Präsident Erdogan ist im Gotteshaus bewusst kein Thema

Von: kin
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Mustafa Yeter, Necdet Cebeci, Türkan Mark, Nurallah Celik, Tuna Isik und Sabine Kieven (von links) setzen sich für ein funktionierendes Miteinander der Kulturen ein. Foto: Sandra Kinkel

Düren. In einem Punkt sind Mustafa Yeter, Necdet Cebeci, Nurallah Celik und Tuna Isik sich einig. „Das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Religionen und Kulturen funktioniert in Düren gut“, sagt Nurallah Celik, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Düren. „Ich glaube sogar, es funktioniert besser als in anderen Städten.“

In Düren leben Menschen aus mehr als 130 verschiedenen Nationen, 8000 der rund 90.000 Einwohner sind Türken. Damit stellen sie auch die größte Gruppe der Ausländer. Etwa 10.000 Männer und Frauen sind Muslime. Es gibt vier Moscheen und genauso viele Gebetsräume in der Rurstadt. Die größte ist die Ditib-Moschee an der Veldener Straße, wo sich auch Yeter, Cebeci und Isik engagieren. Ditib steht für „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“, knapp 900 Moscheevereine in ganz Deutschland sind dem Verband angeschlossen.

Cebeci: „In Düren gab es sehr früh einen Muezzin, der die Menschen zum Gebet ruft, und wir hatten auch sehr schnell ein muslimisches Gräberfeld auf dem Friedhof. Die muslimische Gemeinde hat sich hier immer sehr wohl gefühlt. So ist das auch heute noch.“ Früh habe sich ein interreligiöser Austausch zwischen Christen und Muslimen entwickelt, der immer noch Bestand habe. „Wir bemühen uns, als Moscheeverein sehr offen zu sein.“

Konzerte, Lesungen und zuletzt ein Kabarettabend sind in der Moschee keine Seltenheit. „Wir kapseln uns nicht ab“, sagt Mustafa Yeter, 2. Vorsitzender. „Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen.“ Gleichwohl sei Integration etwas, an dem beide Seiten ständig arbeiten müssten. Nurallah Celik: „Ganz sicher hat Deutschland in Sachen Integration viel versäumt. Das müssen wir jetzt dringend nachholen.“ Auch er selbst spüre manchmal ausländerfeindliche Tendenzen. „Ich betreibe einen Gebrauchtwagenhandel. Manchmal fragen mich Kunden nach meiner Herkunft und sagen dann, dass sie bei einem Türken nichts kaufen. Damit muss ich leben.“

Sabine Kieven, die neue Integrationsbeauftragte der Stadt Düren, betont, wie wichtig es sei, immer wieder aufs Neue Hemmschwellen und Vorurteile abzubauen. „Dass es die gibt, wissen wir. Mit Veranstaltungen wie dem ‚Tag der offenen Moschee‘ und die interkulturelle Woche in Düren können wir helfen, sie abzubauen.“

Natürlich kennen auch die Mitglieder des Moscheevereins die Debatten um den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan, sie wissen, dass die AfD bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent der Stimmen geholt hat. „Bei uns darf über alles gesprochen und diskutiert werden“, sagt Cebeci. „Aber eben nicht über Politik. Die politische Gesinnung der Gläubigen, die zum Freitagsgebet kommen, spielt absolut keine Rolle.“ Tuna Isik, Geschäftsführer des Moscheevereins, erklärt es so: „Wir leben in Düren. Diese Stadt ist unsere Heimat. Da sollte die türkische Politik nicht die wichtigste Rolle spielen.“

Tuna Isik und seine Mitstreiter hoffen, dass heute viele Dürener zum „Tag der offenen Moschee“ in die Fatih-Moschee an der Veldener Straße kommen. „Wenn die Menschen sich kennenlernen, miteinander ins Gespräch kommen, gibt es für Vorurteile nur sehr wenig Raum.“

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