Projekt „Gewaltfrei lernen” der Grundschule St. Bonifatius

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
bonifatiusbu
Richtige Technik: Sibylle Wanders zeigt, wie man einen Angreifer ohne Gewalt in seine Schranken weist Foto: bel

Düren. „Nein, ich will es nicht”, sprechen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a der Grundschule St. Bonifatius zunächst im Chor. Dann einzeln. Eine „Bärenstimme” helfe bei der Abwehr eines Angreifers mehr als eine „Piepsstimme”, teilt die Trainerin den Schülern mit.

Trainerin ist Diplomsportlehrerin Sibylle Wanders (Sporthochschule Köln), die in Sachen „Gewaltfrei lernen” unterwegs ist und demonstriert, wie die Kinder sich gegen angreifende Mitschüler wehren können, ohne dass es zum großen Streit oder gar zu einer Schlägerei kommt. Die Bonifatius-Grundschule nutzt dieses Angebot als erste in Düren.

Zu der deutlichen Bärenstimme gehören ein fester Stand und eine aufrechte Haltung. Der unerschrockene Blick in die Augen des Angreifers rundet die Sache ab. Die Viertklässler hängen an den Lippen der dreifachen DAN-Trägerin aus Köln, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Schülern vom ersten bis zum achten Schuljahr zu zeigen, wie sie sich wehren können. „Hilfreich”, sagt Wanders, „ist immer, wenn ihr in irgendeinem Bereich wie Sport, Musik oder Mathe gut seid. Dann lassen euch die aggressiven Kinder in Ruhe.”

Mit viel Bewegung und Spaß geht es in der Turnhalle der Bonifatiusschule zu. „Kinder lernen in Bewegung leichter”, sagt Sibylle Wanders. Sprechgesang, rhythmisches Gehen, das Befreien durch die „Rutsche”, das „Bannen des Gegners durch die Augen”, der „Siegergriff”, die „Rakete” oder das „Spiel gegen Ausgrenzung und Mobbing” - bei allen diesen Übungen machen die Jungen und Mädchen mit Begeisterung mit. Jetzt, in der zweiten Doppelstunde, bedauern sie schon, dass sie nur insgesamt sechs Stunden in den Genuss kommen, sich spielerisch und mit viel Bewegung auf gewaltfreies Lernen einzustellen.

Nach dem Training heißt es, sich langsam, ohne sich und dem Mitschüler weh zu tun, aus einem Klammergriff zu befreien oder sich der Hand zu entledigen, die an den Haaren reißt. Gelernt werden Sätze wie: „Stopp! Hör auf!”, „Nein, lass mich jetzt in Ruhe!”, „Lass mich los!” oder „Nein, ich will das nicht!” Bei dem Projekt „Gewaltfrei lernen” gibt es viele positive Handlungsmöglichkeiten, davon ist die Sportlehrerin aus Köln überzeugt.

An der Grundschule St. Bonifatius nehmen alle acht Klassen an dem Projekt teil. Hinzu kommen ein Elternabend und eine zweimalige Fortbildung der Lehrerinnen. Seinen Ursprung hat das Projekt in Köln, wo der „Förderverein Gewaltfrei Lernen” schon seit Jahren an 20 Schulen mit etwa 300 Lehrern dieses Training erfolgreich durchgeführt hat. „Wir streben an”, erklärt Dina Lange, Schulleiterin der Bonifatius-Schule, „dass verbale Beleidigungen und Provokationen mit den Folgen Gewalt, Gossensprache und Intoleranz deutlich abnehmen.” Dazu gehöre es, die Kinder stark zu machen und praktisch zu vermitteln, wie sie Beleidigungen, verbale und körperliche Attacken auch ohne Ausgrenzung abwehren können.

In Köln hat das Projekt Sponsoren aus Industrie und Wirtschaft gefunden. Sibylle Wanders hofft, dass auch Dürener Betriebe ins Boot geholt werden können, denn viele Schulen können die Kosten nicht aufbringen.

Kontakt zum „Förderverein Gewaltfrei Lernen” gibt es per Telefon unter 02238 /838879 oder E-Mail: info@gewaltfreilernen.de.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert