Regionale Waren statt „Haute Cuisine“

Von: Sarah Maria Berners
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So sah das Landhotel Kallbach vor mehr als 25 Jahren aus. Foto: privat, smb
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Peter von Agris führte das Hotel 39 Jahre lang und übergab es jetzt an Manuela Baier.

Simonskall. Im Großen und Ganzen hat sich in den vergangenen 40 Jahren in dem beschaulichen Dörflein Simonskall nicht viel verändert. Und doch ist irgendwie alles anders geworden.

Das Tal ist nach wie vor ruhig und idyllisch. Es zieht Wanderer und Ausflügler an, von denen viele für ein Wochenende oder einen Tag aus den nahe gelegenen Großstädten und dem benachbarten Ausland kommen, „für die die Eifel die erste alpine Station ist“, wie Peter von Agris lächelnd erzählt. Die Leute kommen, um zu wandern, um die Ruhe und die Natur zu genießen. Oder, um zu arbeiten. Im Schnitt bleiben sie zweieinhalb Tage, mehr als sieben Übernachtungen am Stück werden nur selten gezählt. Weite Anreisen haben die wenigsten Gäste.

39 Jahre lang hat der gebürtige Aachener das Landhotel Kallbach geführt, das seine Mutter Mitte der 70er Jahre kaufte. Aus der Pension mit 17 Zimmern ist ein 50-Zimmer-Hotel mit Tagungsbereich geworden, das von Agris nun an Manuela Baier übergeben hat.

Noch immer kommt das „wohlhabendere 50-Plus-Publikum in die Eifel“, sagt von Agris. Aber die Erwartungen, mit denen die Menschen kämen, hätten sich erheblich verändert. Vor allem die Erwartungen an die Unterkunft.

„Die Leute sind weitgereist und haben entsprechende Ansprüche“, weiß der Hotelier. Ein Schwimmbad reiche heute nicht mehr, es müsse schon ein Wellness-Bereich mit Themensauna sein. Und die Küche müsste flexibler sein als früher: Vegetarier, Veganer, Allergien – all das war vor 40 Jahren kein Thema. Heute breche niemand mehr in Schweiß aus, wenn jemand Sonderwünsche bei der Bestellung äußere.

In fast 40 Jahren hat von Agris viele Speisekarten gesehen. Die Forelle Müllerin ist immer dort zu finden gewesen, der Sauerbraten sei lange von der Karte verschwunden, nun aber wieder ein Renner – auch bei 25 Grad. „Mit regionalen Produkten hätten wir vor vielen Jahren nicht punkten können. Das musste einen internationalen Touch haben“, skizziert er.

„Hotel und Gastronomie müssen sich ständig den Ansprüchen und den Bedürfnissen anpassen. Der Gast sieht sofort, wenn das nicht passiert“, sagt von Agris, der zuerst Duschvorhänge mit Kabinen ersetzte, die heute wieder von Glaselementen abgelöst werden.

Die Konkurrenz sei im Internetzeitalter immer nur einen Klick entfernt. Aber allein wegen der Personalkosten könne man nicht mit Angeboten beispielsweise in der Türkei mithalten. Die Bettensteuer sei eine Wettbewerbsverzerrung. „Auch einen Betrieb in der Eifel kann man heute nicht mehr vom Zapfhahn aus führen“, betont von Agris, der seinen Beruf mit Leidenschaft und Begeisterung ausübte. Marketing, Finanzen, Personal und vieles mehr würden viel Zeit in Anspruch nehmen. Für kleine Betriebe sei das eine Herausforderung.

„Man muss sich seine Nischen suchen“, sagt der Hotelier, und so hätten alle Unterkünfte im Ort ihren eigenen Gästestamm. In seinem Hotel hat von Agris auch auf Gäste aus Belgien und auf Tagungsgäste gesetzt, die 40 Prozent seiner Gäste ausmachten. Aber auch in diesem Bereich habe sich viel verändert, spiegelten sich Veränderungen im Arbeitsleben der Menschen wider. Früher sei Geselligkeit größer geschrieben worden.

„Simonskall ist keine Erfindung von Touristikern“, sagt von Agris. Das Dorf sei authentisch, das würden die Leute mögen.

Die neue Mountainbike-Strecke sieht der 58-Jährige als Chance, neue Gäste anzulocken, und es freut ihn, dass die Straße nach Simonskall ausgebaut wird, auch wenn dass zunächst ein paar Gäste weniger bedeutet.

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