Rinderdung soll Fledermäuse in die neue Heimat locken

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Der Dung der Rinder soll die Bechsteinfledermäuse aus dem Hambacher Forst locken.

Niederzier/Merzenich. Rinder und Fledermäuse sind ab sofort Partner, wenn es um den Artenschutz rund um den Tagebau Hambach geht. Experten von RWE Power mit dem Institut für Tierökologie und Naturbildung, unterstützt von der Diergardt‘sche Gutsverwaltung, eine neuartige Landwirtschaftsform für Ackerbauregionen wie die Kölner Bucht entwickelt.

„Besonders die seltene Bechsteinfledermaus soll mit Hilfe der Rinder im Rahmen des Beweidungskonzepts in parkartig angelegten Weideflächen mit Nahrung versorgt und allmählich aus dem Hambacher Forst in die Altwälder des Umlands gelenkt werden“, erklärt Fledermausexperte Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung. Im Hambacher Forst leben zwei Kolonien der Bechsteinfledermaus. Vor allem alte Eichen dienen ihnen als Lebensraum.

Wie aber passen die Umsiedlung und der Schutz von Fledermäusen mit den weidenden Wiederkäuern zusammen? Theoretisch soll es so funktionieren: Als Grasfresser eröffnen die Rinder die Nahrungskette für viele Tiere, vor allem für die zwölf im Altwald lebenden Fledermausarten. Die Huftiere haben in etwa die Funktion einer Versorgungsstation: Ihr Dung lockt Insekten an – und die Krabbeltiere stehen bei Vögeln und Fledermäusen ganz oben auf dem Speiseplan. Mit den Weideflächen in der Umgebung werden die Bürgewälder noch attraktiver und die Fledermäuse folgen ihrer neuen Nahrungsquelle.

Im ersten Schritt wurden nun 21 Rinder der Rasse Glanvieh auf den von RWE Power neu angelegten 80 Hektar großen Flächen nahe Manheim-Neu angesiedelt. Bis 2018 soll von der Sophienhöhe über die Wälder östlich von Jülich, dem dann ökologisch aufgewerteten nordöstlichen Tagebaurand und den Waldbereichen zwischen Kerpen und Horrem ein Netzwerk entstehen, das alte und neue Wälder verbindet. „Über diese Brücken aus Alleen, Hecken, Ackerrandstreifen, Feldgehölzen und verschiedenen Nahrungs- und Quartierbereichen, können Tierarten in Zukunft zwischen den einzelnen Waldbeständen wandern und so für einen regen Austausch und eine natürliche Vielfalt sorgen“, erläutert Werner Sihorsch, Leiter Rekultivierung bei RWE Power.

Um den Altwald zu ersetzen, wird das Rekultivierungsteam von RWE Power mit seinen Partnern in den kommenden fünf Jahren rund 700 Hektar landwirtschaftliche Flächen zwischen den umliegenden Altwäldern umgestalten. „Dadurch werden Lebensräume für zahlreiche Tiere vernetzt. Das Areal bildet für sie ein neues Jagdrevier“, ergänzt Dietz. RWE Power wertet zusätzlich etwa 400 Hektar der Altwälder ökologisch auf und schützt die alten Eichen.

Das Projekt, betont der Energiekonzern, achte auf einen fairen Interessenausgleich mit der Landwirtschaft: Betroffene Landwirte, gleich ob Grundeigentümer oder Pächter, sollen so gestellt werden wie diejenigen, die von der Abbautätigkeit des Tagebaus betroffen sind. Sie erhalten entweder Ausgleichsflächen oder Entschädigungen. Ziel ist außerdem, die örtlichen Landwirte möglichst in die Landschaftspflege einzubinden und ihre Dienstleistungen zum Beispiel bei Mäh- und Schnittarbeiten in Anspruch zu nehmen.

Dazu hat RWE Power den Vertretungen der Landwirtschaft ein Handlungskonzept vorgestellt, das seine Bewährungsprobe in Form der bereits hergerichteten Weideflächen bei Kerpen und Niederzier seit über zwei Jahre besteht, betont RWE.

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