorsitzender des „Roten Rings“. Foto: Johnen

Düren. Wenn es ums Geld geht, kann Peter Lindner so einiges erzählen und erklären. Aus Sicht eines promovierten Psychotherapeuten beispielsweise. Doch darum geht es heute gar nicht. Dr. Peter Lindner aus Düren ist seit zwölf Jahren auch Bundesvorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Roter Ring“, der Opfer von Wirtschaftskriminalität unterstützen möchte.

Kürzlich wurde er für vier Jahre im Amt bestätigt. Wie er zum eher „fachfremden“ Amt kam? „Ich habe auch einige Semester Jura studiert“, blickt der Psychotherapeut zurück. Und da er beruflich viele Gutachten verfasste, gab es Berührungspunkte mit den Kollegen der Juristerei. „Ich habe manche Grenzfälle erlebt“, sagt er. Fälle, in denen es auch um wirtschaftliche Belange ging. „Menschen geraten manchmal unverschuldet in Not“, sagt Lindner. Ihnen zu helfen ist auch eine Aufgabe des „Roten Rings“.

Der gemeinnützige Verein hilft Wirtschaftsopfern und will einen Beitrag zur Verhütung von Wirtschaftskriminalität leisten. Er unterstützt nach eigenen Angaben Menschen und Unternehmen, die durch manipulative und betrügerische Verhaltensweisen von Finanz- und Anlageberatern, Banken und Kapitalgebern weitgehend unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind oder zu geraten drohen. Entstanden ist der Verein nach dem Fall der Berliner Mauer, zur Zeit der Wiedervereinigung. Nach der Wende herrschte Goldgräberstimmung im Land, doch gleichzeitig wurden auch die Schattenseiten deutlich sichtbar. Arbeit für den „Roten Ring“ gab und gibt es ausreichend.

Ein besonderes Anliegen des Vereins ist es, mittelständischen Unternehmen zu helfen, denen unverschuldet die Insolvenz droht. „Dieses Schicksal kann Sie schnell treffen“, weiß Lindner. Eine falsche Beratung hier, säumige Kunden dort – und das Geld wird knapp. „Wir unterstützen Unternehmen aber auch Privatpersonen bei der Bewältigung solcher krisenhaften Situationen“, erklärt Lindner. Der Verein tritt als Mediator zwischen Banken und deren Kunden in Erscheinung und vermittelt notfalls auch Kredite.

In akuten Einzelfällen können auch Patenschaften für in Not geratene Unternehmen übernommen werden. „Gespräche und Mediation gehören zu unseren Kernaufgaben“, sagt Lindner. Der „Rote Ring“ versuche, mit allen Beteiligten außergerichtlich eine wirtschaftliche tragbare Lösung zu finden. „Wir fechten im Ernstfall aber eine Sache auch durch“, sagt Peter Lindner. „Wir sind fair, aber sehr konsequent.“ Der „Rote Ring“ verfüge über ein sehr eng geknüpftes Netzwerk aus Beratern, Rechtsanwälten und Spezialisten. „Die Arbeit, die der Verein leistet, erfolgt ehrenamtlich“, sagt Peter Lindner.

Themen, die immer wieder auf der Tagesordnung stehen seien falsche Beratungen bei Banken und Probleme bei Kreditgeschäften. „Viele Existenzgründer haben Kredite bekommen, die sie nach einer gründlichen Prüfung nie hätten bekommen dürfen“, kritisiert Lindner. Zu leichtfertig hätten Banken in der Vergangenheit Geld vergeben – und die Kunden hätten das Nachsehen gehabt.

Doch auch Meinungsverschiedenheiten mit Sozialgerichten, Behörden und Fragen des Mietrechts beschäftigen den „Roten Ring“. Immer öfter werde der Verein bei Verhandlungen mit privaten Krankenkassen um Hilfe gebeten. „Viele Leistungen werden nicht bewilligt, obwohl die Kassen es müssten“, sagt Lindner. Auch in solchen Fällen könne der Verein auf sein Netzwerk von Beratern zurückgreifen. Der „Rote Ring“ organisiert auch Seminare und Informationsveranstaltungen – und kooperiert dabei mit anderen Vereinen.

Doch auch politisch möchte der „Rote Ring“ bundesweit ein Wörtchen mitreden. Der Verein habe beispielsweise daran mitgewirkt, die Auskunfteien „verbraucherfreundlicher“ zu gestalten und mache sich für ein modernes Insolvenzrecht nach amerikanischem Vorbild stark. Mit Unbehagen würden Peter Lindner und seine Mitstreiter die Zunahme von „Abmahnvereinen“ beobachten. „Arbeit gibt es genug“, sagt Lindner.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert