Rettungshundestaffel: Geduld ist die wichtigste Lektion

Von: Sarah Maria Berners
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Thomas Berner, Gisela Berners (beide Zülpich), Alex Zweers (Binsfeld), Verena Ströhl (Übach), Gabi Wascher (Untermaubach) und Markus Zweers (Binsfeld) Foto: Berners
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Labrador Odie soll bei dieser Übung lernen, dem Menschen, den sie sucht, nicht zu nahe zu kommen. Dazu wirft ihr Gisela Berner einen Futterbeutel entgegen und Frauchen Alex Zweers ruft ihren Hund sofort zurück.

Düren/Eschweiler. Wenn die angehenden Rettungshunde zum Training kommen, müssen sie sich vor allem in einer Disziplin üben: der Geduld. „Die Hunde müssen lernen, im Auto zu warten und dabei zu entspannen, damit sie ihre Leistung im Einsatz abrufen können“, erklärt Gisela Berner. Und das sei eine der schwersten Übungen – oftmals auch für das Herrchen.

Die geprüfte Hundeführerin Gisela Berner ist mit ihrem Mann Thomas (ebenfalls geprüft) aus dem Münsterland nach Zülpich gezogen. „Und weil es hier keine Rettungshundestaffel gab, haben wir eine ins Leben gerufen“, erklärt sie. Mit Alex und Markus Zweers, Gabi Wascher und Verena Ströhl fanden sie Mitstreiter in der Region. Sie sind der harte Kern.

„Es ist zeitaufwendig, einen Hund zum Rettungshund auszubilden“, erklärt die Vorsitzende und Ausbildungsleiterin Gisela Berner. Das halte nicht jeder durch. Zumal ja auch die angehenden Hundeführer Lehrgänge besuchen und Prüfungen absolvieren müssten. Das Wichtigste sei, dass der Hundeführer lerne, seinen Hund zu lesen.

An diesem Tag stehen vier Autos auf dem Gelände von Camp Astrid bei Eschweiler. Leises Bellen ist aus den Kofferräumen zu hören. Das sechsstündige Teamtraining hat gerade begonnen. Zwischen den Hügeln sind alte Bauwerke der Kaserne zu sehen. Das Gras steht hoch, der umgebende Wald ist dicht. Das sind gute Bedingungen, um zum Beispiel nach einer vermissten Person zu suchen. Alles, was dafür notwendig ist, wollen die Mitglieder der Rettungshundestaffel Rureifel heute üben.

Labrador-Hündin Odie ist als erste dran. Ihre Führerin Alex Zweers gibt das Ziel der ersten Übung an: Odie soll lernen, der Person, die sie findet, nicht zu nahe zu treten. „Das könnte der Person Angst machen“, erklärt sie. Das Prinzip ist einfach: klassische Konditionierung. Für die Leistung gibt es Lob, Leckerli oder beides. Die Übung: Ein Helfer positioniert sich auf einem Weg, geht in die Hocke und hat einen Futterbeutel in der Hand.

Mit dem Befehl „Such!“ schickt Alex Zweers ihren Vierbeiner los. Kurz bevor er den Helfer erreicht, wirft dieser ihm einen Futterbeutel vor die Füße und die Hundeführerin ruft Odie zurück. Odie schafft es kaum, zu bremsen, kommt zu nah. Nächster Versuch, leicht abgewandelt: Der Helfer wirft Odie den Beutel gleich in den Schnauze, Alex Zweer ruft. Odie dreht sofort ab. Gut gemacht. „Man darf nicht unterschätzen, wie anstrengend das für den Hund ist“, erklärt Gisela Berner. Dann bringt Alex Zweers ihre Odie zurück in den Kofferraum. Markus und Mexx sind dran.

Für Mexx, einen 38 Kilogramm schweren und 75 Zentimeter großen Weimaraner, steht heute eine Witterungssuche an. Wie Odie wird Mexx zum Flächen- und Trümmerhund ausgebildet. Das bedeutet, dass er jeder menschlichen Witterung folgt. Nach einem bestimmten Geruch sucht er nicht. Alex Zweers bringt Gabi Wascher in ein Versteck, zu einem Hochsitz im Wald. Damit die Übung nicht zu schwer ist, bestimmt sie vorher mit Puder die Richtung des Windes. Hundeführer Markus Zweers legt Mexx die Kenndecke auf. Jetzt weiß er: „Ich bin im Einsatz.“ Dann löst Markus Zweers die Leine: Mexx rennt los, sein Hundeführer hinterher. Mexx ist schneller. Er schnuppert ein paar Mal ins Leere (vermutlich Restwitterung), dann läuft er weiter, umkreist den Hochsitz und – gefunden. Markus Zweers ist zufrieden und sagt, Mexx sei es auch.

„Seitdem wir in der Rettungshundestaffel trainieren, ist mein Hund ausgeglichener. Es war nicht leicht, eine Beschäftigung zu finden, die ihn körperlich und geistig auslastet.“ Er und seine Frau Alex engagieren sich auch in der Freiwilligen Feuerwehr in Binsfeld, kennen sich damit aus, im Ernstfall zu helfen. „Und das tun wir gerne“, sagt Alex Zweers. Ehrenamtlich, versteht sich. „Agility-Training für Hunde ist auch schön und gut. Aber mit diesem Training können wir zum Beispiel nach Erdbeben Menschen retten“, ergänzt Verena Ströhl.

Damit Hund und Herrchen fit genug sind, reicht es aber nicht, einmal pro Woche zu trainieren. Gabi Wascher aus Untermaubach integriert daher kleine Übungen immer wieder in den Alltag. „Freunde und Familie helfen mir dabei“, erklärt sie. Ihr Hund Roya, ein Podenco-Mix, wird mit Thomas Berners Betty zum „Mantrailer“ ausgebildet. „Mantrailer“ sind Hunde, die die Gerüche verschiedener Menschen auseinanderhalten können. Sie werden eingesetzt, wenn eine bestimmte Person gesucht wird. Sie schnuppern zum Beispiel an einem alten Kleidungsstück und verfolgen die Spur.

Und wie übt man das im Alltag? „Wenn Freunde ins Kino gehen, dann sprechen wir uns ab und suchen sie“, erklärt Gabi Wascher. Der starke Jagdtrieb ihres Hundes ist ihr gleich aufgefallen – und den versucht sie sinnvoll zu nutzen. Das nimmt den Großteil ihrer Freizeit in Anspruch. Ein bisschen angespannt vor dem ersten Einsatz ist sie schon: „Dann liegt die ganze Last auf uns.“ Im Training lernen die Hunde, wie sie ihrem Führer anzeigen, dass sie jemanden gefunden haben.

„Viele Hunde haben Probleme mit dem Bellen. Sie trauen sich nicht“, sagt Gisela Berner. Ihr ausgebildeter Hund Carla hat damit kein Problem, andere laufen zurück zu ihrem Führer und bringen ihn zum Ziel. Es ist viel Übung nötig, bis alle Schritte – vom Warten über das Suchen bis hin zum Anzeigen – sitzen.

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