Düren - Radler sitzen so manchem Irrglauben auf

Radler sitzen so manchem Irrglauben auf

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
Vorsicht! Auf Zebrastreifen ge
Vorsicht! Auf Zebrastreifen genießen nur Fußgänger besondere Schutzrechte. Radfahrer sollten absteigen. Foto: imago/Insadco

Düren. 298 Fahrradfahrer sind im vergangenen Jahr im Kreis Düren verunglückt; gut 22 Prozent mehr als 2010 und ein unrühmlicher Höchststand im Zehn-Jahres-Vergleich. Drei Radfahrer starben, so viele wie zuletzt 2005. Nur im Jahr 2002 waren es mit sechs noch mehr.

Und besonders alarmierend für die Polizei: „In den meisten Fällen verursachten die Radfahrer die Unfälle selbst oder trugen zumindest eine Teilschuld”, erklärt Hauptkommissar Wolfgang Franzen von der Direktion Verkehr. Und noch ein zweiter Punkt beschäftigt die Polizei: Mehr als die Hälfte aller Unfälle mit Radfahrern ereignete sich im Dürener Stadtgebiet.

Verstöße können teuer werden

„Viele Radfahrer sehen sich als die letzten Rebellen auf unseren Straßen”, spricht Hauptkommissar Reiner Fallkowski Klartext. Viele missachten rote Ampeln oder umfahren sie, indem sie über den Bürgersteig ausweichen. Beides kann teuer werden. Mindestens 45 Euro sieht der Bußgeldkatalog bei derartigen Verstößen vor.

Problem, und das weiß der Verkehrssicherheitsberater auch: Radfahrer sind schwer zu stellen, machen sich aus dem Staub, wenn sie einen Polizisten sehen. Deshalb überlegt auch die Dürener Behörde jetzt, ob sie künftig nicht auch - wie in Großstädten längst üblich - Radfahrpolizisten einsetzt.

Oft aber ist es auch schlichtweg Irrglauben, der Radfahrer in Gefahr bringt. Beispiel Zebrastreifen: „Nur der Fußgänger genießt auf Zebrastreifen besonderen Schutz”, erklärt Reiner Fallkowski, „der Radler nur, wenn er sein Rad schiebt”.

Noch wichtiger ist die sogenannte Radwegebenutzungspflicht. „Überall dort, wo das blaue Gebotsschild spezielle Wege für Radfahrer oder kombinierte Wege für Radfahrer und Fußgänger ausweist, müssen diese auch benutzt werden”, erklärt der Verkehrssicherheitsberater. Das gilt auch für die vielerorts auf den Fahrbahnen markierten seitlichen Schutzstreifen, die aus diesem Grund von Autofahrern auch nicht zugeparkt werden dürfen.

In Straßen mit zwei Radwegen darf nicht gegen die Fahrtrichtung geradelt werden, betont Wolfgang Franzen und verweist auf den Bereich Nideggener Straße/Piusstraße, in Düren, wo gerade dieses Gebot des Öfteren missachtet wird und der deshalb zum Unfallschwerpunkt geworden ist.

„Die Radwegebenutzungspflicht gilt im Übrigen auch für Radrennfahrer”, erklärt Hauptkommissar Fallkowski, wohl wissend, dass die Wenigsten das gerne hören. Einzige Ausnahme: „Der Weg befindet sich in einem unzumutbar schlechten Zustand.”

Und Radrennfahrer sitzen oft einem weiteren Irrglauben auf. Auf Straßen ohne Radweg dürfen sie nicht ohne Weiteres Nebeneinander fahren. Dies ist laut Straßenverkehrsordnung erst in einer Gruppe ab 15 Fahrern erlaubt.

Mit Blick auf die nun beginnende Fahrradsaison machen die Experten der Polizei aber auch noch auf weitere Aspekte aufmerksam: „Aus der Mode gekommen, aber enorm wichtig und Pflicht sind Handzeichen bei jeder Richtungsänderung”, betont Reiner Fallkowski. Beide Experten der Polizei empfehlen dringend die Benutzung von Fahrradhelmen. „Ein Helm kann zwar keinen Unfall verhindern, schützt aber vor schweren Verletzungen”, unterstreicht Franzen und verweist darauf, dass bei den drei tödlichen Unfällen im vergangenen Jahr keine Helme getragen wurden.

Auch „Alkohol am Lenker” ist immer wieder ein Thema, das unterschätzt werde. Die absolute Fahruntüchtigkeit, die mit Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft wird, beginnt bei Radlern ab 1,6 Promille (zum Vergleich: bei Autofahrern ab 1,1 Promille). Derweil ist Musikhören als Radler nicht verboten, „darf aber nicht dazu führen, dass der Verkehr nicht mehr wahrgenommen wird”, betont Fallkowski mit Blick auf etwaige versicherungstechnische Probleme nach Unfällen.

Insgesamt, und darauf weist Polizeipressesprecher Ralf Meurer noch einmal ausdrücklich hin, „gilt im Straßenverkehr natürlich das Prinzip der allgemeinen Rücksichtnahme”, will heißen. Auch Autofahrer müssen auf Radfahrer Rücksicht nehmen, beispielsweise beim Öffnen der Beifahrertür, wenn Parkbuchten - wie an der Josef-Schregel-Straße in Düren - direkt neben dem Radweg liegen. „Und wir setzen auf die Mitarbeit der Bevölkerung. Mängel im Verkehrsraum und Gefahrenstellen können uns jederzeit gemeldet werden”, ergänzt Wolfgang Franzen.
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