Rathaus: Streit über die Sanierungskosten

Von: Jörg Abels
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Die Rathaussanierung biegt auf die Zielgerade ein. Während im Sitzungssaal noch am Fußboden gearbeitet wird... Foto: Jörg Abels
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... wurden die ersten Büros bereits mit Möbeln ausgestattet. Ab dem 1. Juni beziehen die ersten Mitarbeiter ihre neuen Büros. Foto: Jörg Abels

Düren. Knapp drei Jahre nach Beginn der Arbeiten biegt die Sanierung des Rathauses mit gut halbjähriger Verspätung auf die Zielgerade ein. Ab dem 1. Juni beziehen die ersten Mitarbeiter ihre Büros. Ab Juli soll das Rathaus für die Bürger geöffnet werden. Was bleibt, ist die Diskussion über die Kosten des „Jahrhundertprojekts“, die von 14,75 auf knapp 20 Millionen Euro gestiegen sind.

Zwar bewilligte der Stadtrat am Dienstagabend in einer Sondersitzung einstimmig die neuerlichen Mehrkosten in Höhe von knapp 1,9 Millionen Euro, die „Ampel“-Koalition auf der einen und die CDU samt Bürgermeister Paul Larue auf der anderen Seite lieferten sich zuvor aber eine hitzige Diskussion über die Gründe der höheren Ausgaben.

CDU: „Wahlkampf-Manöver“

SPD-Fraktionschef Henner Schmidt sprach „vom völligen Versagen der Baukostenkontrolle“, unkte, dass das mit der von der SPD vor Beginn geforderten externen Bauaufsicht nicht passiert wäre, und schob Bürgermeister Paul Larue die Verantwortung in die Schuhe. Der sprach von einem „ehrabschneidenden Vorwurf und stellte sich schützend vor seine Verwaltung. CDU-Fraktionschef Stefan Weschke sprach von einem durchschaubaren Wahlkampf-Manöver der „Ampel“. „Sie sind so orientierungslos wie ein Karnevalist, der seinen Frühschoppen erst um Mitternacht verlässt.“ Weschke zollte der Bauverwaltung größten Respekt, die Sanierung des Rathauses sei eine große Herausforderung gewesen. „Die Probleme wären bei einem externen Controlling nicht geringer ausgefallen.“

Zuvor hatte Projektleiter Helmut Harperscheidt versucht, die nackten Zahlen zu erklären und zu relativieren. Von einer Kostenexplosion von mehr als 30 Prozent könne keine Rede sein, betonte der Chef des Gebäudemanagements. Bei den ersten beiden Anpassungen, mit denen das Gesamtprojekt 2012/2013 um 2,8 Millionen Euro teurer wurde, habe es sich größtenteils um zusätzliche Maßnahmen wie eine eigentlich erst in einigen Jahren notwendige Betonsanierung gehandelt, die im ursprünglichen Bauauftrag nicht enthalten waren – im Übrigen jeweils einstimmig vom Stadtrat genehmigt, rief Harperscheidt in Erinnerung.

Von tatsächlichen Mehrkosten könne erst jetzt gesprochen werden. Harperscheidt verwies auf zusätzliche Arbeiten aufgrund der Barrierefreiheit, des Denkmalschutzes, bei der Schadstoffsanierung und beim Schallschutz. Dazu sei ein erhöhter Sanierungsbedarf gekommen, der vor Beginn nicht erkennbar gewesen sei, beispielsweise bei den Mauerwerksfugen, die in den oberen Etagen ausgespült waren. Mehrkosten hat auch der kleine Sitzungssaal oberhalb des früheren Haupteingangs verursacht. Nach dem Ausbau der alten Stahlfenster war die Decke abgesackt, die neuen Fenster passten nicht mehr. Aufwendig mussten neue Stahlstützen eingezogen, musste die Decke wieder angehoben werden.

Dazu kamen Mehrkosten aufgrund der Bauzeitverlängerung, unter anderem bei den Mieten – alles in allem rund 1,12 Millionen Euro. Für Harperscheidt belaufen sich die tatsächlichen Mehrkosten damit nur auf 6,4 Prozent. Knapp 800.000 Euro habe er für mögliche Regressansprüche in der Auseinandersetzung mit Handwerksfirmen einkalkulieren müssen. Er ist überzeugt, dass die Summe nicht in Gänze benötigt wird. Endgültige Gewissheit aber werde man erst nach langwierigen Gerichtsverfahren haben.

Die Kritik der „Ampel“, er habe die Politik zu spät über die Mehrkosten informiert, wies Harperscheidt zurück. Schon im Februar und März habe er im Bauausschuss angedeutet, es könnte teurer werden. Er habe aber nicht aus dem Bauch heraus informieren, sondern belastbare Zahlen präsentieren wollen, die erst vor wenigen Tagen vorgelegen hätten.

Baudezernent Paul Zündorf versuchte, die Schärfe aus der Debatte zu nehmen. Er sprach von einer mutigen und richtigem Entscheidung, das Rathaus trotz aller Unwägsamkeiten zu sanieren. „Es ist ein Baudenkmal von nationalem Rang“, betonte Zündorf. Als Lehre aus der Kostensteigerung zog er, bei künftigen Altbausanierungen von Beginn an einen höheren Sicherheitspuffer in die Kalkulation einzusetzen.

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