Reizvolle Klänge und Rhythmen

Von: Georg Neulen
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Mathias Haus und sein junges Mallet-Ensemble erhielten für ihr ungewöhnliches Konzert viel Appalus. Foto: Georg Neulen

Düren. Wenn der Leiter des Mallet Ensembles dem Publikum zuletzt dankte, weil es ausgehalten habe, obwohl es doch „ungewöhnliche Dinge ertragen musste“, so war das gewiss freundliche Bescheidenheit, die mit viel Applaus beantwortet wurde.

Wenn auch eher für Jazz- als Klassik-Freunde geläufig, wurden dem neugierigen Ohr eine Fülle reizvoller Klänge, Harmonien und Rhythmen beim Konzert der Vereinigten Industrieverbände geboten. Auch das Auge konnte sich im Haus der Stadt auf Neuartiges vorbereiten.

Der farbige Lichtkegel

Im farbigen Lichtkegel war auf der Bühne ein atoll-artiger Halbkreis von Instrumenten aufgebaut: Im Zentrum ein Marimabaphon mit dunklen Hölzern, umgeben von einem Glockenspiel und drei baugleichen Vibraphonen mit ihren glitzernden Metalltasten. Zehn Notenständer versperrten den vorderen Reihen etwas den Blick, wenn die bunten Bälle der Schlegel (engl. mallet), meist fast 20 zugleich, über die Tasten wirbelten.

Mit dem Leiter und Komponisten fast aller Stücke, Mathias Haus, musizierten die Studierenden Xiao Fu, Carlotta Hamacher, Jennifer Schmitz und Felix Stachelhaus, zuletzt verstärkt durch Franz-Josef Staudinger, in wechselnden Positionen. Sie demonstrierten die Qualitäten ihrer Hochschule mit dem Wuppertaler Modell.

Dabei rotieren sie in den drei Sparten Moderne Klassik, Drum Set und Improvisation, zugleich eine vielseitige Berufsvorbereitung. Mathias Haus moderierte seine Kompositionen und erläuterte den Ursprung der Marimba in alten Kulturen auf verschiedenen Kontinenten, während das Vibraphon erst 1925 in Amerika erfunden wurde als Glockenspiel im Orchester und populär durch den Jazz.

Er selbst hat bei Gary Burton in Boston (USA) Jazz-Kontrapunktik studiert, die er in den Stücken „ The red velvet dress“ und „Wenn Fliegen beim Lieben nicht liegen“ anwendet. Sein Ensemble hat dazu klassisch geschriebene Noten, gefolgt von Teilen mit Akkord-Symbolen zur freien Improvisationen wie beim Jazz.

Freudige Virtuosität

Die Charakterstücke wechselten in Stil und Stimmung zwischen freudiger Virtuosität und bestechendem Ensemblespiel mit dynamischer Körpersprache der jungen Musiker für Klassik, Impressionismus, romantische Schübe, Jazz, Ballade und Tango. Tastende Melodien steigerten sich zwischen den „Vibes“ zu fugischen Kaskaden, unterlegt vom dunkleren Groove an der vierhändig bedienten Marimba.

Exotische Klänge verhallten zu meditativen Passagen. Viel Beifall gab es auch für das wohl brasilianisch inspirierte Marimba-Duo „Chorinho“ des US-Komponisten Lyle Mays mit den Damen des Ensembles, Carlotta und Jennifer. Titel wie „Story of the dark blue rock“ und „Take off“ assoziieren Bilder und Szenen aus Malerei und Musik. Yves Kleins Kobaltblau regte schon Harald Banter für „4 plus 6“ an, die Minimal Music eines Steve Reich ist ein Grundimpuls, mit dem Haus Melodiemuster variiert.

Die eigenen künstlerischen Projekte haben die Wuppertaler erfolgreich zu zahlreichen Konzerten renommierter Festivals geführt. Der Dürener Auftritt wurde als „WDR 3 Kammerkonzert in NRW“ für eine Sendung im August aufgezeichnet.

Auch eine Vorinformation für die Saison 2015/2016 weckte schon große Erwartungen für die nächsten Industriekonzerte ab Montag, 21. September.

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