Probleme am Miesheimer Weg gemeinsam anpacken

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
Düren
Zehn Studentenentwürfe gibt es für den Miesheimer Weg. Die Ideen sollen ins Handlungskonzept Düren-Südost mit aufgenommen werden.
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Wohnen unter dem Regenbogen? Am Miesheimer Weg gibt es viele Probleme. Die will das Quartiersmanagement jetzt anpacken. Foto: Barsig

Düren. Grau strecken sich die Wohntürme am Miesheimer Weg in den Himmel. Trostlos sehen sie aus, obwohl die Architekten beim Bau versucht haben, den Ort im Dürener Südosten zumindest mit bunten Balkonen, Bäumen und Rasenflächen schöner zu machen. Dass die Wohnqualität gehoben wird, macht sich ein Quartiersmanagement zur Aufgabe.

Auch einige Bänke und Spielgeräte für Kinder gibt es. Direkt hinter den Türmen beginnen die Felder, die Wohnblöcke markieren den Rand der Stadt. In den Wohnungen leben in der Mehrheit Menschen mit Migrationshintergrund und Sozialhilfeempfänger. 270 der 889 Bewohner sind Kinder und Jugendliche. Einige Wohnungen hat die Stadt außerdem für Flüchtlinge angemietet.

„Wohnen unter dem Regenbogen“ steht auf einem kunterbunten Graffito an einem Trafohäuschen vor den Türmen, das Autofahrer von der Stockheimer Landstraße aus sehen können – die Häuser dahinter stehen in einem krassen Gegensatz dazu.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es für den Miesheimer Weg ein Quartiersmanagement. Am Tisch sitzen Vertreter der Stadtverwaltung, der Interessengemeinschaft Miesheimer Weg, die etwa 60 Mietsparteien vertritt, Vertreter der Hausverwaltung, der Pfarre St. Lukas und der Evangelischen Gemeinde.

Ziel ist, die Situation der Wohnanlage zu verbessern. Auch Gerd Grzella vom Amt für Stadtentwicklung ist mit von der Partie. Er hat bereits Erfahrungen mit entsprechenden Projekten in Düren-Nord gesammelt. Im Dürener Südosten steht er mit seinem Mitstreitern noch ganz am Anfang: Gerade haben sie einen Wettbewerb für Landschaftsarchitektur-Studenten der RWTH Aachen ausgeschrieben. Der Wettbewerb soll dem Quartiersmanagement wichtige Ideen liefern.

Die Studenten präsentieren in einem Zelt vor Haus Nummer 2 ihre Entwürfe. Von Urban Gardening (städtischer Gartenbau), neuer Bepflanzung der Wohnanlage, sicheren Fahrradstellplätzen, einem Pavillon und der Angliederung an den Dürener Grüngürtel ist in den Vorschlägen die Rede.

Die besten drei sollen bei einem Sommerfest Anfang September mit einem Preisgeld prämiert werden. Die Studenten haben in den vergangenen Wochen den Miesheimer Weg mehrmals besucht und mit den Bewohnern gesprochen, um herauszufinden, was sie für ihren Wohnort möchten.

Denn Probleme gibt es hier viele: Wilder Müll, Hundekot, Schimmel, immer wieder kaputte Aufzüge, Beschädigungen und Parkplatzprobleme sind nur einige davon.

Eine Lösung sieht Grzella in der Kommunikation die mit Hilfe des Quartiersmanagements zwischen allen Beteiligten jetzt in Gang gekommen ist. Zumindest zwischen fast allen: Denn noch sei es nicht ganz gelungen, alle Eigentümer der einzelnen Wohnblöcke mit ins Boot zu holen.

Haus Nummer 4 gehört einer Eigentümergemeinschaft, von der einige Mitglieder auch in dem Block wohnen. Sie fühlen sich von den Problemen am Miesheimer Weg nicht betroffen. „Da gilt es, noch Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt Grzella.

Andere Eigentümer wiederum haben gerade veranlasst, die Müllcontainer einzuhausen, damit kein Müll mehr von oben einfach in den bisher nur eingezäunten Bereich geworfen werden kann. Kleine Schritte sind ein Anfang.

„Wir wollen die Chance schaffen, dass sich das Wohnumfeld einwickeln kann“, sagt Grzella. Dazu gehört möglicherweise auch, die Ideen der Studenten im Rahmen von „Starke Quartiere – starke Menschen“, einem EU-Projekt zur präventiven und nachhaltigen Entwicklung von Quartieren und Ortsteilen sowie zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung, umzusetzen.

Eigentümer müssten investieren

Die Hälfte der Investitionen müssten dabei allerdings die Eigentümer der Wohnblöcke übernehmen. Und genau da liegt der Knackpunkt. Zwar sitzen die Eigentümer, vertreten von den Hausverwaltungen, mit am runden Tisch des Quartiersmanagements und zeigten große Bereitschaft, an der Verbesserung mitzuarbeiten.

Aber: Noch sind keine Summen für die von den Studenten vorgeschlagenen Maßnahmen festgelegt. Wenn es soweit ist, müssen die Eigentümer mit im Boot sitzen, damit sich etwas bewegt – am besten auch die der Eigentümergemeinschaft aus Haus Nummer 4. Denn wenn nicht, können Maßnahmen nur auf den Grundstücken durchgeführt werden, deren Eigentümer auch bereit sind, anteilig Kosten zu übernehmen.

Unangemeldete Autos

Ein weiteres Problem, das angegangen werden soll, sind gleich mehrere unangemeldete Fahrzeuge, die seit langer Zeit auf den Parkplätzen vor den Häusern stehen. Das Ordnungsamt hat sie bisher noch immer nicht abschleppen lassen. Auch dabei will Grzella vermitteln und dem Ordnungsamt ein Schreiben mit der Bitte um Unterstützung zukommen lassen.

Durch den Zusammenschluss zum Quartiersmanagement sei die Kommunikation zur Stadtverwaltung einfacher geworden, sagt Grzella. Auch dass die Hausordnung vielfach nicht eingehalten werde, könne mit Hilfe von Kommunikation gelöst werden, so hofft er. Denn die Fronten zwischen Verwaltung und Mietern seien verhärtet. Gespräche würden außerdem mit der Polizei geführt, denn es gibt den Verdacht, dass in einem der Häuser technische Geräte illegal recycelt und weiterverkauft werden.

„Den Beteiligten muss klargemacht werden, dass es eine Gewinnsituation für alle geben kann, wenn jeder seine Hausaufgaben macht“, sagt Grzella. Daran will das Quartiersmanagement nun verstärkt arbeiten. Dass die Probleme am Miesheimer Weg nicht neu sind, räumt auch Grzella ein.

„Wir beobachten das Quartier schon seit vielen Jahren“, sagt er. Schon lange gebe es hier viele Maßnahmen, die etwas verbessern sollen. Das habe in der Vergangenheit auch Wirkung gezeigt, aber seit etwa drei Jahren habe sich die Situation wieder sehr negativ entwickelt. Deshalb soll angepackt werden.

Die Ideen der Studenten sind ein erster Schritt. Die Pläne sollen jetzt allen Hausbewohnern, die nicht bei der Präsentation waren, vorgestellt werden. Drei von ihnen werden in das integrative Handlungskonzept Düren-Südost, dass die Verwaltung im Herbst erstellen will, aufgenommen.

Dann soll ein Finanzierungs- und Maßnahmenplan an die Landesregierung weitergegeben werden. Wenn der Plan beschlossen wird und sich die Eigentümer an den Kosten beteiligen, könnte sich das Gesicht des Miesheimer Weges ab 2017 wandeln. Angemerkt

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