Puppenspieler reisen mit 300 Kilo Gepäck

Von: Lukas Weinberger
Letzte Aktualisierung:
Die russischen Puppenspieler a
Die russischen Puppenspieler aus Mytischi beeindruckten in der Aula des Franziskus-Gymnasiums in Vossenack mit ihrem Stück „Morgen beginnt gestern”. Foto: Weinberger

Vossenack. Einen Crashkurs in russischer Geschichte bekommt man nicht gerade jeden Tag geboten - nicht an der Universität, nicht an der Schule. In der Aula des Franziskus-Gymnasiums in Vossenack aber gabs diese besondere Lehrstunde: Die russische Puppenbühne „Feueranzünder” zeigte mit ihrem Stück „Morgen beginnt gestern” die russische Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Sie hatten auf Einladung des Fördervereins der Kreispartnerschaften in Vossenack gastiert. Mytischi liegt im Verwaltungsbezirk der russischen Hauptstadt Moskau und ist seit 2010 Partnerkreis des Kreises Düren. Erst im Februar dieses Jahres hatten Gudrun Zentis (Grüne) und Rudi Frischmuth (FDP) den Auftritt der russischen Puppenbühne festgemacht. Dann ging alles ganz schnell. „Die Schauspieler konnten es gar nicht erwarten, nach Deutschland zu kommen”, sagte Zentis.

Jetzt war es soweit - mit über 300 Kilogramm Gepäck reisten die Schauspieler und ihr Leiter Stanislaw Fedorowitsch nach Deutschland und verzückten die Zuschauer mit ihrem famosen Puppenspiel. Mit ihren Puppen, Computergrafiken und Malerei fassten die „Feueranzünder” die russische Geschichte des 20. Jahrhunderts in 50 Minuten zusammen.

Mal untermalten die Grafiken - die per Beamer an eine Leinwand auf die Bühne geworfen wurden - das Spiel mit den Puppen, mal umgekehrt. Und teils schwebten die Puppen auch durch die dargestellte Grafik. Viel Abstraktes war dabei, das sicher nicht jedem Westeuropäer geläufig sein muss. Doch die wichtigsten Stationen waren klar zu erkennen: Russische Revolution von 1917, der Erste und der Zweite Weltkrieg, der Aufstieg und die Europäisierung Russlands in der Moderne.

Donnernden Applaus erhielten die Puppenspieler aus Russland im Anschluss an ihre gelungene Vorführung. Auch von den gastgebenden „Strippkes Trekkern” - die bekanntlich ja auch gerne die Puppen tanzen lassen. Schließlich haben die russischen Puppenspieler nicht umsonst auf der ganzen Welt Erfolg und vertraten ihr Land bereits beim Weltfestival der Puppenspieler.

„Dort hat die Gruppe eine Bühne, wovon so manches normales Theater nur träumen könnte. Es ist alles hochprofessionell”, berichtete Annegret Greven vom Kreis Düren. Spielleiter Fedorowitsch war von der Anerkennung des Vossenacker Publikums ganz angetan: „Ich danke für die Gastfreundschaft, bin begeistert von der Organisation. Alles hier wurde mit Liebe und für die Menschen gemacht, das hat mir sehr gut gefallen.”

Besuch im Museum

Die russischen Gäste hatten vor ihrem Auftritt bereits Düren erkundet, waren bummeln und im Papiermuseum. „Alle waren sehr wissbegierig. Und alle schwärmten von der tollen Aufnahme, der Unterbringung und der Herzlichkeit”, sagte Dolmetscher Jürgen Fischer von der Job-com.

Und dennoch gab es auch einen weniger erfreulichen Umstand: In der Aula des Gymnasiums waren viele Plätze leergeblieben, obwohl die Eintrittsgelder dem Förderverein der Franziskus-Stiftung und somit der Jugendarbeit an der Schule zu Gute gekommen sind. „Die, die nicht hier waren, haben sicherlich etwas verpasst”, sagte Rudi Frischmuth nach der Vorstellung. In jedem Fall ein tolles Puppenspiel und eine ganz eigene Darstellung der russischen Geschichte.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert