Projekt „TEP“: Türöffner für die Teilzeit-Berufsausbildung

Von: Stephan Johnen
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Machen sich für Teilzeitausbildungen stark (von links): Gilla Knorr (Frauenbüro der Stadt Düren), Silke Niessen (Job-com), Marion Klein-Bojanowski („Low-tec“), Waltraud Gräfen (IHK Aachen) und Andrea Hilger (Arbeitsagentur). Foto: Johnen

Kreis Düren. Gesetzlich ist alles geregelt. „Seit 2005 kann jede Ausbildung in Teilzeit gemacht werden“, sagt Gilla Knorr, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Düren. „Der Bedarf nimmt zu, aber die Angebote stagnieren“, sagt sie. Die Teilzeitberufsausbildung sei immer noch ein relativ unbekanntes Instrument. Projekte wie „TEP“ sollen dies ändern.

 „TEP“ -  das steht für Teilzeitberufsausbildung, Einstieg begleiten, Perspektiven eröffnen. Anfang April startet im Kreis Düren die dritte Runde dieses mit Mitteln des Landes NRW und des Europäischen Sozialfonds finanzierten Programms, das Interessierte beim Einstieg in die Teilzeitberufsausbildung begleiten und ihnen Perspektiven öffnen soll.

15 freie Plätze

„Eigentlich ist es verwunderlich, dass diese Form der Ausbildung nicht so bekannt ist und von Unternehmen angeboten wird“, bilanziert Projektleiterin Marion Klein-Bojanowski von der gemeinnützigen Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft „Low-tec“ in Düren. Denn die Teilzeitausbildung könne für viele Mütter und Väter das entscheidende Sprungbrett für den Einstieg in den Beruf bedeuten und biete zugleich Unternehmen die Chance, noch nicht entdecktes Potenzial zu heben.

Mütter und Väter würden „andere Qualitäten mitbringen“, ist Gilla Knorr überzeugt. Sie seien es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, seien meist „reifere Persönlichkeiten“ und hätten ein gutes Zeitmanagement entwickelt. „Gerade angesichts des drohenden Fachkräftemangels ist es wichtig, diese Menschen besser zu aktivieren“, sagt Andrea Hilger von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. Für Betriebe sei die Integration von Teilzeitauszubildenden unproblematisch: „Nicht die Dauer der Ausbildung ist verkürzt, sondern die Dauer des Arbeitstages“, erklärt Andrea Hilger. Die Azubis sind 25 bis 30 Stunden pro Woche im Betrieb, besuchen aber regulär die Berufsschule. Die Erfahrung zeige, dass es kein Problem sei, in der verkürzten Zeit die Ausbildungsinhalte in den Betrieben zu verinnerlichen.

Doch wo setzt die Arbeit von „TEP“ an? Vier Monate lang werden die 15 Teilnehmer des Programms auf die Jobsuche und die Bewerbungsgespräche vorbereitet und trainiert. Die Teilnehmer sollen ihre eigenen Stärken erkennen und eine passgenaue Ausbildungsstelle finden. „Es ist eine Art Trockentraining“, sagt Marion Klein-Bojanowski. „Wir unterstützen die Teilnehmer beispielsweise bei Fragen der Finanzierung und Anträgen“, erklärt Silke Niessen von der Job-com des Kreises Düren. Gleichzeitig wird bereits im Voraus nach Möglichkeiten der Kinderbetreuung gesucht, damit alle offenen Fragen bereits vor Beginn einer Ausbildung beantwortet sind.„Einen Arbeitgeber müssen sie die Teilnehmer dann selber finden, aber wir nutzen natürlich unsere Kontakte“, sagt Marion Klein-Bojanowski.

Meistens funktioniere der Einstieg über ein vorheriges Praktikum im Unternehmen. „Es mag gewisse Vorbehalte auf Arbeitgeberseite geben, die aber in der Praxis ausgeräumt werden können“, fügt Waltraud Gräfen von der IHK Aachen hinzu. Ein Pluspunkt des Projekts sei es auch, dass auch Arbeitgeber beraten und unterstützt werden, beispielsweise bei allen vertraglichen und organisatorischen Fragen rund um die Teilzeitausbildung. „Selbst der öffentliche Dienst tut sich noch schwer, Teilzeitausbildung anzubieten“, bedauert Gilla Knorr, die sich erhofft, dass Projekte wie „TEP“ auch als Türöffner und Wegbereiter erweisen. Es sei schließlich auch für Unternehmen interessant, sich familienfreundlich aufzustellen und motivierte Mitarbeiter zu gewinnen, die eine große Portion Lebenserfahrung mitbringen und ein Team bereichern könnten.

Ist die Ausbildungsstelle gefunden, endet die Arbeit für Marion Klein-Bojanowski und ihre Mitstreiterinnen nicht. Bis zum März 2014 werden die Teilnehmerinnen begleitet und beraten, um Ausbildung und Familienverantwortung „unter einen Hut“ bringen zu können.

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