Pulverdampf und die Liebe zur Pionierzeit

Von: Hendrik Buch
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Seit über zehn Jahren kommen Cornelia Lemke-Nelle (links) und Sabine Witzke zum Zeltlager der „Kentucky Muzzle Loaders“ an den Wibbelrusch. Foto: Franz Sistemich
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Der gebürtige Dürener Peter Hasse (links) und Kurt Otto widmen sich seit Jahrzehnten ihrem Hobby. Foto: Franz Sistemich

Düren. Es ist ein ohrenbetäubender Lärm, der entsteht, wenn ein Vorderlader abgefeuert wird. Auf 25 Meter gilt es für die Teilnehmer, beim Bürgerschießen die Scheibe zu treffen. Zum Schutz für empfindliche Ohren ist sogar Gehörschutz angeordnet.

„Wer einmal Schwarzpulver gerochen hat, der wird diese Faszination nicht wieder los“, schwört Ulrich Kelleter von den „Kentucky Muzzle Loaders“. Bei der 47. Auflage von „Pulverdampf in Düren“ in diesem Jahr hatten auch Laien wieder die Möglichkeit, einmal mit diesen alten Gewehren zu feuern.

Bereits seit 1969 pflegen die Dürener „Kentuckys“, wie sie sich selber nennen, das Schießen mit historischen Waffen. Was sich im ersten Moment nach Waffennarrentum anhören könnte, ist in der Realität Teil einer beeindruckenden Historienkultur. Durch jahrlange und minuziöse Sammelarbeit stellen die Clubmitglieder und ihre internationalen Freunde die Zeit der Pioniere in Amerika nach.

Es ist besonders die Detailversessenheit, die dabei verblüfft. Von der Waffe über die Kleidung bis hin zur Bratpfanne sollte am besten alles wie zur der Zeit von 1750 bis 1850 sein. So haben auch viele Mitglieder ihre eigene Expertise entwickelt: Der eine ist Schmied oder die andere näht Kleidung. „So sehr wir uns aber auch informieren, am Ende bleibt es natürlich unsere Vorstellung, die wir in die Zeit hineininterpretieren“, schätzt „Kentucky“ Hubert Müller allen Eifer realistisch ein.

Rund um die Schießwettbewerbe mit den Vorderladern entsteht so jedes Jahr ein buntes Lager mit Verkaufsständen, Saloonzelt und Musik am Abend. Unter den Teilnehmern, die von den Niederlanden bis zur Schweiz stammen, haben sich so Freundschaften entwickelt. „Hier hilft wirklich jeder jedem“, sagen denn auch Sabine Witzke und Cornelia Lemke-Nelle. Die Frauen aus Lotte bei Osnabrück und aus Lippetal bei Soest kommen seit über zehn Jahren zum Zeltlager am Wibbelrusch.

Cornelia Lemke-Nelle hatte schon am Sonntag vergangener Woche ihr Zelt aufgeschlagen, war einige Tage auf ihrem Teil des Wibbelruschgeländes alleine. Damit hatte sie kein Problem, schließlich kamen immer wieder Mitstreiter, die auf anderen Stellen ihr Zelt aufgebaut hatten, zum Klönen und Helfen. Oder sie ging halt zu ihnen. Und es ist auch kein Problem, die eigene Lagerstatt unbeaufsichtigt zu lassen: „Jeder passt auf“, weiß Sabine Witzke: „Hier herrscht ein Miteinander und eine Ehrlichkeit, die ihresgleichen suchen.“

Lebenswichtige Jagd

Alle, die am Wochenende ihr Hobby dokumentierten, verbindet die Liebe zur Pionierzeit und viele – besonders die Männer – auch die Liebe zur historischen Waffe. Kriegsverherrlichend sei dies übrigens ganz und gar nicht: „Pioniere brauchten die Waffen vor allem zur Jagd“, erklärt Kelleter, „man kam mit nichts in die neue Welt, die Jagd war lebenswichtig.“

Als sportliches Highlight der Veranstaltung verlieh die stellvertretende Bürgermeisterin Carmen Heller-Macherey am Sonntag den Ehrenpreis, den begehrten Bronzenen Büffel der Stadt Düren. Diese Trophäe, die jeder Schütze im Leben nur einmal erringen kann, ging in diesem Jahr an den Niederländer Jan Flipse mit 46 Ringen. Bei aller Freude am Lager hatte die Veranstaltung aber auch Platz für Trauer. Vor einem Monat verstarb der langjährige Clubpräsident Klaus-Dieter Wirtz. In den Reden und zahlreichen Gesprächen war er ein Teil des „Pulverdampfes in Düren“.

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