Projekt „tanzwärts“: Zuhören und Respekt haben

Von: Sandra Kinkel
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Dirk Kazmierczak ist der Künstlerische Leiter des Projektes „tanzwärts“, das derzeit in Düren stattfindet. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Dirk Kazmierczak ist ein Menschenfreund im allerbesten Sinn. Einer mit einem sehr herzlichen, offenen Wesen, der sehr schnell einen Draht zu seinen Mitmenschen findet. „Ich liebe es, Leuten zu begegnen, von ihnen zu lernen, ins Gespräch zu kommen und vor allem, mit ihnen zu tanzen.“

Und genau das kann der 47-Jährige als Künstlerischer Leiter des Projektes „tanzwärts“, das Dieter Powitz, Leiter des städtischen Kulturbetriebs, in Düren initiiert hat. Fast 70 Tänzer vom Grundschulkind bis zum Senior machen bei „tanzwärts“ mit, seit Anfang Mai laufen die Proben.

„Ich wusste schon ganz früh, dass ich Tänzer werden wollte“, sagt Kazmierczak. „Mit drei Jahren wollte ich schon Tanzunterricht haben.“ Seine Eltern seien zunächst nicht wirklich begeistert gewesen. „Das hat irgendwie überhaupt nicht in ihre Welt gepasst. Ich fand es schon damals schön, mich zur Musik zu bewegen, mich leicht zu fühlen.“

Erst mit 14 –nach Fußballtraining, Tennisstunden und Blockflötenunterricht – hat Dirk Kazmierczak in einem Sportverein Jazztanz gemacht. Und ziemlich schnell ist sein großes Talent erkannt worden. „Mit 15 habe ich mit klassischem Ballett angefangen. Das ist sehr spät, wenn man professioneller Tänzer werden möchte. Ich hatte aber viele Menschen, die mich wirklich unterstützt haben, so dass ich nach dem Abitur an der Musikhochschule Heidelberg/Mannheim das Studium Diplom-Bühnentanz absolvieren konnte.“

Vermutlich waren es aber auch Kazmierczaks große Disziplin und sein starker Wille, die seinen großen Traum, klassisches Ballett zu tanzen, haben wahr werden lassen. „Die klassischen Werke wie ‚Romeo und Julia‘ haben mich damals wirklich fasziniert. Und ich habe sie auch alle getanzt.“

Viele Jahre war Dirk Kazmierczak Mitglied in klassischen Kompanien und festes Ensemblemitglied an Theatern, bis er irgendwann gemerkt hat, dass ihn diese Form des Tanzes doch zu sehr einschränkt. „Ich habe am Staatstheater Mainz an einem modernen Stück mitgearbeitet. Und so bin ich schließlich ins moderne Fach gekommen. Für mich war das damals wirklich eine Offenbarung.“ Natürlich, so Kazmierczak, brauche man fürs Tanzen Disziplin.

„Die muss man aber vorher schon haben. Meine Schule war sehr streng. Als Profi-Tänzer muss man jeden Tag trainieren. Und Unpünktlichkeit ist natürlich etwas, was überhaupt nicht geht.“

Pünktlichkeit und Disziplin

Disziplin, Pünktlichkeit – vom Grundsatz erwartet der Tanztrainer und Choreograph diese Dinge auch von den Tänzerinnen und Tänzern, die bei „tanzwärts“ mit dabei sind. „Anders funktioniert so ein Projekt nicht“, sagt der Profi. „Beim Tanzen geht es ganz viel auch um Zuhören und um gegenseitigen Respekt.“

Als sein letzter fester Vertrag am Theater Bielefeld ausgelaufen ist, hat Dirk Kazmierczak sich entschieden, in die Freiberuflichkeit zu gehen. Er arbeitet als Trainer und Leiter verschiedener Tanzgruppen, hat eine Oper choreographiert und macht eine Ausbildung zum Tanztherapeuten. „Mir gefällt, dass ich mit meinem Beruf so viele verschiedene Facetten erleben kann. Und dass ich jetzt als Freiberuflicher noch kreativer sein kann, noch mehr selbst gestalten kann.“

Darüber hinaus sei der Beruf des Profitänzers schon anstrengend und auch zeitintensiv. „Man tanzt acht Stunden am Tag und lebt eigentlich im Theater. Da ist es zum Beispiel schwierig, Freundschaften zu pflegen.“

„Tanzwärts“ ist Kazmierczaks erstes Projekt dieser Art. „Es ist sehr spannend mit so vielen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen zusammenzuarbeiten. Zu sehen, wie ein Tanztheater entsteht, wie die Leute sich entwickeln. Und es macht mir unglaublich großen Spaß, meine Art von Humor und Ästhetik zu vermitteln.“ Besonders liebe er die Begegnung mit den Tänzern, die vielen Gespräche. „Ich lerne unglaublich viel. Über mich, aber auch über die anderen Teilnehmer des Projektes.“

Da ist er wieder: Dirk Kazmierczak, der große Menschenfreund.

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