Rangelei an den jecken Tagen endet vor Gericht

Von: hp
Letzte Aktualisierung:

Düren. Dass auch Strafprozesse bei aller Ernsthaftigkeit mitunter Anlass zum Schmunzeln und Staunen geben können, zeigte sich jetzt vor dem Dürener Amtsgericht.

Dort waren ein „Tiger“, der zeitweise auch als „Bär“ bezeichnet wurde, ein „Kölscher Jung“ ganz in Rot-Weiß sowie ein „Sträfling“ in schwarz-weiß-gestreifter Anstaltskluft angeklagt.

Bei dieser Beschreibung handelte es sich um die Kostümierung von drei Brüdern im Alter von 23, 28 und 35 Jahren, die zum Prozess ganz in Zivil erschienen. Sie hatten in der Nacht von Karnevalssamstag zum -sonntag im Dürener Stadtteil Mariaweiler gefeiert und waren gegen Mitternacht in eine handfeste Rangelei geraten.

Weil einige der Beteiligten Blessuren davon trugen, klagte die Staatsanwaltschaft zwei der Brüder wegen Körperverletzung, den dritten sogar wegen gefährlicher Körperverletzung an.

Freimütig schilderten die Angeklagten, dass sie zunächst viel Spaß beim Feiern und närrischen Treiben hatten. Dafür, dass sie normalerweise eher selten und nur gelegentlich Alkohol trinken, waren sie mit 1,6 und 1,3 sowie 0,9 Promille – so ergaben die späteren Blutproben – ziemlich „gut dabei“.

Ebenfalls in der Halle sei ein – wie auch andere und nüchterne Zeugen bestätigten – Narr gewesen, der als Polizist verkleidet war. Dieser sei gegenüber den drei Brüdern sowie deren Mutter zunächst freundlich, später aber „sehr aufdringlich“ gewesen.

Raubkatze im Schwitzkasten

Der „Tiger“ im fellartigen Overall hatte deshalb diesen Narren schlicht und einfach weggeschubst und im Handumdrehen war eine Rauferei im Gange. Ein Verantwortlicher des Veranstalters nahm daraufhin den „Tiger“ in den Schwitzkasten, um ihn nach eigenen Worten an der frischen Luft zu besänftigen.

Der wiederum sprach von einem Würgegriff, so dass er in Panik geraten sei. Mit dem Ziel freizukommen, habe er um sich geschlagen, was zudem seinen Bruder im Sträflingskostüm auf den Plan gerufen habe.

Ziemlich einig waren sich die Angeklagten und insgesamt sieben Zeugen darin, dass die Rangelei nach ein bis zwei Minuten und so plötzlich, wie sie begonnen hatten, wieder zu Ende war. Auch wenn viele Details nicht mehr gänzlich zu klären waren, so blieb übereinstimmend die Feststellung, dass der Narr im Polizistenkostüm, der zugleich eigentlicher Auslöser der Rangelei war, von der Bildfläche verschwunden war.

Richterin Verena Neft sprach die drei Angeklagten frei und folgte damit dem Plädoyer der Staatsanwältin. Die Brüder hätten sich, so die Vorsitzende in der Urteilsbegründung, angesichts der Umstände angegriffen gefühlt und sich in einer Art von Notwehr verhalten.

Am Ende des Prozesses herrschte im Sitzungssaal eine Spur rheinischer Lebensfreude, bei der sich vermeintliche Opfer und missverstandene „Täter“ freundschaftlich begegneten, herzlich umarmten und sogar für das nächste Karnevalsfest verabredeten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert