Kreis Düren - Rauchverbot „spaltet die Gesellschaft“

Rauchverbot „spaltet die Gesellschaft“

Von: Sarah Maria Berners und Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Wer rauchen will, muss draußen bleiben: Seit zwei Monaten sind Zigaretten in allen Gaststätten, Festzelten und Sälen verboten. Schützen und Karnevalisten sind davon alles andere als begeistert. Foto: dpa

Kreis Düren. „Es ist auf den Schützenfesten sehr unruhig geworden, und viele Vereinsmitglieder und Besucher schimpfen über die neue Regelung“, zieht Hanni Kurth vom Schützen-Bezirksverband Düren-Süd ein erstes Fazit des verschärften Rauchverbots. Es störe die Atmosphäre, wenn im Zelt die Musikkapelle spiele, die Leute aber vor dem Zelt stünden. Mit Sorge blickt sie vor allem auf die Zelt- und Saalveranstaltungen mit Bühnenprogramm.

Auf die Karnevalsvereine sieht sie noch weitaus größere Probleme zukommen. Gottfried Reuter vom Bezirksverband Düren-West teilt diesen Eindruck. Wie Hanni Kurth spricht auch er von rückläufigen Besucherzahlen. „Es herrscht immer Unruhe, es ist ein permanentes Kommen und Gehen“, betont der Schütze. Das habe auch Auswirkungen auf die Gespräche, die dann eben nicht mehr richtig zustande kämen.

Reuter hält die neue Regelung für Festzelte und Eckkneipen für übertrieben. Er kritisiert: „Mich stört, dass wir derart bevormundet werden.“ Darüber hinaus fürchtet Reuter, dass sich künftig mehr Anwohner beschweren, weil sie sich von den Gesprächen vor Zelten und Kneipen gestört fühlen.„Das Verbot spaltet die Gesellschaft in gute Nichtraucher und böse Raucher“, ärgert sich der bekennende Nichtraucher Rolf-Peter Hohn.

Auch für den Präsidenten des Regionalverbandes Düren (RvD) im Bund Deutscher Karneval stelle das Verbot eine Bevormundung dar. „Für Kinder- und Jugendveranstaltungen habe ich ein Verbot immer befürwortet“, sagt Hohn. Doch bei Erwachsenenveranstaltungen müsse es den Gästen überlassen werden, ob sie rauchen möchten oder nicht. „Ich habe die große Sorge, dass viele Menschen beim Sitzungskarneval angesichts der Außentemperaturen einfach zu Hause bleiben“, sagt er.

Vermutlich sind nicht alle Dürener in der Mainacht Nichtraucher geworden, doch seit Inkrafttreten des verschärften Rauchverbots haben sich die Bürger der Kreisstadt nach Aussage des Ordnungsamtes an dieses Verbot gehalten. Das Ordnungsamt hat bei Kontrollen zumindest keine Anzeige erstattet – und es seien auch keine Beschwerden gemeldet worden, berichtet Mitarbeiter Klaus Heinen. Wurde wirklich kein einziger Verstoß aktenkundig? Heinen muss einige Sekunden nachdenken. Dann fällt ihm doch noch etwas ein: Auf einem Kinderspielplatz habe sich jemand nach dem 1. Mai eine Zigarette angesteckt. „Dort ist das Rauchen ebenso untersagt wie auf Schulhöfen“, erklärt er. Es blieb aber bei einer mündlichen Verwarnung.

Das Dürener Ordnungsamt zieht jedenfalls eine positive Zwischenbilanz. Direkt nach dem Inkrafttreten des Gesetzes habe es Schwerpunktkontrollen gegeben, kein einziges Bußgeld wurde verhängt. Nur viele Hinweise mussten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes noch erteilen: Rauchverbotsschilder sind Pflicht. Dass sich die Menschen an das umstrittene Gesetz halten, mag auch daran liegen, dass die Bußgelder mit bis zu 2500 Euro für Wirte und Veranstalter und 1000 Euro für Gäste abschreckend wirken, mutmaßt Heinen. Auch in den Zelten der Maigesellschaften und Schützen habe es keine Beanstandungen gegeben.

Auch außerhalb Dürens ist die Lage bei den Kommunen entspannt. „Bei uns sind bislang keine Beschwerden eingegangen“, sagt etwa Hans Willi Weingartz, der Leiter des Merzenicher Ordnungsamtes. Es habe weder Anrufe von Rauchern noch von Nichtrauchern gegeben. Verstärkte Kontrollen seien seit der Einführung des uneingeschränkten Rauchverbotes nicht erfolgt. Vergleichbar ist die Lage in Kreuzau.

„Natürlich wird das Thema kontrovers diskutiert“, weiß Siegfried Schmühl, der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters. Beschwerden über die Nichteinhaltung seien bei der Verwaltung aber nicht eingegangen. Weil die Sorgen und Ängste der Vereine ernstgenommen werden, laufen in der Gemeinde schon Überlegungen, wie für Karnevalssitzungen, die bei frostigen Temperaturen stattfinden, Lösungen gefunden werden können. An der Festhalle könnte beispielsweise ein Pavillon errichtet werden.

Eine ganz andere Lösung schlägt Peter Stech vor. „Es wird nicht überlegt, ob etwas gut ist oder welche Konsequenzen es hat, es wird einfach beschlossen“, fordert der Vorsitzende der Kreisgruppe Düren des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes eine Rücknahme des Verbots. „Gerade Kollegen, die eine Kneipe betreiben, berichten, dass die Gäste ausbleiben.“ Das Kneipensterben werde beschleunigt. Kampflos aufgeben wolle er nicht: „Wir haben schon im Vorfeld protestiert und werden es auch weiter tun.“

Freie Entscheidung der Gäste

Bei Restaurants sei ein Rauchverbot nicht automatisch falsch, in Kneipen aber müsse es doch den Gästen überlassen werden, ob sie mit Rauchern an der Theke stehen möchten oder nicht. Stech ärgert, dass viele Kollegen „viel Geld in abgetrennte Raucherräume und Abluftanlagen“ investiert haben. Geld, das sie auch hätten verbrennen können.

Ein Fazit möchte Wolfgang Hassert, der eine Gaststätte in Untermaubach betreibt, noch nicht ziehen. „Das geht erst nach dem Winter“, betont er. Im Sommer könnten die Raucher schließlich gemütlich draußen stehen. „Bei mir sind es vielmehr die Nichtraucher, die sich beschweren“, sagt er. Schließlich würden Raucher immer nach draußen laufen und das würde Spielrunden und Gespräche unterbrechen. Gleichwohl hat der Gastwirt das Gefühl, dass die Umsätze leicht rückläufig seien.

Auch sein Kollege Helmut Bodden aus Niederzier ist gespannt, was der Winter bringt. Er hat bereits festgestellt, dass manche Gäste nach dem Essen schneller nach Hause gehen, statt bei einem Glas und einer Zigarette noch zu verweilen. Einbrüche gebe es noch keine. Aber auch er hat festgestellt, dass es die Gemütlichkeit stört, wenn immer jemand nach draußen gehen muss. „Vielen Nichtrauchern war es egal, wenn drinnen geraucht wurde“, resümiert er. Bodden glaubt, dass es unter den aktuellen Regelungen wichtig ist, mehr, als nur den Thekenbetrieb zu bieten: „Die Kegelbahn und die Möglichkeit, hier etwas zu essen, sind schon sehr wichtig.“

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