Düren - Rauschendes Fest der Klänge in St. Anna

Rauschendes Fest der Klänge in St. Anna

Von: Christoph Hahn
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Begeisterte die Zuhörer in der Dürener Annakirche beim Abschlusskonzert des Orgelherbstes: der britische Organist Christopher Herrick. Foto: Hahn

Düren. Wenn jemand die Metzler-Orgel in der Dürener Anna-Kirche noch nicht bis in die letzte Pfeife ausgereizt hat - Christopher Herrick hat es nun geschafft. Beim Abschlusskonzert zum Orgelherbst jedenfalls bestach der 70-jährige Brite mit jugendlicher Virtuosität und einer gewissen Furchtlosigkeit in der Wahl der von ihm gespielten Stücke.

Dabei hatte Herrick, der seine Kunstfertigkeit an ersten Schauplätzen des Vereinigten Königreiches wie der St.-Pauls-Kathedrale und der Westminster Abbey in London unter Beweis stellt, schon mit dem Titel seines Programms eine klare Ansage gegeben: „Organ Dreams and Fireworks” prägten die rund 70 pausenlosen Minuten, die dieses denkwürdige Konzert dauerte. „Spektakel und Idylle” hätte das Motto aber auch heißen können.

So wurde die Toccata des 1937 geborenen New Yorkers John Weaver zu einem Stück Musik, das seinem Charakter nach die Zuhörer aufhorchen ließ. Dass Herrick, der tags zuvor einen Meisterkurs für Organisten gegeben hatte, die in der Partitur angelegten enormen Anforderungen mühelos meistern würde - das war spätestes nach ein paar Takten schon keine Frage mehr. Den Zuhörern erschloss sich diese Meisterschaft übrigens nicht nur über das Gehör: Eine im Altarraum aufgestellte Leinwand und eine auf der Orgelempore platzierte Kamera sorgten dafür, dass die Freunde der Musik dem Gast auf die Hände und die Füße schauen konnten.

Wachsende Bewunderung

Von der Vorsitzenden des Orgelbau-Fördervereins, Ria Flatten, und Kantor Hans-Josef Loevenich registriert, sorgte das anschließende Benedictus von Max Reger) für einen Moment der Stille und Reflexion, bevor Herrick dann mit dem Marsch aus Charles-Marie Widors dritter Orgel-Symphonie eine der Raketen seines versprochenen „Feuerwerks” zündete: In jeder Hinsicht ebenso wuchtig wie vom Interpreten strahlend herauspoliert, nötigte Herricks Spiel bei gleichzeitiger Klarheit der Gestaltung dem Publikum von Akkord zu Akkord immer mehr Bewunderung ab. Das galt auch für Marcel Duprés Versetten über „Ave Maris Stella”, in der Christopher Herrick das gregorianische Ausgangsmaterial in von Strophe zu Strophe wechselnde Farben und Stimmungen tauchte.

Nach diesem impressionistischen Moment folgte mit Mozarts G-Dur-Andante mit fünf folgenden Variationen eine klassische Zäsur, bei der Herricks besondere Fertigkeit im Pedalspiel auffiel. Selbst das Komödiantische bekam seinen Platz, wie der Brite lustvoll mit drei von zwölf Sätzen, „Pinguine”, „Giraffen” und „Der Drehorgel-Affe”, aus der „Tierparade” seines 1977 geborenen Landsmanns Iain Farrington bewies. Ein ums andere Mal feierte der Solist aber auch mit seinem Publikum ein rauschendes Fest der Klänge, so zum Beispiel mit einer sinfonischen Studie von Pietro Yon und einer Toccata von Marcel Lanquetuit. Kein Wunder, dass das Publikum Herrick derart 0applaudierte, dass dieser sich mit einem ihm auf den Leib geschriebenen furiosen Werk für den Beifall revanchierte.
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