Praktikum eröffnet ein ganz neues Leben

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Von Nigeria nach Düren: Paul Patrick hat schon in seiner Heimat in einer Druckerei gearbeitet – und will jetzt eine duale Ausbildung zum Offset-Drucker bei der Schloemer & Partner GmbH in Düren absolvieren. Foto: IHK/Andreas Steindl

Düren. Manchmal können ein paar Sekunden über die Zukunft entscheiden. Wie bei Paul Patrick. Für ihn war es die Sekunde, in der er bei der Firma Schloemer & Partner an der Tür klingelte. Als er vor zwei Jahren zufällig das Schild der Druckerei sah, nahm er seinen ganzen Mut zusammen. „Ich muss es versuchen“, dachte er.

Heute weiß Patrick: Wäre er dieser spontanen Eingebung nicht gefolgt, wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen. Dann hätten ihm die Geschäftsführer womöglich kein Praktikum angeboten. Dann hätte er jetzt nicht die Chance auf einen Ausbildungsplatz. Und dann hätte er nun auch nicht die Aussicht auf eine sichere Zukunft in Deutschland.

Im Jahr 2009 ist Paul Patrick aus Nigeria über Niger nach Libyen geflohen, zwei Jahre später schafft er es mit dem Boot nach Lampedusa. Zwei Jahre lebt er in Italien, findet dort aber keine Arbeit. 2013 kommt er nach Langerwehe.

Bei seinem spontanen Besuch bei Schloemer erzählt er Geschäftsführer Frank Schnorrenberg, dass er in Nigeria in einer Druckerei gejobbt hat. Schnorrenberg ist beeindruckt von Paul Patricks offener Art und seiner Begeisterung für die Druckerei. Mit den anderen Chefs beschließt er, dem Flüchtling trotz mangelnder Sprachkenntnisse einen Praktikumsplatz anzubieten. Den durfte Paul Patrick annehmen, weil er schon länger als drei Monate in Deutschland war.

„Hierbei geht es nicht um soziale Wohltaten, sondern darum, jemandem eine Chance zu geben“, sagt Schnorrenberg und betont, dass für Paul Patrick dieselben Regeln gelten wie für alle anderen Praktikanten und potenziellen Auszubildenden: „Er muss seine Schwächen ausgleichen.“

Wertschätzung

Das tat der Nigerianer: Den Hauptschulabschluss hat er in der Tasche. Um die duale Ausbildung bewältigen zu können, wird er nach den Sommerferien eine Weiterbildung absolvieren.

Die Wertschätzung und Unterstützung, die dem Nigerianer entgegengebracht wurde, geht über das hinaus, was im Fachjargon als „soziale Verantwortung von Unternehmern“ bezeichnet wird: Als Paul Patrick Anfang 2014 die Abschiebung droht, hilft Björn Schloemer. Der Einspruchsantrag eine Anwältin hat Erfolg: Er darf ein weiteres Jahr bleiben.

Sollte er nun auch, wie geplant, eine duale Ausbildung absolvieren, könnte ihn das ein weiteres Mal vor der Abschiebung bewahren. „Jetzt kann ich meine Träume endlich verwirklichen“, sagt er.

Pauls Chefs hätten sich mehr Unterstützung von den Behörden gewünscht. Björn Schloemer erklärt: „Es fehlten Informationen über die Beschäftigungsvoraussetzungen, viele Fragen des Alltags und des Asylverfahrens waren ungeklärt. Hilfe und Beratung fanden wir bei der Caritas sowie bei der katholischen und evangelischen Gemeinde. So konnten wir uns ein Netzwerk aufbauen und die Lasten verteilen.“ Sprachkurse und Unterrichtsmaterialien wurden vom Betrieb gezahlt, die katholische Kirche hat die Gebühr für die Anwälte übernommen. Die Kosten für Pauls Unfall- und Haftpflichtversicherung trägt mittlerweile die Berufsgenossenschaft.

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