Renntalent Gentgen siegt auf der Nordschleife

Von: Carsten Rose
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Die Gegner abgehängt: Benedikt Gentgen aus Obermaubach hat einen fulminanten Start in der TCR-Klasse auf dem Nürburgring mit seinem 330-PS-Seat-Leon hingelegt. Foto: Björn Schüller/Hardy Elis
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Anschließend posierte er mit Teamkollege Marcel Willert (r.) mit den Siegerpokalen. Foto: Björn Schüller/Hardy Elis

Kreuzau. Benedikt Gentgen hat quasi drei Heimaten: Obermaubach, wo er wohnt, Aachen, wo er studiert, und den Nürburgring – wo er alle zwei, drei Wochen mit bis zu 240 Kilometern pro Stunde die Nordschleife bewältigt. Seit dieser Saison geht er mit seinem 330-PS-Seat-Leon bei der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring in der sogenannten TCR-Klasse an den Start.

Auch wenn der 19-Jährige schon länger als Renntalent gilt, ist er selbst überrascht, dass er in der für ihn neuen Klasse einen fulminanten Start hingelegt hat: erstes Rennen, erster Sieg.

Die TCR-Klasse ist eine sogenannte Einheitsklasse, die seit September 2015 existiert. Das bedeutet, dass bekannte Hersteller wie zum Beispiel Audi, BMW, VW, Opel und Seat Autos an den Start schicken, die alle die gleiche Ausstattung haben. Gentgen tritt mit seinem frontangetriebenen Seat Leon unter anderem gegen die Modelle Golf V, Opel Astra und Audi RS3 an. Es gehört sich auch für serienmäßige Tourenwagen, dass sie von innen quasi komplett entkernt sind. „Mit einem Seat Leon, wie man ihn von der Straße kennt, hat er logischerweise nicht mehr viel zu tun“, sagt Gentgen. Die Geschwindigkeit ist jedoch bei 240 Kilometern pro Stunde abgeriegelt.

Gentgens Team kommt aus der Region: FEV-Racing ist der wieder frisch aufgezogene Rennstall der Aachener Firma FEV. In dieser Saison geht es primär darum, ein Team aufzubauen und zu professionalisieren. Bekannt ist das Team für den sogenannten „Eifelblitz“, einen BWM, der in der Rennszene Kultstatus erlangt hat.

Ein Rennen auf der Nordschleife dauert gut vier Stunden, in der Regel teilen sich zwei Fahrer die Zeit auf. Gentgen ist der Stammfahrer, fährt also die Start- und die Schlussphase. Einen festen zweiten Fahrer gibt es noch nicht – sein Teamkollege bei seinem Sieg vor einer Woche stand erst am Freitag kurzfristig fest. Wie bei einem Job kann man sich als Fahrer bewerben und anbieten.

Die Serie besteht bis Oktober aus neun Rennen auf dem Nürburgring, drei sind absolviert. An den ersten beiden durfte der 19-jährige Student jedoch nicht teilnehmen – er hatte noch nicht den richtigen „Schein“. Für die sogenannte A-Klasse musste er erst zwei Rennen in der B-Klasse mit einem BMW 325i absolvieren. Hintergrund ist ein schwerer Unfall auf dem Nürburgring vor wenigen Jahren; seitdem benötigen Fahrer einen extra Nordschleife-Teilnahmeschein.

Angesichts der Vorgeschichte waren Gentgen und sein Team überrascht, bei seinem ersten Rennen direkt ganz oben zu stehen – mit der logischen Folge: „Irgendwie hat man jetzt schon Ambitionen“, sagt Gentgen, ohne aber überheblich zu werden. Der Student weiß um die Rahmenbedingungen und betont ausdrücklich, wie froh er ist, überhaupt die Chance als Stammfahrer bei dem regionalen Team zu haben. Er sagt zwar, dass er den Profi-Sport anvisiert, aber weil das Hobby Rennsport alles andere als günstig ist, haben die ersten Schritte in einer Karriere weniger mit dem Wollen als mit dem Können und Dürfen zu tun. Aktuell unterstützen ihn vier Sponsoren; zudem ist er Werkstudent bei der Firma FEV.

Während seines Abiturs hat der bodenständige Obermaubacher zwei Jahre pausiert. Mit seinem Studium (Fahrzeug- und Antriebstechnik an der FH Aachen) kollidiert sein Hobby derzeit jedoch nicht, da er nur freitags und samstags an den Rennwochenenden unterwegs ist.

Dass er einmal Rennfahrer werden würde, auch wenn es niemand aus seiner Familie vorher war, hat sich bereits mit fünf Jahren abgezeichnet, als er mit einem selbst gebauten Kart des Opas durch den Garten geflitzt ist. Das wurde der Mutter irgendwann zu heikel – es ging auf die Kartbahn. Und nun regelmäßig auf die Nordschleife.

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