Preismissbrauch bei den Stadtwerken?

Von: Christoph Lammertz
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Die Stadtwerke Düren unter Verdacht: Kartellhüter haben Vorermittlungen wegen eines möglichen Preismissbrauchs aufgenommen. Die SWD-Verantwortlichen werfen der Behörde vor, den falschen Dürener Tarif für ihren Preisvergleich gewählt zu haben. Foto: Lammertz

Düren. Die Stadtwerke Düren sind ins Visier der nordrhein-westfälischen Kartellhüter geraten. Sie gehören zu den 19 von 144 Gasversorgern des Landes, die in einem aktuellen Preisvergleich auffällig geworden sind.

Die Kartellbehörde im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium kündigte Dienstag an, Vorermittlungen wegen eines möglichen Preismissbrauchs einzuleiten und gegebenenfalls Preissenkungen zu veranlassen.

Die Kartellhüter hatten in den vergangenen drei Monaten die Preise der Gasversorger in NRW verglichen. Dabei legten sie Musterhaushalte mit einem Jahresverbrauch von 20.000, 35.000 und 90.000 Kilowattstunden und nach eigenen Angaben den jeweils günstigsten Gastarif des Versorgers zu Grunde. Als preisauffällig wurden die Unternehmen eingestuft, deren Tarife um mehr als zehn Prozent über den NRW-Durchschnittspreisen lagen. Diese Versorger werden nun aufgefordert, ihre Tarife für die Kartellbehörde sorgfältig zu rechtfertigen. Können sie das nicht, dann drohe ein Verfahren wegen Preismissbrauchs, hieß es Dienstagmorgen in Düsseldorf.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte an der Arnoldsweiler Straße, dem Sitz der Dürener Stadtwerke (SWD), noch niemand etwas von den Informationen, die in der Landeshauptstadt an die Öffentlichkeit weitergereicht wurden. Erst durch die Nachfrage der DZ erfuhren die SWD-Verantwortlichen von ihrem unrühmlichen Abschneiden in der Preiserhebung. Dem ersten Schock folgte wenig später massiver Ärger. „Wir haben uns den Vergleich der Kartellbehörde besorgt und mussten feststellen, dass darin nicht unser günstigster Tarif Evivo Erdgas Plus, sondern unser Grundversorgungstarif zugrunde gelegt wurde”, sagte SWD-Sprecher Jürgen Schulz kurz darauf der DZ. „Mit unserem günstigsten Tarif liegen wir im Mittelfeld aller NRW-Versorger und keineswegs mehr als zehn Prozent über dem Durchschnitt. Es ist uns absolut unbegreiflich, wie das Ministerium eine solche Meldung verbreiten kann, ohne mit uns darüber gesprochen zu haben. Das ist Vorverurteilung und Rufmord.”

Sprachlos sei man bei den Stadtwerken angesichts der Aussagen von Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU). Sie hat Dienstag aus Anlass der aktuellen Untersuchung die Gaskunden aufgefordert, den als preisauffällig eingestuften Versorgern den Rücken zu kehren. „Der aktuelle Gaspreisvergleich bestätigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass die Verbraucher konsequent zum jeweils günstigsten Anbieter wechseln. Nur wenn sich die Gaskunden preisbewusst verhalten, erreichen wir mehr Wettbewerb auf den Energiemärkten. Die Anbieter müssen spüren, dass die Gaskunden mit jedem Cent rechnen”, erklärte die Ministerin. „Auch im Wahlkampf sollte man bitte faire Mittel wählen”, reagierte Jürgen Schulz erbost auf die Aussagen Thobens. „So werden bei uns 250 Arbeitsplätze gefährdet”, sagte Schulz und kündigte rechtliche Schritte der Stadtwerke an.

Auf die Frage, ob im Fall der Dürener Stadtwerke fälschlicherweise nicht der günstigste Tarif ins Ranking aufgenommen wurde, sagte ein Sprecher des NRW-Wirtschaftsministeriums der DZ, die Kartellhüter hätten nur Tarife in den Vergleich aufgenommen, die jedem Kunden zugänglich und nicht an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind. Dies sei aber auch bei „Evivo Erdgas Plus” der Fall, versicherte SWD-Sprecher Schulz.
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