Richter zum Mordangeklagten: „Sie verunglimpfen die Angehörigen"

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Düren. Richter Arno Bormann, Vorsitzender des Aachener Schwurgerichts, war entsetzt: „Sie verunglimpfen die Angehörigen, die Polizei und ihre eigene Anwältin. Die Angehörigen erwarten mindestens einen Täter, der sich zu seinen Taten bekennt“, redete Bormann dem Angeklagten Fuhrunternehmer Patrick R. (43) ins Gewissen.

Denn der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin angeklagte Mann aus Nideggen hatte an diesem Verhandlungstag begonnen, angebliche Gedächtnislücken zu beschreiben, die ihn die Tat vom 28. Februar nicht mehr nachvollziehen ließen. Das ging so weit, dass sich der Angeklagte beinahe komplett von seinem bei der Polizei abgelegten Geständnis distanzierte. Doch die Kammer ließ sich nicht ins Bockshorn jagen und ging mit dem Angeklagten Satz für Satz seiner damaligen Aussage durch. Das Ergebnis: Der Mann kam so ins Schleudern, so dass er am Ende die Tat doch indirekt wieder zugab.

Zuvor präsentierte der nur zögernd und mit Pausen sprechende Angeklagte merkwürdige Versionen des Geschehens am frühen Abend des letzten Februartages. Er habe dort nur seinen selbst gebastelten Schussapparat mit in seine Wohnung genommen, sagte er. Dabei habe sich ein Schuss gelöst, aus Ungeschick, wie er sagte. Der Schuss traf seine auf der Couch sitzende Ex-Freundin und verletzte sie am Kopf. Danach sei bei ihm alles verschwommen, er wisse nichts mehr und stellte sogar in den Raum, dass jemand anderes die Tat habe begehen können.

Da fuhr der Richter aus der Haut und hielt ihm seine Aussagen bei der Polizei vor. Danach hatte er die von dem Schuss schwer verletzte Frau mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen und schließlich erwürgt. „Sie haben in der Polizeiaussage genau beschrieben, wo sie den Hammer nach der Tat liegen gesehen haben, nämlich an der Türe ihres Schlafzimmers“, nahm sich der Richter ihn vor. „Sicher. es kann sein“, so Bormann weiter, „dass sie Ihre Freundin aus versehen angeschossen haben. Aber dann gab es eine Entscheidung. Und die Ihre war falsch.“ Da sei dann etwas passiert, was ihn veranlasst habe, diese junge Frau zu töten. Der Richter ging darauf ein, weil der Angeklagte wiederholt betonte, er könne keiner Fliege etwas zuleide tun.

Die erst 24-jährige Ex-Freundin und jetzige Geschäftspartnerin hatte mit ihm einiges bereden wollen an diesem Abend, gab er zu. Das Fuhrgeschäft - er lieferte Kies für eine große Firma - war nicht mehr auskömmlich, es gab Schulden beim Finanzamt. Wer wirklich das Sagen in der Firma hatte, war bislang nicht zu ermitteln. Einmal war er der Angestellte, ein anderes Mal sie selber. Das Opfer war zuletzt als Geschäftsführerin geführt worden.

Übrigens hatte die Auslese des Handys von Patrick R. ergeben, dass er am Tag zuvor diverse Seiten im Internet aufgerufen hatte, die sich mit Tötungsarten von Menschen beschäftigten, die nicht oder kaum nachzuweisen sind. Der Prozess wird am 7. Oktober fortgesetzt.

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