Privatinsolvenzen erreichen Rekordniveau

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Die Mitarbeiter der Schuldnerb
Die Mitarbeiter der Schuldnerberatungsstellen in Düren und Jülich legten gestern ihren Jahresbericht vor und übergaben ihn an Kreisdirektor Georg Beyß. Erneut wurden beide Einrichtungen öfter als im Vorjahr in Anspruch Foto: Abels

Kreis Düren. Immer mehr Menschen im Kreis Düren sind überschuldet. Sie können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Das geht aus dem Jahresbericht der beiden Schuldnerberatungsstellen im Kreis Düren hervor.

Nie zuvor wurden die Berater öfter in Anspruch genommen. Insgesamt weist die Statistik für das vergangene Jahr 1753 Ratsuchende aus, die persönlich beraten wurden oder an mehrstündigen Informationsveranstaltungen teilgenommen haben. Das ist ein Anstieg von 5,5 Prozent im Vergleich zu 2009.

Und auch die Zahl der mit Unterstützung der Beratungsstellen beantragten Verbraucherinsolvenzen ist deutlich gestiegen, um rund 16 Prozent auf 219. Damit bestätigt sich auch im Kreis Düren die bundesweite Erkenntnis, dass die Folgen der Wirtschaftskrise überschuldungsgefährdete Haushalte mit rund einjähriger Verzögerung getroffen haben, erklärt Daniela Erne von der Schuldnerberatung Düren.

Umdenken gefordert

Wenn sich die Schuldenspirale dreht, ist nicht selten Arbeitslosigkeit oder reduziertes Einkommen infolge gering bezahlter Arbeit im Niedriglohnsektor die Ursache. „Immer mehr Menschen verlieren ausreichend bezahlte Arbeitsplätze”, stellte Pfarrer Martin Gaevert fest und forderte deshalb ein gesamtgesellschaftliches Umdenken und eine gerechtere Verteilung des Eigentums. Auch im Kreis Düren bezog mehr als die Hälfte aller Ratsuchenden in 2010 (58 Prozent) Hartz-IV-Leistungen, die fast nie einen Spielraum zur Schuldentilgung über Ratenzahlungen oder Vergleiche lassen.

Aber auch Krankheit, der Tod des Partners oder ein Unfall können die Schuldenfalle auslösen. Das ist bekannt. Überrascht waren die Berater, dass jeder vierte Fall im vergangenen Jahr auf mangelnde Finanzkompetenz der Bürger zurückgeht. Die Erklärung aber ist einfach: „Viele Finanzprodukte sind für den Laien einfach undurchschaubar geworden”, prangert Wolfgang Stubbe eine Verkaufspraxis einzelner Geldinstitute an, die bis an die Grenze der Legalität heranreiche. Auf der anderen Seite überfordere aber auch der relativ leichte Zugang zu diesen Produkten viele bei der Einschätzung ihrer finanziellen Möglichkeiten. Die Konsequenz nicht selten: Privatinsolvenz.

Einige sind diesen Weg bereits erfolgreich gegangen. In vielen der 250 Fälle, in denen die Berater 2010 für eine Entschuldung sorgen konnten, wurden aber auch Vergleiche geschlossen. Wie wichtig diese Arbeit ist, unterstrich seitens des Kreises Düren bei der Entgegennahme des Berichts auch Kreisdirektor Georg Beyß. Der Sozialdezernent weiß aus der täglichen Arbeit, dass Überschuldung eines der gravierendsten Vermittlungshemmnisse bei Langzeitarbeitslosen darstellt. Deshalb sei jeder Euro, den der Kreis den beiden Einrichtungen zur Verfügung stellt - jährlich 340.000 Euro - gut angelegtes Geld.

Mit Blick auf geplante Gesetzesänderungen im Pfändungsschutz und bei der Verbraucherinsolvenz erwarten die Schuldnerberatungsstellen, dass der Beratungsbedarf im laufenden Jahr weiter zunimmt. Auch für das im Juli 2010 eingeführte Pfändungsschutz-Konto (P-Konto), das Kontoinhabern trotz bestehender Kontopfändung einen gestaffelten Grundfreibetrag lässt, rechnen die Beratungsstellen mit mehr Kontakten. Schon im vergangenen Jahr wurden sie über 270 Mal mit Fragen dazu konfrontiert, in 170 Fällen stellten sie Bescheinigungen zur Erhöhung des Grundfreibetrags aus.

Die Ansprechpartner in Düren und Jülich

Wer die Hilfe der Schuldnerberatungsstellen in Anspruch nehmen möchte, kann sich in Düren an die Evangelische Gemeinde wenden, telefonisch unter 02421/188-130 oder per E-Mail an: schuldenberatung@evangelische-gemeinde-dueren.org.

Ansprechpartner in Jülich ist das Diakonische Werk des Kirchenkreises, 02461/9756-0, E-Mail: schuldnerberatung.juelich@diakonie-juelich.de

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