Düren - Projekt „Leselupe”: Gymnasiasten lesen im Seniorenwohnheim

Projekt „Leselupe”: Gymnasiasten lesen im Seniorenwohnheim

Von: christina Handschuhmacher
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Vorlesestunde: Die 80-jährige
Vorlesestunde: Die 80-jährige Philomene Bussas im Kreis der Schülerinnen Eva Freyschmidt, Nina Louisa Kirschall und Celina Gey (v.l.) Foto: chh

Düren. Besuch von literarischen Kindheitshelden im Seniorenwohnheim: Ob Winnetou, Harry Potter, Siegfried von Xanten oder Pünktchen und Anton - sie alle waren zu Gast in der Wohnanlage „Am Holzbendenpark”.

14 Schülerinnen der Jahrgangsstufen sechs bis elf des Stiftischen Gymnasiums liehen den literarischen Figuren ihre Stimmen und entführten die Senioren für einige Momente an die Zauberschule Hogwarts oder in den wilden Westen.

Das Projekt „Leselupe - Bücher verbinden Menschen”, Bestandteil der Initative „AusBildungsChancen Düren” in Trägerschaft des Kinder- und Jugendliteraturzentrums NRW, hatte die Senioren und Schüler zusammengeführt. „Wir wollten etwas generationsübergreifendes machen”, sagt Deutschlehrerin Anne Buß, die das Projekt mit ihrem Kollegen Dr. Achim Jaeger ins Leben gerufen hat.

Die Schüler haben mit ihren Lehrern einige Zeit investiert, um zu guten Vorlesern zu werden. Gemeinsam haben sie die richtige Betonung von Sätzen, das Setzen von Pausen und vor allem das laute und deutliche Sprechen geübt. „Ich will den alten Menschen ein bisschen Abwechslung in den Alltag bringen”, sagt etwa Schülerin Hanna Randerath. Jedes Vierteljahr soll künftig ein Vorlesetag stattfinden, immer unter einem anderen Themenschwerpunkt: „Winnetou - for you? Die Helden meiner Jugend” heißt das Thema der ersten Auflage.

Erich Kästners „Pünktchen und Anton” sind die Kindheitshelden von Eva Freyschmidt. „Ich lese gerne und schreibe auch selbst, deshalb wollte ich mitmachen”, sagt sie. Die 16-Jährige hat ihr Kästner-Buch mit ins Wohnheim gebracht und liest Philomene Bussas vor, die gebannt auf ihrem Bett sitzt und zuhört. Ab und an blitzen die braunen Augen der 80-Jährigen und sie lacht, zum Beispiel wenn Dienstmädchen Berta so redet wie ihr der Schnabel gewachsen ist. „Ich könnte noch stundenlang zuhören”, sagt sie und applaudiert. Den Kinderroman-Klassiker von 1931 kennt Philomene Bussas auch noch: „Ich habe früher alles gelesen, was mir in die Finger kam.”

Jeder Kontakt nach außen sei wichtig, betont Heimleitung Birgit Strack. „Unsere Bewohner lernen nur noch selten neue Menschen kennen. Das ist dann ein wunderbares Gefühl für sie, wenn jemand Neues kommt und sich für ihr Leben interessiert.”

Eine Etage höher macht Aloisius Mauer derweil seine erste Bekannschaft mit dem berühmten Zauberlehrling Harry Potter. Den Bahnsteig Neundreiviertel und den Hogwarts-Express kannte er bislang noch nicht, die Geschichte findet der 85-Jährige trotzdem spannend. „Sonst lese ich eher Geschichtsbücher, aber es ist großartig etwas vorgelesen zu bekommen”, sagt er und bedankt sich bei den Schülerinnen: „Bis zum nächsten Mal!”
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