Reden ohne Worte, hören mit den Augen

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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„Ich liebe Dich”, bedeutet diese Geste in der Deutschen Gebärdensprache. Foto: imago

Schlagstein. Auf den ersten Blick „klingt” es komisch: Mit den Augen hören, mit den Händen sprechen. Wie soll das gehen? Für die meisten schwerhörigen und gehörlosen Menschen ist diese Form der Kommunikation purer Alltag. Sie ersetzen einfach den einen Sinn, der ihnen nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht, durch die anderen, die ungleich schärfer ausgeprägt sind.

Schwierig wird es nur dann, wenn die Welt der Gehörlosen auf die Welt der Hörenden trifft. Bisweilen bedarf es dann einer Art Bindeglied, das zwischen beiden Welten vermitteln kann. Magdalena Meisen ist so ein Bindeglied.

Die staatlich geprüfte Gebärdendolmetscherin kommt überall dort zum Einsatz, wo ihre Dienste gebraucht werden: in Unternehmen, die hörgeschädigte Mitarbeiter beschäftigen, in Universitäten, auf Behördengängen, aber auch vor Gericht oder bei der Polizei. Zusätzlich synchronübersetzt Magdalena Meisen auch regelmäßig die die Tagesschau und das Heute-Journal für den Fernsehsender Phoenix.

Nichts hinzufügen, nichts weglassen, nichts hineininterpretieren, nicht bewerten - so lautet das Credo von Magdalena Meisen, die 2001 mit ihrer Geschäftspartnerin Bastienne Blatz die Firma Skarabee in Köln gegründet hat. Das Büro für Dolmetschen in Gebärdensprache beschäftigt 13 Mitarbeiter.

Sich selbst bezeichnet Meisen als „Muttersprachlerin”. Da ihre Eltern beide gehörlos sind, lernte sie das Sprechen mit den Händen von Kindesbeinen an als etwas ganz Natürliches kennen. Sie sagt: „Meine Mutter hat mit mir immer in Gebärdensprache kommuniziert.” Sprache - egal ob Lautsprache oder Gebärdensprache - sei etwas, dass man eben so nebenbei lerne, glaubt Meisen. „Das Gestische und Mimische liegt einem Kleinkind eher als das gesprochene Wort.”

Für ein Vorurteil hält sie hingegen, dass Kinder von Gehörlosen später das Sprechen lernen als Kinder von Hörenden. Das „sprechende” Umfeld - Verwandte, Freunde und andere soziale Kontakte ab der Kindergartenzeit - wirke dem entgegen. Trotz ihres Elternhauses fand Meisen den Einstieg in ihren Beruf erst später. Zu Beginn ihrer Karriere war sie als Heilpädagogin in einem Heim für mehrfach behinderte Menschen tätig, arbeitete nebenher als Übersetzerin für Hörgeschädigte an der RWTH Aachen. In einem Modellversuch der Uni Köln absolvierte sie schließlich einen berufsbegleitenden Lehrgang Gebärdendolmetscherin.

Nach rund 25 Jahren und einer ganzen Menge an Erfahrungswerten stößt Meisen ab und an immer noch an ihre Grenzen - nicht immer gibt es für einen Fachbegriff die richtige Geste. „Manchmal ist das zum Schreien”, sagt Meisen mit einem Lächeln. Eigennamen seien zum Beispiel ein Problem, weil man sie kaum übersetzen könne. In solchen Fällen muss eben buchstabiert werden - mit den Fingern, versteht sich.

Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben

Gebärdensprachen sind vollwertige Sprachen mit eigenem Wortschatz und eigener Grammatik.

Zusätzlich zu Gebärden, Mundbild, Mimik und Körperhaltung ist auch das Fingeralphabet Bestandteil der Deutschen Gebärdensprache (DGS)

Staatlich anerkannt wurde sie 2002. Daraus resultiert das Recht auf einen Gebärdendolmetscher zur Teilhabe am öffentlichen Leben.

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