Düren - „Preußen-Ensemble“ bittet zum Marsch

„Preußen-Ensemble“ bittet zum Marsch

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Helmut Krebs vom Stadt- und Kreisarchiv, Renold Quade von der Musikschule, Bernd Hahne vom Stadtmuseum und Pit Goertz organisieren eine Revue, in der sie die Vernunftehe von rheinischer Lebenslust und preußischer Disziplin ironisch-musikalisch auf die Schippe nehmen. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Wie tickten die Dürener zur Preußenzeit? So könnte man die ironisch-musikalische Revue überschreiben, die die Organisatoren des „Preußen-Jubiläums“, nämlich der Dürener Kulturbetrieb und das Stadtmuseum, am Donnerstag, 3. Dezember, den Dürenern präsentieren möchten.

200 Jahre ist es her, seit die europäische Landkarte nach dem militärischen Erfolg über Napoleon 1815 auf dem Wiener Kongress neu geordnet wurde. Das Rheinland wurde dem preußischen Königreich zugesprochen, was in weiten Teilen der hiesigen Bevölkerung nicht unbedingt auf Zustimmung stieß. Die Preußen galten als schroff, stocksteif und humorlos, geprägt von Drill und Marschmusik.

Das Rheinland war noch stark in der Gedankenwelt der französischen Revolution verhaftet und hielt an vielen ihrer liberalen und fortschrittlich-freiheitlichen Errungenschaften wie dem französischen Zivil- und Handelsrecht, den Handelskammern und der Gemeindeverfassung fest. Zudem war das Rheinland zu fast 80 Prozent katholisch und unterschied sich damit von den protestantisch ausgerichteten altpreußischen Gebieten.

Zwei Mentalitäten mussten in dieser Vernunftehe zueinanderfinden – Katholiken und Protestanten, rheinische Lebenslust und preußische Disziplin, Eigensinn und Gottesgnadentum. In der Revolution von 1848 kam es zur Konfrontation, gemeinsam wurde jedoch im patriotischen Jubel die Reichsgründung von 1871 gefeiert. Ende des 19. Jahrhunderts war es aber auch die Zeit der zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft, vorgelebt vom obersten Repräsentanten Kaiser Wilhelm II.

Im Rittersaal von Schloss Burgau wird die Preußenzeit mit einem „Preußisch-Patriotischen Abend“ noch einmal ins Gedächtnis gerufen. Gestaltet wird das Programm von Heinz Küppers, der als Moderator und Rezitator auftritt, einem Bläserensemble unter der Leitung von Renold Quade sowie vom Kölner Sänger und Liedermacher Günter Schwanenberg, der sich der Preußenzeit im Rheinland mit einem eigenen „kölschen“ Programm musikalisch widmet. Dabei wird es natürlich auch einige Besonderheiten geben. Das Bläserensemble um Quade wird zum Beispiel einen Marsch des Dürener Komponisten Herman Necke spielen.

„Die Preußen hatten sehr festliche Märsche. Und dann gibt es das, was die Rheinländer daraus gemacht haben“, erzählt Quade. Das ist dann eher operettenhaft und schmissig. So wie einem das auch im Karneval begegnet. Quade: „Die Roten Funken aus Köln etwa haben damals einen ironischen Gegenpol geliefert. Sie hatten natürlich auch Uniformen, haben Disziplin aber etwas anders präsentiert und die Marschmusik mit rheinischem Schmiss versehen.“

Überhaupt der Karneval: In ihm spiegelte sich in der Preußenzeit Kritik an der Obrigkeit wider. Dazu passen die Volks- und Karnevalslieder, die der Kölner Sänger Günter Schwanenberg „ausgegraben“ hat und die teils humorvoll, grotesk überspitzt oder eben auch kritisch die damaligen Geschehnisse aufs Korn nehmen. Der Kölner Sänger wird dazu auch die passende Einführung und Erläuterung liefern. Und dann ist da natürlich noch Moderator Heinz Küppers, der Originaltexte rezitieren wird (zum Beispiel die übereifrige Dankadresse des Dürener Stadtrates an seinen neuen Herrscher) – wenn ihm nicht das „Preußen-Ensemble“ unter Reinold Quade mit einem passenden Marsch in die Parade fahren wird...

Tickets zu dieser besonderen Veranstaltung sind zum Preis von fünf Euro an der Theaterkasse im Haus der Stadt, an der Kulturtheke im Bürgerbüro und an der Abendkasse erhältlich. Beginn ist um 20 Uhr.

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