Projekt „Enter” fördert motivationslose Jugendliche

Von: Martina Rippholz
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Mit den eigenen Händen etwas schaffen: Diese Erfahrung war für (v. l.) Mohammet, René, Kevin und Dennis (r.) ganz neu. Im Projekt „Enter” haben sie gemeinsam mit Betreuerin Jana Henning (Mitte) und Handwerker Kai Röser (2. v. r.) einen Bauwagen renoviert und ausgebaut. Foto: Rippholz

Düren. Irgendwie hielt sich das Gute aus Renés Leben von Anfang an heraus. Ein zerrüttetes Elternhaus, finanzielle Schwierigkeiten - keine Voraussetzungen für eine positive Entwicklung.

Und jahrelang blieb die für den Jungen auch aus. Es folgte Bekanntes: Flucht, Obdachlosigkeit, Kriminalität, Drogen. Mit 21 war René am Boden. Erziehungs- und Integrationsversuche von Behörden waren fehl geschlagen. Ohne je feste Regeln kennen gelernt zu haben, brach er alle Maßnahmen ab. „Ich sah überhaupt keinen Sinn in meinem Leben,” sagt René selbst.

Das änderte sich im Sommer 2008. Da wurde er bei „Enter” aufgenommen. Das Programm des Sozialwerks Dürener Christen richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene wie René. An solche, denen übliche Maßnahmen nicht mehr helfen, bei denen anders angesetzt werden muss. Grundlegender.

„Unsere Teilnehmer kommen von ganz unten. An Tagesabläufe, Motivation, Leistung müssen sie erst herangeführt werden. Da fangen wir bei Null an”, erklärt Alexandra Gurski. Die Sozialpädagogin hat „Enter” aufgebaut. Ihr Ziel: die Jugendlichen durch tägliches gemeinsames Arbeiten langsam an einen geregelten Alltag gewöhnen. „Das war anfangs sehr schwierig. Wir mussten jeden Morgen jemanden von zu Hause abholen”, erzählt Gurski.

Doch nach und nach festigte sich die Gruppe von zwölf Jugendlichen. Auch wenn immer mal wieder jemand nicht erschien. „Das mussten wir akzeptieren. Zu viel Druck - und die Jungs brechen wieder ab. Deshalb sind die Regeln bei uns weniger starr”, sagt Gurski. Keine Drogen, keine Gewalt, keine Handys - unter diesen wenigen, aber klaren Vorschriften stellte die Gruppe einen abgewrackten Bauwagen wieder her und richtete im Inneren Küche und Sitzgelegenheiten ein.

Fachmännische Hilfe gab es von Handwerkern, die in den Werkstätten des Sozialwerks ausbilden. Die tägliche Arbeit, dazu Ausflüge in einen Kletterpark und in die Eifel: Diese Mischung half. Das Gefühl, etwas geschafft zu haben, Teamarbeit und Regelmäßigkeit brachten René dazu, seine erste Maßnahme durchzuziehen. Er erkannte: „Ich muss etwas lernen. Nur so kann es weitergehen.”

Für einige aus der Gruppe ging es schon weiter. Der 23-jährige Dennis macht eine Ausbildung zum Floristen. Andere sind an weiterführende Maßnahmen vermittelt worden, die sie ohne „Enter” nicht durchgestanden hätten. „Jetzt haben sie wieder eine Chance, auch wenn es nur langsam vorwärts geht”, sagt Gurski.

Heute, zehn Monate nach dem Start von „Enter”, steht der sanierte Bauwagen in der Glashüttenstraße 21, in der Halle 20a. Auf der Eckbank sitzen noch drei Teilnehmer. Neue kommen nicht mehr. „Enter” läuft aus. Nicht, weil es nichts mehr zu tun gäbe, sondern weil das Programm kein Geld mehr bekommt. Finanziert wurde es von der Jobcom, der Mittel des Bundesministeriums für Arbeit zur „freien Förderung” zu Verfügung stehen.

Aus diesem Topf sollen lokale Projekte gefördert werden. Und die Jobcom hatte unter anderem „Enter” ausgewählt. Eine Überprüfung durch das Ministerium brachte dann strengere Vorgaben für die Vergabe. „Wir hatten die Gelder bis dato recht flexibel gehandhabt. Aber das gab Ärger”, sagt Martina Forkel, Leiterin der Integrationsabteilung der Jobcom. „Deshalb können wir Enter im Augenblick nicht weiter finanzieren. Auch wenn wir es gern täten.”

Für René und die anderen Jugendlichen heißt das: Ab April sieht es düster aus. Ob sie in eine andere Maßnahme kommen können, wissen sie nicht. Bis dahin nutzen sie das Angebot des Sozialwerks. Zur Zeit trainieren sie im Fitness-Studio für einen Marathon. Eine weiterer Schritt, der ihnen Leistungs- und Durchhaltevermögen vermitteln soll auf dem langen Weg in ein geregeltes Leben. Leider lauern die alten Muster schon an jeder Ecke.
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