Premiere auf Schloss Burgau: Die „Skunks“ rechnen gnadenlos ab

Von: Hannes Schmitz
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„Wir werden Bürgerbüro“ haben die „Skunks“ in ihrer neuesten Ausgabe ihrer alternativen Karnevalssitzung beschlossen. Die Hauptburg ist nun Dependance des Bürgerbüros am Markt und bietet beste Serviceleistungen. Foto: Schmitz

Düren. Die „Skunks“ sind wieder aufgetaucht und feierten auf Schloss Burgau einen flotten Einstieg in einen Sitzungsmarathon. Die Premiere glückte, die „13.“ an der Zahl entpuppte sich als Glücksgriff. Ziemlich professionell, kritisch und witzig wühlten sich die „Skunks“ als alternative Karnevalisten durch lokale und globale Ereignisse, nahmen sich sehr viel Zeit, mit allem abzurechnen, was ihnen unter den Nägeln brannte.

Ein Sitzungsdauerlauf entwickelte sich, der auf dem Sprung in die Unendlichkeit war und doch irgendwann mit Glücksgefühlen endete. Die Stunden verflogen, die überwiegend positiven Eindrücke blieben.

Mit wachem Blick waren die Mitglieder des Ensembles durch regionale und überregionale Gegenden gestreift, lernten Dürens Bürgermeister „Tatüü“ kennen und den SPD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan, bei dem sie feststellten, dass möglicherweise „Polen seinen Weg pflasterten“. Das war wohl auch deswegen geschehen, damit der Politiker den „Kuchen“ ohne zu stolpern potenziellen Wählern mitbringen konnte, wenn sie den Kaffee zubereiteten. Die „Skunks“ zogen das Ehepaar Nietan kräftig durch den Kakao.

„We are watching you“, hatten sie im Programm angedroht und ließen keinen Zweifel daran, dass sie überall ihre Nase hinein gesteckt haben. Sie belauschten die Fraktionschefkonferenz, karikierten auf treffliche Art die Runde „der großen Vier“ und nahmen Verena Schloemer von den Grünen wegen ihrer „Ämteranhäufung“ auf die Schippe, die wiederum als Ratsvorsitzende glänzte und bei der Diskussion um neue Städtepartnerschaften mit Lagos, Grenoble und Kitzbühel als Bürgermeister „Larue-Tatüü“ ausrief: „Ich liebe Rom, ich liebe den Papst“ und damit dem Liberalen Cremer mit seinem Vorschlag New York und Feuerwehr die Show stahl. Situationskomik pur auf der Bühne, angereichert mit Wortspielen, Esprit, Artigkeiten, Klamauk, treffsicheren Pointen, Satire und einem Hang zum Skurrilen.

Auf Rosarotes in Regenbogenfarben folgte Tiefschwarzes oder Heftig-Deftiges, wenn Thomas Lüttgen drastisch als „Hitler-Double“ mit Andreas Bohm, Jesko Kaluzny, Dirk Steiger und Daniela Thelen-Großmann braunes Gedankengut in „SOS von Rechts“ sezierte und mit „Immer nur Salat“ eine vorzügliche, spöttische, liebenswerte Gesangsnummer mit seiner Ukulele hinlegte, die sich „gewaschen“ hatte. Großartig seine Persiflage im 50er-Jahre-Look auf die Agenten dieser Zeit.

Pure Frauenpower war zu sehen, als Iris Steiger-Landsch, Ute Albert, Heike Schulze, Annika Andreu-Kruth und Verena Schloemer eine Kneipentour durch „Sex and the City Düren“ starteten und frustriert feststellten: „Nach Zehn ist in Düren nicht viel zu verspüren“. Herrlich war der Versuch der Grünen-Politikerin, dabei beim „Aufbrezeln“ in ein Kleid zu schlüpfen. Sie hatte einen weiteren ganz starken Auftritt mit der Band bei „Brecht singt Spelthahn“ wobei sie nicht den Haifisch besang, sondern „und der Spelthahn hatte Zähne, die verlor er vor Gericht“. Fast scheinheilig fiel die Frage dem Publikum vor die Füße: „Was ist nur geworden aus dem schweren Mann?“ Vielleicht blickte der gerade auf Annika Andreu-Kruth, die auf eine wunderbare Art und Weise in Mimik, Gestik und Habitus Angela Merkel imitierte und an ihren Mann „das Bundesbärchen“ erinnert und gesanglich mit „Danke für die Bühne“ einiges vorweisen konnte.

Da war im Laufe des Abends von „Existenz-Exhibitionismus“ die Rede, aus Snowden wurde Snowman und sogar eine „Spülmaschine für Tellerminen“ wurde angeschafft. Nachdenkliches und Besinnliches zur „Überfremdungsquote“ plastisch dargestellt und klargestellt, dass „Rösler farblich nicht in den Grüngürtel passt“.

„Bis kurz vor knapp“ glänzte Kai Meister in verschiedenen herausragenden Rollen, ebenso, fast bombastisch Jesko Kaluzny, Andreas Bohm, Reiner Brücker, Nicole Grasmeier, Michael Krohm, Thomas Schiffer, Paul Schmitz, Robert Schumacher, Brigitte Sehle (auch musikalische Leitung), Dirk Steiger und Markus Voth.

Ein Abend voller Höhepunkte im Rittersaal von Schloss Burgau und mit „Skunks“, die ritterlich mit Lanze und Schwert fochten, aber auch feinsinnig parlierten und kabarettistische Spitzen punktgenau mit dem Florett setzten. Nachdenkliche Monologe oder Wortkaskaden strömten auf die Zuschauer, die aufmerksame Zuhörer sein mussten, um alles mitzubekommen. Schwächen gab es nur wenige, aber ein etwas strafferes Programm wäre nicht schlecht. Bestens aufgelegt war die „Hausband“, die meistens überzeugte und mit Sängerin Daniela Thelen-Großmann mit „Jeder hät se Päckelsche“ den Hit des Abends landeten.

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