Rhythmus und Arrangements gegen kriegerische Texte

Von: Bruno Elberfeld
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Thilo Wagner, Rolf Marx, Henning Gailing, Bernard Flegar und Engelbert Wrobel (v.l.) begeisterten mit einem fantastischen Konzert. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Kein Wunder, dass die Veranstalter, die Cappella Villa Duria und der Gastronom, noch viele Stühle im Foyer im Haus der Stadt herbeischleppen mussten, denn der Name Engelbert Wrobel zählt viel in der Region Düren, stammt er zum einen doch aus Nideggen-Abenden und hat in Düren die Schulbank gedrückt, zum andern ist der Musiker Wrobel mit Klarinette und Saxofon national und international eine „Nummer“.

So gingen ob dieser Fertigkeiten und Fähigkeiten mit Klarinette und Saxofon während und nach der Veranstaltung auch Glückwünsche an die Mutter Wrobels, die mit Frauen aus Abenden zu diesem Konzert angereist war.

Das Konzert mit Musik der 1920er bis 1940er war mit einem Ohrwurm aus dem zweiten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts, mit „Tea for Two“, gestartet. Mit überbordender Lässigkeit und spürbarer Harmonie brachten Thilo Wagner am Flügel, Rolf Marx an der Akustikgitarre, Henning Gailing am Kontrabass, Bernard Flegar am Schlagzeug sowie Lokalmatador Engelbert Wrobel mit Klarinette und Saxofon den zeitlos schönen, weichen Klang auf die Bühne. Viele Besucher fühlten sich bald schon in einen Salon der Zwanzigerjahre mit Plüschsesseln, Drinks, Zigaretten und Zigarren versetzt.

Mit „Hallelujah“, „Good Queen Bess“ und „Lady be good“ machten die Musiker eine Reise zurück in eine Zeit, in der die gelungene Melodie, der passende Rhythmus sowie ein harmonisches Arrangement Vorrang hatten vor nachdenklichen Texten, die voll kriegerischen Inhalts die Menschen in Verwirrung gestürzt hätten.

Jeder einzelne Musiker auf der Bühne ist ein hervorragender Solist. „And I love her“: Rolf Marx unterstrich dies mit einem Solo auf seiner Akustikgitarre. Paul McCartney und alle anderen Beatles hätten ihre Freude gehabt. Nur leise von Bass und Schlagzeug begleitet, bot der Gitarrist einen zarten Ohrwurm mit Tiefgang. „Gute Musik muss nicht laut sein!“, war an einem Tisch nebenan zu hören.

Da wurde manchem Gast klar, dass es nicht reicht, die richtige Taste zu treffen, die richtige Saite zu zupfen, sondern dass genauso wichtig die Empathie ist, die alle Musiker, alle „Swing Societys“, mit stiller Freude und bewusstem Engagement in ihr Spiel legten.

Mit „Temptation Rag“ von Benny Goodman, „What‘ll do“ – Übersetzung von Moderator Engelbert Wrobel mit „Was soll ich tun, wenn ich verliebt bin?“ überzeugten der Saxofonist aus Abenden und seine Musiker ebenso wie nach der Pause mit „Who‘s sorry now“, „Frenesi“ und dem Blues „Pee Whees Blues“. „Schon komisch“, beschwerte sich Wrobel, „kein Blues heißt „Engelberts Blues“. Und immer wieder begeisterten die Soli mit Klarinette, Saxofon, Klavier, Schlagzeug und Kontrabass. Mit seinem Bass schien Henning Gailing während des Spiels nahezu zu verschmelzen.

Und wieder Engelbert Wrobel, der die einzelnen Lieder humorvoll und im Dürener Slang ankündigte. „Always, wer jetzt tanzen möchte, das Stück ist in As-Dur.“ Das war Engelbert Wrobel pur, der so die Verbundenheit zu seiner Heimat zeigte. Mit „When it‘s sleeping time“ – mit diesem Lied hatte Ausnahmetrompeter Louis Armstrong viele seiner Konzerte beendet – ließ Engelbert Wrobel dieses „Schlaflied“ zum Schluss auch erklingen.

Er traf mit dieser Erinnerung an den großen Künstler den richtigen Ton.

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