Regina Brückner und Annemarie Büttgen setzen sich für Flüchtlinge ein

Von: Sarah Maria Berners
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Annemarie Büttgen (l.) und Regina Brückner sind immer da, wenn die in Huchem-Stammeln lebenden Flüchtlinge sie brauchen. Sie freuen sich über weitere Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Foto: Sarah Maria Berners
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Annemarie Büttgen (l.) und Regina Brückner sind immer da, wenn die in Huchem-Stammeln lebenden Flüchtlinge sie brauchen. Sie freuen sich über weitere Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Foto: Sarah Maria Berners

Huchem-Stammeln. "Es ist reines Glück hier geboren zu sein", sagt Regina Bückner. Dieses Glück treibt sie an, sich für Flüchtlinge einzusetzen. „Ich weiß, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen. Als ich 1959 aus Kroatien nach Italien geflohen bin, war es für mich das Schlimmste, mich nicht verständigen zu können“, erzählt Annemarie Büttgen.

„Ich konnte mich nicht äußern, die anderen nicht verstehen. Bei Missverständnissen fühlte ich mich unglaublich hilflos.“

Als immer mehr Flüchtlinge nach Huchem-Stammeln kamen, hat die 79-Jährige keine Sekunde gezögert und sich gleich als Dolmetscherin und ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin angeboten.

Schnell sind Kontakte entstanden – und emotionale Bindungen zu den Familien aus Krisengebieten, Männern aus Kriegsländern, zu Armutsflüchtlingen. Vor allem die Flüchtlinge aus sicheren Drittstaaten werden wohl nicht für immer in Deutschland bleiben können.

„Die Angst, abgeschoben zu werden, ist allgegenwärtig, aber alle haben die Hoffnung, doch bleiben zu dürfen“, weiß Regina Brückner, die die Ehrenamtler in Huchem-Stammeln koordiniert. „Wir sind in den Gesprächen auch ehrlich, sagen, dass es sein kann, dass eine Person nicht bleiben darf.“

„Die Sorge vor Abschiebung ist für uns natürlich auch belastend“, beschreibt Annemarie Büttgen. „Auch die Menschen, die nicht aus Kriegsgebieten kommen, brauchen eigentlich Hilfe, schließlich schlagen viele von ihnen aus großer Armut den Weg nach Deutschland ein. In der Hoffnung auf ein besseres Leben.“ Auf der anderen Seite sehen auch die ehrenamtlich Engagierten, dass nicht alle Menschen in Deutschland bleiben können.

Annemarie Büttgen und Regina Brückner arbeiten Hand in Hand. Brückner ist Leiterin des Awo-Seniorenheims und im Ehrenamt Koordinatorin für die Flüchtlingshilfe im Ort. In ihrer Einrichtung kommen alle Flüchtlinge an. Dort gibt es die erste Mahlzeit, den ersten Kontakt. „Die Menschen sind sehr ängstlich und bedrückt“, beschreibt Regina Brückner. „Sie wissen ja nicht, was mit ihnen geschieht“, ergänzt Annemarie Büttgen. Nach drei bis vier Tagen, wenn die Flüchtlinge ein wenig Orientierung hätten, würde sich die Anspannung langsam ein wenig lösen.

In Huchem-Stammeln kümmern sich die Ehrenamtler um 70 Flüchtlinge. Sie bieten Hilfe bei Arztfahrten an, stellen Paten, helfen bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche, vermitteln Kinder in Vereine, organisieren Fahrräder und, und, und. Das Engagement nimmt bei einigen Menschen viel Zeit in Anspruch. Zeit, die Regina Brückner gerne investiert: „Es ist reines Glück, dass ich in Deutschland geboren wurde. Es hätte genauso gut ein Land sein können, in dem es mir jetzt nicht gut gehen würde.

Deswegen ist es für mich keine Frage gewesen, dass ich den Menschen, die zu uns kommen, helfe“, erklärt Regina Brückner ihre Motivation. Neben einem Dach über dem Kopf, Nahrungsmitteln und Kleidung seien Ansprechpartner für die Flüchtlinge „unglaublich wichtig“. Manchmal bilden die Ehrenamtler und Flüchtlinge Übersetzungsketten, manchmal wird geradebrecht. „Aber auch die nonverbale Kommunikation ist sehr wichtig“, erklärt Regina Brückner. So käme ein Flüchtling gerne einfach auf eine Tasse Tee vorbei. Wenn er traurig ist, nimmt sie seine Hand. Es helfe zu wissen, dass jemand da sei. Einen Ansprechpartner zu haben. Jemanden, der zuhört.

„Wenn zum Beispiel ein Schreiben der GEZ-Befreiung in den Briefkasten flattert, sind die Flüchtlinge ganz aufgeregt. Ein offizielles Schreiben, dessen Inhalt sie nicht verstehen, versetzt sie sofort in Aufregung“, hat Regina Brückner erfahren. Dann sei es wichtig, dass schnell jemand einen Blick darauf werfe und nicht erst in zwei Tagen.

Einheimische, die Ansprechpartner für Flüchtlinge sein wollten, haben sich in Niederzier in einem Runden Tisch zusammengetan. Wer sich ehrenamtlich so intensiv engagiert wie die beiden, der bindet sich auch, die Flüchtlinge zählen auf ihre Ansprechpartner. „Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst. Ich habe angefangen, mich einzusetzen und ich werde dabei bleiben“, steht für Annemarie Büttgen außer Frage.

Für Regina Brückner und Annemarie Büttgen ist das Engagement auch eine Frage der Menschlichkeit. Beim Thema Flüchtlinge schlagen die Wogen aber hoch. Daher appelliert die Niederziererin daran, auch die Chancen der Zuwanderung zu sehen: „Es kommen viele Menschen nach hier, die einen Beruf gelernt haben, und in Deutschland brauchen wir Fachkräfte“, betont sie.

Augenzwinkernd fügt sie an: „Wir können Menschen, die in 30 Jahren meine Rente zahlen, sehr gut gebrauchen.“ Da viele der Menschen, die nach Deutschland kommen, auch bleiben würden, sei es wichtig, wirklich früh Sprachkurse anzubieten, die Integration erst möglich machen.

Wer sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert, muss auch Schicksale verarbeiten: Da ist ein Syrer, der 1000 Kilometer zu Fuß geflohen ist. Da sind Paare, die getrennt wurden, und Menschen, die auf Booten dramatische Erlebnisse gemacht haben. „Obwohl ich die Menschen und ihre Geschichten kenne, bleibt es abstrakt. Man kann sich einfach nicht vorstellen, was sie durchlebt haben“, sagt Regina Brückner.

Sie selbst hat lange in der Forensik gearbeitet, kann mit der Situation gut umgehen, ist quasi beruflich für dieses Engagement „gemacht“. „Wenn die Ehrenamtler Bindungen aufbauen, dann macht das was mit den Menschen. Es ist wichtig, dass die Ehrenamtler professionell begleitet werden“, sagt Brückner. Vor dem „Tag X“ würden sich nicht nur die Flüchtlinge fürchten.

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