Rockende Rentner und das „Rätsel Frau”

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Ein fulminanter Auftritt von „Herbert Knebels Affentheater” auf der Burg. Ein restlos begeistertes Publikum genoss Comedy und Klamauk sowie die ausgezeichnete Musik der Rentnerband. Foto: Schmitz

Nideggen. Regencapes lagen bereit, denn der Blick zum Himmel verhieß nichts Gutes: Und wer weiß, was passiert wäre, hätte „Herbert Knebels Affentheater” das Programm „Nix wie weg” gespielt. Doch das Publikum auf der Nideggener Burg glaubte dem Versprechen „Love is in Sie Er” und blieb.

Begeistert verfolgten die rund 1000 Zuschauer, wie die Gruppe aus dem Ruhrpott Comedy und Kabarett verband, mit ausgezeichnetem musikalischen Können Rock- und Popklassiker intonierte oder die Oldies mit deutschsprachigen Spaß- und Nonsenstexten ausstaffierte. Das „Rätsel Frau” wollte die Männerriege auf ungewöhnliche Art lösen. Das Publikum wurde dabei Ohr- und Augenzeuge eines vergnüglichen Scheiterns.

Beziehungen zwischen „Er” und „Sie” nahmen sie unter die Lupe. Das „Affentheater” philosophierte über die Ehe, von der „eisigen Hochzeit” bis zum Drama um Scheidung und Rosenkrieg nicht nur bei Promis, sondern auch bei „Ottonormalbenutzer”.

Skurrile Alltagsgeschichten

Herbert Knebel erinnerte sich an „begnadete Körper im VW-Käfer” während der Kennenlernphase und den Anmache-Spruch: „So allein hier mit Deinem Mann?”

Der Mann mit der markantem Brille und einem Outfit, das selbst in einem Second-Hand-Laden nicht mehr zu finden ist, gab schließlich treuherzig nach langen Ehejahren bekannt: „Meine Frau und ich haben beschlossen, dass wir zusammen bleiben, bis unsere Kinder gestorben sind.” Er erzählte skurrile Alltagsgeschichten, machte sich über das Rentnerleben mit „Wortfindungsstörungen” lustig oder plädierte für die „Grufti-Disco”, in die man aber nicht ohne „Thrombose-Strapse” gehen sollte.

Da stand ein Quartett in weißen Hemden, Hosenträgern und Kappen auf der Bühne, das sich mit den vielen „weiblichen Hormonellen” im männlichen Körper quälte, über die Bühnenbretter schlurfte, Mitleid heischend in die Runde blickte, um dann plötzlich zur rockenden Rentner-Boygroup zu werden.

Da wird der Song „Radar love” von Golden Earring zu „Rentner Love”, der Hit von Paul Simon und Art „Furunkel” „Brigde over troubled Water” zu einer Liebeserklärung an das weibliche Geschlecht: „Frau liegt wie eine Brücke über unruhiges Wasser und die Statik stimmt”.

Passend zur freimütig deklarierten Tierliebe der schelmischen Vier stimmten sie das Monkey Stück „I´m a believer” an und machten daraus eine Hymne auf den Golden Retriever. Bei einem Muddy-Waters-Blues zückte Herbert Knebel seine Blues-Harp und verzückte das Publikum, dem schon längst, trotz der heraufziehenden Kälte, heiß geworden war, und das bei einem Medley aus „All you need is love” (Nur die Liebe zählt) und „Im Wagen vor mir sitzt mein altes Mädchen” schier aus dem Häuschen geriet - das beste Mittel, um nicht an den Stühlen festzufrieren. Ein Höhepunkt der Hitparade: Ein Telefonat auf einem Wählscheibenapparat in die DDR geriet zu einer ganz besonders hintergründigen Version des Chuck-Berry-Songs „Memphis Tennessee”.

Musik, Comedy, Klamauk waren das Erfolgsrezept der „ewig 60-Jährigen”. Auch Rentnerchef Herbert übermannte mehrfach das eigene Lachen. Kein Wunder, wenn er auf seine originellen Mitstreiter wie Ernst Pichel (Martin „Alfi” Breuer, Bass), dem „Running Gag” Ozzy Ostermann (Georg Göbel, Gitarre) und Detlef Hinze (Schlagzeug) blickte. Geschickt versteckten sie ihre Cleverness und ihren sprühenden Witz hinter einer dümmlichen Fassade. Aber sie sind alles Könner auf ihren Instrumenten, die bei den Zugaben Scherze mit Cindy und Berts „Fahrenden Musikanten” trieben und dazu im scharfen Kontrast „Highway to hell” (Auf´m Heimweg zu schnell) erklingen ließen.

Ein amüsanter Abend in „der Reste von einer Burg”, wie Uwe Lyko alias Herbert Knebel sachkundig feststellte, ehe auch er frenetisch gefeiert wurde.
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