Düren - Reizthema Sicherheit: Für die Polizei ist Düren kein krimineller „Hotspot“

Reizthema Sicherheit: Für die Polizei ist Düren kein krimineller „Hotspot“

Von: Stephan Johnen
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Seit November 2014 sind die Mitarbeiter des Städtischen Ordnungsdienstes in der Innenstadt unterwegs und zeigen Präsenz. „Zu wenig Präsenz“ hatten Geschäftsleute kritisiert. Foto: Jörg Abels

Düren. Kann der seit einem Jahr arbeitende Ordnungsdienst der Stadt einen Beitrag zu Sicherheit und Ordnung in der Innenstadt leisten? Diese Frage haben Dürener Geschäftsleute aufgeworfen. Sie fordern unter anderem eine deutliche personelle Aufstockung und sehen den Bürgermeister in der Pflicht, dieses Thema zur Chefsache zu machen.

„Ich kann mir auch vorstellen, mehr Mitarbeiter einzusetzen, es gibt aber auch viele andere Gebiete, in denen das Personal verstärkt werden muss, sei es im Jugendamt für die Arbeit mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen, im Planungs- und Baubereich und in der Wirtschaftsförderung“, ruft Bürgermeister Paul Larue (CDU) dazu auf, nicht die Gesamtlage der Stadt aus dem Blick zu verlieren. Angesichts der anstehenden Haushaltsberatungen und dem Ziel, trotz neuer Herausforderungen einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren, sei es „unseriös“, über größere zusätzliche Einstellungen zu debattieren.

„Der Ordnungsdienst ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem, was wir vorher hatten. Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten leisten die Kollegen und die Kollegin eine gute und wichtige Arbeit. Was sie brauchen, sind Ermutigung und Rückendeckung“, findet Larue. Konstruktive Kritik werde gerne gehört, Larue warnt aber vor „überzogenen Vorstellungen“, was möglich ist. Der Ordnungsdienst und die Ordnungspartnerschaft mit der Polizei trügen Früchte. „Das Thema Sicherheit und Ordnung betrifft auch alle Bürger und Gäste der Stadt. Gefragt sind Selbstdisziplin, Aufmerksamkeit und Zivilcourage“, betont Larue. Gleichzeitig bittet er um mehr „Differenzierung“, wenn es um die Frage der Zuständigkeiten geht: „Straftaten sind ausschließlich eine Sache der Polizei.“

Aus Sicht der Polizei ist die Sicherheitslage in der Innenstadt unbedenklich. 2013 hat es im Bereich der gesamten Stadt Düren 169 Diebstähle aus Warenhäusern gegeben, 677 Fälle von Ladendiebstahl und 316 Fälle von Taschendiebstahl. 2014 gab es 184 Diebstähle aus Warenhäusern, 850 Laden- und 414 Taschendiebstähle. „Für den Zeitraum Januar bis November 2015 ist im Deliktsbereich Diebstahl aus Warenhäusern keine nennenswerte Veränderung zu erkennen, es kann eine minimale Steigerung angenommen werden. Im Bereich des Ladendiebstahls und des Taschendiebstahls sehen wir im Vergleich zum Vorjahr sinkende Tendenzen“, berichtet Polizeihauptkommissarin Melanie Mallmann.

Die Aussagekraft der Statistik sei „immer relativ zu betrachten“, da „Kontrollintensität und Anzeigebereitschaft“ der geschädigten Einzelhändler zur Gesamtstatistik beitragen. Auf die Arbeit des Ordnungsdienstes könne aus polizeilicher Sicht aus diesen Zahlen „kein Rückschluss“ gezogen werden, betont die Polizeisprecherin.

„Wir nehmen die Kritik der Händler ernst“, sagt CDU-Fraktionschef Stefan Weschke auf Anfrage unserer Zeitung. Die Politik stehe in der Verantwortung, eine Auswertung der bisherigen Arbeit vorzunehmen. „Es wird auch zu prüfen und gegebenenfalls zu überdenken sein, wie die Aufgaben verteilt sind und ob die Schwerpunkte richtig gesetzt sind“, sagt er. Personell sei der Spielraum begrenzt. Viel Luft nach oben gebe es nicht. „Die zentrale Frage lautet daher: Wie können die vorhandenen Mittel möglichst effektiv eingesetzt werden?“ Die Politik habe die Zielsetzung des Ordnungsdienstes klar definiert: „Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit“, nennt er die Kernaufgaben.

„Der Ordnungsdienst allein wird soziale Probleme nicht lösen“, ist Henner Schmidt (SPD), Sprecher der „Ampel“-Fraktion, überzeugt. „Sozial auffällige Gruppen“ aus der Stadt zu vertreiben sei keine Strategie. Sollte über mehr Personal nachgedacht werden, regt er an, stattdessen über eine Verstärkung der Straßensozialarbeit zu diskutieren. Hilfreich könnte auch die Einrichtung einer Anlaufstelle für Straßensozialarbeiter, in der soziale Angebote unterbreitet werden.

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