Rentner steckt viel Herzblut in die Marienkapelle

Von: Annika Johnen
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Die Marienkapelle Froitzheim – 1703 auf der Froitzheimer Heide am Weg nach Thum von Johann Hermann Damian I., Herr zu Froitzheim, errichtet. Foto: Annika Johnen
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Ehrenamtler Theodor-Josef Salentin-Metz vor dem Altar und der von Josef Widdau, Maler aus Schlich, erstellten Kopie des Muttergottesbildes.

Froitzheim. So wie jeden Sonn- und Feiertag öffnet Theodor-Josef Salentin-Metz andächtig die Tür der Marienkapelle in Froitzheim. Er ist einer von vielen Ehrenamtlern, die sich mit Herzblut der Pflege von Gebetsstätten verschrieben haben. Seit Jahren erweisen er und seine Familie der Kapelle mit ihrer Pflege und Instandhaltung treu die Ehre. Das 1703 errichtete Baudenkmal der Gemeinde Vettweiß werde zum Leidwesen des Ehrenamtlers zuletzt häufig von Randalierern und Zerstörern aufgesucht. Menschen, die seine Begeisterung für die Religion und vor allem die Mutter Gottes teilen, seien offenbar eine Seltenheit geworden, berichtet er voller Wehmut.

„Vor allem Auswärtige schätzen das gut erhaltene Gotteshaus“, merkt Salentin-Metz an. Jedoch werde der tatkräftige Einsatz zur Erhaltung ansonsten für selbstverständlich gehalten.

„Im 18. Jahrhundert hat die Gemeinde noch an vier Tagen in der Woche dort eine Messe gefeiert, über die Jahre ist dies auf eine Messe wöchentlich reduziert worden. Später, in den 1960er Jahren, zog die Froitzheimer Fronleichnamsprozession zur Marienkapelle, eine Messe gibt es heute nur noch zu diesem Anlass“, berichtet Theodor-Josef Salentin-Metz.

Der engagierte Rentner wünscht sich von ganzem Herzen, „dass wieder mehr Leute den Weg hierher finden“. Sein Weg dorthin begann bereits in seiner Kindheit. Nicht nur seine Großmutter und sein Großvater nebst Brüdern, sondern auch seine Tante und Adoptivmutter und ihr Mann waren seit jeher fleißig am Werk, berichtet der 71-Jährige. Vor etwa 90 Jahren wurden Anni und Peter Metz, die Adoptiveltern, sogar von der Gemeinde für ihr Engagement geehrt. „Da traf es einmal die Richtigen“, merkt Salentin-Metz lächelnd an. „Die Eltern habe ich im Zweiten Weltkrieg verloren, ich wuchs zunächst bei meinen sehr religiösen Großeltern auf, die mich bis heute prägen“, erzählt er. Schon im Alter von etwa neun Jahren half er bei der Pflege der Kapelle und tut dies bis heute. Seine Frau, Marlen Salentin-Metz, unterstützte ihn bis zu ihrem Tode. „Ich habe das Amt stillschweigend übernommen und werde es auch weitermachen, bis ich nicht mehr kann“, teilt er entschlossen mit.

Säubern, alle zwei Jahre streichen, anfallende Reparaturen – das ist nur ein kleiner Auszug der Aufgaben, denen sich der freiwillige Helfer verantwortungsvoll widmet. Kein zerstörtes Fenster, keine mutwillige Verschmutzung und kein Diebstahl könne ihn von seiner Herzensangelegenheit abhalten. „Gerade erst letzten Sonntag habe ich meinen Augen nicht getraut“, berichtet der Froitzheimer entsetzt. „Die ganze Kapelle war von innen schwarz, irgendjemand hat mit Hilfe der Kerzen einen kleinen Brand entfacht“. An den sonst makellos weißen Wänden lässt ein leicht schwarzer Schatten die Tat erahnen. „Das alles können nicht nur Kinder gewesen sein“, kommentiert Salentin-Metz sichtlich bewegt.

„Gewachsene Sympathie“

Das Kleinod für die kommenden Generationen zu erhalten, sei ihm ein großes Anliegen. Dafür gebe es für ihn mehrere Beweggründe. Einer sei natürlich die Familie und die mit ihr „gewachsene Sympathie für die Mutter Gottes“, wie er es nennt. Das Marienbild, eine Kopie des 1890 von Hubert Salentin aus Zülpich gemalten Originals, sei ein weiterer.

„Der Künstler stand unserer Familie sehr nahe“, erklärt der Katholik. Ausschlaggebend sei aber auch seine Hoffnung, die christliche Religion zu erhalten. „Als Exportleiter war ich immer viel unterwegs. Dass der römisch-katholische Glaube auf der ganzen Welt verbreitet ist, hat mich sehr beeindruckt“, schildert er merklich fasziniert. Und auch persönlich glaube er daran, schon in einigen Situationen von der Gottesmutter Maria Hilfe bekommen zu haben, so wie es die Tafel über der Tür der Bruchsteinkapelle veranschaulicht: „Maria hellferin in der noth“.

Die „schwindende Beziehung vieler seiner Mitmenschen zur Kirche“ mache ihm zwar schwer zu schaffen, jedoch bleibe ein Funke Hoffnung.

Gerührt erzählt Theodor-Josef Salentin-Metz: „Jeden Sonntagabend, wenn ich hierherkomme, um die Kapelle wieder abzuschließen, entdecke ich zwei neue brennende Kerzen und freue mich über zwei treue Seelen.“

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