Psychiatrisches Fachwissen und rheinischer Humor im Haus der Stadt

Von: mh
Letzte Aktualisierung:
9641622.jpg
Der Theologe und Chefarzt Dr. Manfred Lütz gastiert mit seinem Programm „Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen“ in Düren. Foto: mh

Düren. „IRRE! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen“, so lautet der Titel des Kabarett-Programms und Buches von Dr. Manfred Lütz, Theologe und Chefarzt der psychiatrischen Kliniken in Köln-Porz. Seine These lautet: „Um die Normalen zu verstehen, muss man erst die Verrückten studiert haben“.

Wer sich Dienstagabend auf ein Bühnenprogramm mit einer Mischung aus psychiatrischem Fachwissen, rheinischem Humor und witziger Gesellschaftsanalyse eingestellt hatte, kam auf seine Kosten. Denn Kabarettist Manfred Lütz erzählte von den Merkwürdigkeiten und Besonderheiten im Umgang mit Menschen. Nach Lütz sind ein Drittel der Bevölkerung ein Mal in ihrem Leben von einer psychischen Erkrankung selbst betroffen oder haben einen Angehörigen, der mit dem Thema konfrontiert ist.

Innerhalb von zwei Stunden gab Lütz kluge und humorvoll verpackte Einblicke in Krankheiten, ihre Symptome und ihre Therapiemöglichkeiten. Hierzu dienten ihm immer wieder berühmte Beispiele wie Dieter Bohlen, über dessen Beziehungsfähigkeit Lütz mit einem Augenzwinkern sprach oder Boris Becker, dessen Kleinhirn, das Bewegungsabläufe koordiniert, nach Lütz wohl besser funktionieren müsste als das Großhirn, das Informationen abspeichert.

Doch bei allem Humor konnte der Zuschauer im ausverkauften Haus der Stadt den Respekt wahrnehmen, mit dem der Arzt psychisch Kranken begegnet. Neben einer ausgezeichneten Unterhaltung war es Lütz‘ Anliegen, die Angst vor Menschen mit psychiatrischem Erkrankungen und den Umgang mit Betroffenen zu nehmen.

Deshalb versteht er seine Bühnenauftritte auch als eine Möglichkeit der Aufklärung, um damit den jeweiligen psychiatrischen Phänomenen, die sonst sehr belastend sind, auf äußerst humorvolle Art und Weise die ihnen eigene Schwere zu nehmen. Er möchte aufräumen mit der „mittelalterlichen Vorstellung“ von psychisch Kranken. „Man muss nur abends die Tagesschau ansehen, die voll mit Krieg und Wirtschaftskrise ist“, so Lütz „und man kommt nicht um die Frage umhin: Behandeln wir die Falschen?“

An zahlreichen Beispielen, die die Zuschauer immer wieder auf‘s Neue zum Schmunzeln brachten, erläuterte Lütz den normalen Alltagswahn und unternahm stellenweise den Versuch einer Abgrenzung von tatsächlichen Erkrankungen. Natürlich entging dem Zuschauer manches Paradoxum nicht.„Hüten Sie sich vor den Normalen“, forderte der Bestseller-Autor Lütz sein Publikum auf und zeigte auf charmante Weise kuriose Verhaltensweisen auf.

Doch ohne jeglichen moralischen Fingerzeig war seine Vorstellung ein – wenn auch in Humor verpackter – Appell an den würdevollen und verständnisvollen Umgang mit Erkrankten. So konnte „Humor als beste Medizin“ verstanden werden, ohne dabei abwertend zu belächeln.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert