Psychiatriegeschichte: Moderne, Weltkrieg und „Irrenhaus“

Von: sj
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Eusebius Wirdeier, Dr. Renate Goldmann, Eva Struckmeier und Dr. Erhard Knauer (v.l.) haben die Doppel-Ausstellung konzipiert. Foto: Johnen
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Viele Objekte für Haus 5 kommen aus dem Psychiatriemuseum Bonn.

Düren. 30 Jahre sind eigentlich ein recht überschaubarer Zeitraum. Doch manchmal überschlagen sich in wenigen Jahren die Ereignisse. Zwischen 1900 und 1930 war dies so in der Psychiatrie. Die Ausstellung „Moderne. Weltkrieg. Irrenhaus“, die am 1. Mai eröffnet wird, beschäftigt sich mit den bahnbrechenden Fortschritten, aber auch mit den Widersprüchen der Psychiatrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Schau ist eingebunden in das Projekt „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ des Landschaftsverbands Rheinland. Am 1. Mai wird die Ausstellung eröffnet. Sowohl in Haus 5 auf dem Gelände der LVR-Klinik als auch im Leopold-Hoesch-Museum der Stadt Düren.

„Haus 5 ist mit 48 Metern Breite unser größtes Exponat“, sagt Kurator Eusebius Wirdeier. Das Ausstellungsgebäude, ein „forensisches Bewahrungshaus“ aus dem Jahr 1900, stehe für eine weitreichende Liberalisierung der Psychiatrie im Rheinland während der Kaiserzeit. Hinter der hohen Umfassungsmauer wird es Einblicke in die Methoden und Therapien der Zeit, den Alltag in der Klinik, die Emanzipation des Pflegepersonals als eigene Berufsgruppe und die „Schatten des Krieges“ geben. Derzeit sind die Organisatoren der Ausstellung dabei, viele Ausstellungsstücke aus dem Bonner Psychiatriemuseum in Haus 5 aufzubauen.

Zweiter Ausstellungsort ist das Leopold-Hoesch-Museum. Dort wird mit Werken aus der Sammlung ein Bild der Moderne gezeichnet. Werke von Patienten der Dürener Klinik aus den 1920er Jahren, die aus der Heidelberger Sammlung Prinzhorn entliehen wurden, werden erstmals wieder an der Rur gezeigt. Bindeglied zwischen Haus 5 und Museum sind die in Haus 5 ausgestellten Bilder Conrad Felixmüllers, der als Kriegsdienstverweigerer während des Ersten Weltkriegs in einem Militärkrankenhaus „Ersatzdienst“ leisten musste.

Die Kooperation soll Vorbild für weitere Ausstellungen sein, betonen sowohl Dr. Erhard Knauer vom Psychiatriegeschichtlichen Dokumentationszentrum als auch Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann. Knauer schwebt vor, Haus 5 als Museum zu bewahren und auszubauen. Das Leopold-Hoesch-Museum möchte die Verbindungen zwischen Museumspädagogik und Kunsttherapie enger knüpfen.

Die Ausstellung „Moderne. Weltkrieg. Irrenhaus“ wird am Donnerstag, 1. Mai, um 11 Uhr in Haus 5 und um 12 Uhr im Leopold-Hoesch-Museum eröffnet. Am Eröffnungstag gibt es ab 13 Uhr im Museum Führungen und von 12 bis 15 Uhr einen Workshop für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die Ausstellung läuft an beiden Orten bis zum 6. August. Das Leopold-Hoesch-Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr (donnerstags bis 19 Uhr) geöffnet. Haus 5 in der LVR-Klinik Düren ist sonntags von 11 bis 17 Uhr und donnerstags von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Führungen können zudem bei Sigrid Brüll unter Telefon 02421/402275 auch für andere Tage vereinbart werden.

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