Reise in die Zeit der Trapper und Indianer

Von: Kristina Wollseifen
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„Wenn wir hierher kommen, dan
„Wenn wir hierher kommen, dann lassen wir einfach alles zurück” - unter diesem Motto campte die Gruppe aus Niederländern, einem Spanier und dem Kreuzauer Jack Mastiaux (4.v.l.) zusammen beim „Pulverdampf”. Foto: Wollseifen

Niederau. Kleine Rauchwolken wehen über den Platz, der mit zahlreichen weißen Zelten umstellt ist. An den Spitzen der Zeltdächer hängen bunte Fahnen, die leicht im Wind wehen. Und vor den Zelten? Da sitzen knapp 350 Indianer, Cowboys und Siedler und unterhalten sich angeregt.

Sie sind aus allen Himmelsrichtungen angereist, um am „Pulverdampf”, dem Sommerlager der Kentucky Muzzle Loaders am Wibbelrush in der Nähe der Nideggener Straße in Verbindung mit dem 43. Internationalen Vorderladerschießen teilzunehmen. Die Kentucky Muzzle Loaders sind ein Dürener Club zur Pflege des Schießens mit historischen Waffen und wollen auch gerade mit dem alljährlichen Lager die Lebensweise zur Zeit der Entdeckung Nordamerikas aufrecht erhalten.

„Wir kommen gerne hierher, um alte und neue Kameraden zu treffen”, sagt Hans Meyer aus dem schweizerischen Aargau. Er ist mit Roger Bachmann angereist und hat eine kleine Schmiede mitgebracht. „Wir betreiben als Hobby eine Schmiede und haben deshalb immer den Amboss mit dabei”, erklärt der Schweizer. „Die Leute haben Ideen, und wir versuchen die Ideen dann umzusetzen.” Auf diese Weise sind schon spezielle Laternenhalter für Zelte, Grillgabeln, kunstvolle Herzen oder einklappbare Dreifüße entstanden.

Momentan schmiedet aber niemand, denn auf dem Feuer steht ein riesiger Topf, in dem „Schweinepfeffer”, eine Art Ragout, köchelt. Abends kommen die Bewohner des Lagers zusammen, um gemeinsam zu essen. Dann sitzen Indianer im Lendenschurz und Federn am Hinterkopf gemeinsam mit Siedlern und Cowboys in fransiger Lederhose am Lagerfeuer. Dieses idyllische Nebeneinander wird jedoch von höheren Mächten beeinflusst.

Klaus-Dieter Wirtz, Präsident der Kentucky Muzzle Loaders, weiß genau, dass „alles steht und fällt mit dem Wetter.” Neben Regen sind auch zu hohe Temperaturen und Trockenheit keine optimalen Bedingungen für ein erfolgreiches „Pulverdampf”- Wochenende. Denn dann bleiben nicht nur die Besucher fern, sondern auch sämtliche Kerzen und Lagerfeuer werden wegen Waldbrandgefahr verboten. „Aber dieses Wochenende scheint das Wetter ja schön zu bleiben”, bemerkte Klaus-Dieter Wirtz erleichtert.

Deshalb ist der Rand der Nideggener Straße auch mit zahlreichen Autos gesäumt und interessierte Besucher bevölkern das Gelände. Händler verkaufen im Eingangsbereich Cowboystiefel, Lederhüte und ausgefallenen Schmuck. Dahinter befindet sich das Schießgelände, auf dem verschiedene Wettbewerbe ausgetragen werden: Beim Büffel- und Jedermannschießen treten Profis und Anfänger gegeneinander an.

Klaus-Dieter Wirtz stellt dafür seine selbstgebauten Vorderladergewehre zur Vefügung. „Man muss wirklich genau wissen, wie die Waffe schießt und braucht viel Übung, um gut treffen zu können”, erklärt er.

Neben dem Schießstand schlängeln sich die Wege in das Zeltlager. Trapper Sven vom Chiemsee, der hauptberuflich als Elektriker arbeitet, bewohnt eines der Zelte. „Ich habe früher viele alte Reiseberichte und natürlich Klassiker wie Lederstrumpf gelesen”, sagte er. „Da kommt einfach der Wunsch auf, das alles selber einmal zu erleben.” Nebenan sitzt eine Gruppe aus Niederländern, Deutschen und einem Spanier zusammen. „Wenn wir hierher kommen, dann lassen wir einfach alles zurück”, erklärte Jack Mastiaux aus Drove.

Die verschiedenen Charaktere und der Rückzug aus dem Alltag gefallen auch dem 13-jährigen Enkel von Klaus-Dieter Wirtz am Besten. „Mir macht es richtig Spaß hier zu helfen”, sagt Kevin. Das hört sein Großvater sicherlich gerne, denn für die Kentucky Muzzle Loaders bedeutet der „Pulverdampf” vor allem eine Menge Arbeit. Trotz allem übernehmen sie immer wieder gerne die Aufgabe, um sich und ihren Gästen ein Wochenende in einer anderen Welt zu ermöglichen.
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