Prozess geplatzt: Hauptangeklagter setzt sich nach Portugal ab

Von: bugi
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Zu der für Donnerstag angesetzten Verhandlung ist der Hauptangeklagte nicht erschienen. Der Grund: Er soll sich in der Zwischenzeit nach Portugal abgesetzt haben. Symbolbild: dpa

Düren. Nicht zum ersten Mal ist in dieser Woche ein Prozess gegen zwei Dürener geplatzt, denen die Staatsanwaltschaft Aachen Betrug und Beihilfe zum Betrug vorwirft. Die beiden inzwischen 40 Jahre alten Männer sollen 2014 einen heute 83-Jährigen um mehr als 40.000 Euro erleichtert haben. Auslöser für die Ermittlungen war eine Anzeige des Opfers.

Der Fall selbst klingt bizarr: Das Opfer soll nach Angaben eines Gerichtssprechers 2013 die Idee gehabt haben, ein „soziales Inselprojekt“ zu realisieren. Demnach wollte er eine riesige künstliche Insel bauen lassen, auf der dann Flüchtlinge und Obdachlose Zuflucht hätten finden können.

Um sein Ziel zu verfolgen, muss der Mann 2013 und 2014 entsprechende Anzeigen aufgegeben haben, in denen er nach Personen gesucht haben soll, die ihm bei der Realisierung seiner Pläne behilflich sein könnten. Mitte 2014 muss sich dann der Hauptangeklagte aus Düren bei ihm gemeldet und sich mit ihm getroffen haben. Gemeinsam mit einem 40-jährigen Hildener, der ebenfalls in Düren lebt, soll er dem 83-Jährigen die Umsetzung der Pläne versprochen und eigens einen eingetragenen Verein gegründet haben, der das Projekt finanzieren sollte.

Zwei Überweisungen

In zwei Überweisungen hat der 83-Jährige dann insgesamt 42.000 Euro auf das Konto eingezahlt und danach offenbar von den beiden 40-Jährigen nicht mehr viel gehört. Das geprellte Opfer marschierte zur Polizei und erstattete Anzeige. Da war ein Teil des Geldes bereits weg. „25.137 Euro konnten noch gesichert werden“, so der Gerichtssprecher. Ungewöhnlich an dem Fall: Das Opfer soll zum Zeitpunkt der Straftat aus der LVR-Klinik heraus gehandelt haben. Der Gerichtssprecher: „Die Zahlungen erfolgten jeweils über einen Anwalt, der die Finanzen des Mannes betreute.“ Ob das Opfer zum Zeitpunkt der Tat überhaupt geschäftsfähig war, bleibt unklar.

Bereits im September 2015 hatte die Staatsanwaltschaft Aachen dann Anklage gegen die beiden Männer erhoben. Zwischenzeitlich erfolgte eine Begutachtung der Schuldfähigkeit der Angeklagten, zu den anberaumten Verhandlungsterminen erschien der Angeklagte allerdings nicht. Das führte unter anderem dazu, dass die zuständige Richterin Mitte Januar einen Haftbefehl gegen den Dürener erließ, ihm aber später Haftverschonung gewährte.

Zu der für Donnerstag angesetzten Verhandlung ist der Hauptangeklagte erneut nicht erschienen. Der Grund: Er soll sich in der Zwischenzeit nach Portugal abgesetzt haben. Ein neuer Haftbefehl gegen ihn liegt bereits vor. Jetzt muss die Staatsanwaltschaft den Dürener zur Fahndung ausschreiben.

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