Roland Mader: Leben auf der Überholspur ist Vergangenheit

Von: Franz Sistemich
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Zwei Größen des deutschen Volleyballs: Der frühere Damen-Bundestrainer Andrzej Niemczyk (links) und Roland Mader, der ehemalige Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, im Jahre 1989. Foto: Stock/Bergmann
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Feierte kürzlich seinen runden Geburtstag: Roland Mader, der frühere Präsident des Volleyballverbandes und des GFC Düren 09, wurde 70 Jahre. Foto: sis

Düren. „Ich habe ein Leben auf der Überholspur geführt. Ich habe aber auch gelernt, demütig zu sein“, sagt Roland Mader. 70 Jahre alt ist der Ehrenpräsident des Deutschen Volleyballverbandes vor wenigen Tagen geworden.

Der Geschäftsführer der Dürener Vertriebs- und Consulting GmbH Amedia, der den GFC Düren 09 nach dessen Absturz wieder in die Oberliga führte, hat seinen Geburtstag mit engen Verwandten und Freunden gefeiert. Er wollte keine Geschenke, er bat um Spenden für ein Kinderheim in Bolivien und für Peter Borsdorffs Aktion „Running for kids“.

Eines der schönsten Geburtstagsgeschenke bereiteten Mader, der mit seiner Frau Marion in der Stadt Nideggen lebt, die Spieler, deren Verband er von 1978 bis 1990 vorstand: Sie gewannen bei der Weltmeisterschaft in Polen zum ersten Mal seit über 40 Jahren wieder eine Medaille. Über die Bronzemedaille, die ihm Klaus Wegener, der Chefredakteur des Volleyball-Magazins, virtuell per SMS und mit den besten Grüßen zukommen ließ, freute sich Mader vor allem.

Dass er die Spiele der deutschen Männer nicht im Fernsehen verfolgen konnte, weil es nur Übertragungen im Internet gab, ärgerte ihn besonders: „Der Verband muss mehr Lobbyarbeit betreiben. Die Bronzemedaille ist auch ein gutes Argument gegenüber den Fernsehanstalten“, sagt der Ehrenpräsident. Denn dass Volleyball-Übertragungen im Internet die Zukunft sind, glaubt Mader nicht.

Häufiger Gast ist Mader in der Arena Kreis Düren, wenn die Erstliga-Volleyballer aus der Kreisstadt ihrer Profession nachgehen. „Die Verantwortlichen der SWD Powervolleys leisten gute Arbeit“, zollt Mader, der auch Vizepräsident des europäischen Verbandes war, den Dürener Machern Respekt.

Gewiss, der VfB Friedrichshafen und die Berlin Recycling Volleys seien für Düren und die übrige Liga wegen ihrer unerreichbaren Möglichkeiten kaum zu schlagen, aber: „Düren macht es vorbildlich. Düren kennt seine Grenzen, arbeitet seriös, verteilt die Arbeit auf viele Schultern, hängt auch nicht vom Geld eines Geldgebers ab, sondern hat größere und kleinere Sponsoren, die Volleyball auf hohem Niveau ermöglichen.“

Seit 1994 lebt und arbeitet Mader in Düren. Von München zog es ihn nach einer schwierigen Phase an die Rur. Hier gründete er die Sportmarketingagentur Amedia. Er betreute Sportler wie die Leichtathletin Grit Breuer, den Golfer Alexander Ceijka oder Ulrike Meyfahrt, die Olympiasiegerin von 1972 in München. Gerd Müller, der Fußball-Weltmeister von 1974 und „Bomber der Nation“, war ebenso bei Mader zu Gast wie Karl-Heinz Rummenige, der aktuelle Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, bei einem runden Geburtstag Maders oder Rudi Assauer, der ehemalige Manager des FC Schalke 04, bei Maders Hochzeit.

Franz Beckenbauer zählt er zu seinen engen Freunden, Manfred Germar, der frühere 200-Meter-Weltrekordler, Stelian Moculescu, der Trainer des VfB Friedrichshafen, oder Niki Pilic, der frühere Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams, gehören ebenfalls zu seinem Freundeskreis. Mit dem FC Bayern und dem FC Schalke 04 bestanden auch geschäftliche Beziehungen. So fädelte Mader auch die Zusammenarbeit Bayerns mit der Telekom ein. Es gibt viele Geschichten, die der Kurator der Stiftung Deutsche Sporthilfe aus seinem „Leben auf der Überholspur“ erzählen könnte. Die, die er als die lustigste bezeichnet, ereignete sich in Düren: Weil der Golfclub ihm die Mitgliedschaft verweigerte, ging Mader mit seinem Besucher Alexander Ceijka auf einen Minigolfplatz: „Mir blieb ja nichts anderes übrig“, sagt Mader und lacht. Und auch der große Golfer hatte seinen Spaß.

Der Profit

Von Maders geschäftlichen Beziehungen profitierte auch der Gürzenicher FC. Der hatte Probleme mit dem Finanzamt bekommen, ihm drohte das Aus. Mader engagierte sich, wurde Präsident des GFC Düren 09. Mit Uwe Seeler, dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, fuhren Mader und der damalige Bürgermeister Josef Vosen in dessen Dienstwagen die Sponsoren des GFC ab, um fehlende Sponsorengelder zu requirieren.

Der GFC kickte schließlich wieder in der Oberliga beziehungsweise Mittelrheinliga. Mader und sein Engagement wurden in Düren und seinem Umfeld kritisch beäugt, auch wenn er Vereine wie den FC Bayern Schalke 04, Borussia Mönchengladbach oder den 1. FC Köln zu Freundschaftsspielen in die Region lotste.

Dann zog sich Mader zurück. Der GFC musste später Insolvenz anmelden, es folgte die Fusion mit der SG Düren 99. „Ja“, sagt Mader, „ich würde mich wieder für den GFC engagieren. Ich würde es aber anders machen.“ Vor einiger Zeit hat sich Mader noch einmal auf die Anlage des GFC an der Papiermühle begeben. Er war schockiert ob des Verfalls: „Da sind Vermögenswerte für den Verein verloren gegangen“, sagt er.

Etwas zurückgezogen hat sich Mader nach seinem Schlaganfall vor zwei Jahren. Das Leben auf der Überholspur ist Vergangenheit, das Interesse auch am sportlichen Geschehen aber unverändert groß. Und so wird Mader auch weiter bei den Heimspielen von den SWD Powervolleys Düren zu sehen sein; beim Volleyball, der Sportart, der er sich seit Jahrzehnten besonders verbunden fühlt.

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