„Pulverdampf in Düren”: Wo Trapper und Indianer Freunde sind

Von: Heike Eisenmenger
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Sie sehen vielleicht martialisch aus, aber Bogenmacher Toni Krings und Präsident Klaus Dieter Wirtz sind eigentlich ganz friedlich. Foto: Eisenmenger

Düren. Der Büffel, der über die Prärie rast, hat keine Chance: Rob Duijt hat ihn über Kimme und Korn gelegt. Als der Funke das Schwarzpulver entzündet, und die Bleikugel mit hoher Geschwindigkeit durch den Lauf schießt, ertönt ein ohrenbetäubender Knall in der Schießhalle am Wibbelrusch.

Der Niederländer, Weltmeister im Vorderladerschießen von 2004, ist einer von 75 Teilnehmern, die beim Schießwettbewerb im Rahmen von „Pulverdampf in Düren” mitmachen. Zum 40. Mal organisieren die „Kentucky Muzzle Loaders” das bunte Festival.

Seite an Seite

Das dreitägige Spektakel entführt den Besucher in die Zeit, als der Westen Amerikas besiedelt wurde. Trapper, Pioniere, Indianer und Kavallerie leben während des dreitägigen Festivals auf dem Gelände des „Clubs für Jagd und Sportschützen” harmonisch Seite an Seite. Der „Wilde Westen” wird im Dürener Stadtwald gezähmt, das Kriegsbeil begraben.

Im Mittelpunkt stehen jedoch die historischen Vorderlader, „die, was die Treffgenauigkeit angeht, es mit modernen Waffen durchaus aufnehmen können”, sagt Klaus Dieter Wirtz. Er ist der Präsident von „Kentucky Muzzle Loaders”. Der Kölner trägt die Kleidung eines Trappers, der in der Prärie zu Hause ist.

Wenn es um Authentizität geht, will es der 63-Jährige genaunehmen. Sein spartanisch eingerichtetes Trapperzelt sehe so aus, wie es in jenem Berufsstand in der damaligen Zeit entspricht. Allerdings wäre er mit 63 Jahren als Trapper wohl kaum noch topfit gewesen. „Mit 35 Jahren war meist Schluss: Die Trapper litten an Gicht und Rheumatismus”, stellt Wirtz klar.

Wie fast alle, die am Wettbewerb teilnehmen, fertigt er die Bleikugeln für seine Waffe selber. „Genau das macht ja gerade Spaß.” Anlässlich des 40. Geburtstages schießen die Teilnehmer des Schießwettbewerbs nicht nur auf starre Motivscheiben, sondern auf bewegliche Ziele wie jenen metallenen Büffel.

Doch Pulverdampf ist mehr. Das Gelände ist übersät mit Zelten, Tipis und Verkaufsständen. Angeboten wird hunderten von Besuchern all das, was Trapper, Siedler und Indianer für ihr Rollenspiel benötigen. Auf der Suche nach einer schmückenden Trophäe ist offensichtlich ein Mann mit langen schwarzen Haaren, der sich als Indianer verkleidet hat.

Die blitzenden Pobacken verraten, dass er unter dem Lendenschutz keine moderne Unterhose trägt. „Unterhosen als alltägliches Kleidungsstück gab erst seit 1920”, sagt Angelika Jerentowsky, die bei „Pulverdampf” selbstgefertigte Kleider feilbietet. „Unterwäsche an sich ist ein sehr spannendes Thema, weil dieses Kleidungsstück Auskunft über die Gesellschaft und auch den medizinischen Wissenstand der damaligen Zeit gibt. Es gab tatsächlich Ärzte, die den Frauen davon abrieten, Unterhosen zu tragen, weil die Reibung des Stoffes zu Irrsinn führen würde”, sagt Jerentowsky - und schüttelt lachend den Kopf.

Wenige Meter von ihrem Stand entfernt bietet der „Siedler” Toni Krings Pfeil und Bogen an. „Die Bögen sind alle von mir handgefertigt”, sagt er und lupft die Sehne, um den Pfeil zu spannen. Pfeil und Bogen machen übrigens dem Bronzenen Büffel, den Bürgermeister Paul Larue regelmäßig mitbringt, nichts aus. Der Büffel ist der Siegespokal, der in diesem Jahr an Henri van den Heuvel geht.
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