Powervolleys-Trainer Tiilikainen: Von Schicksalsschlägen und Träumen

Von: Sandra Kinkel
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Tommi Tiilikainen
Gut gelaunt und immer für einen Spaß zu haben: Tommi Tiilikainen weiß aber auch, wie es ist, schwere Zeiten zu durchleben. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Im Leben kein Ziel, keine wirkliche Bestimmung zu haben, ist Tommi Tiilikainen überzeugt, sei kein Spaß. „Es ist genau das Gegenteil von Spaß“, wird der Trainer der SWD Powervolleys, der am Sonntag (Arena, 18 Uhr) mit seinem Team das erste Play-off gegen Lüneburg bestreitet, noch ein bisschen deutlicher. Und der 29-Jährige weiß, wovon er spricht.

Eigentlich hatte Tiilikainen nämlich ein großes Ziel: Er wollte Volleyball-Profi werden. „Ich wollte nichts anderes machen. Mit 18 Jahren habe ich dann Rückenprobleme bekommen und musste meine Profi-Karriere aufgeben. Ich habe ziemlich lange gesucht, bis ich eine neue Bestimmung für mein Leben gefunden habe.“ Fast vier Jahre hat es gedauert, bis für den Finnen klar war, dass er Trainer werden wollte, Volleyball-Trainer. „Das Leben ist ein bisschen so etwas wie ein kompliziertes Gemälde. Jeder muss seinen eigenen Kanal zur Welt finden. Für mich ist dieser Kanal Volleyball. Das ist mir klargeworden.“

Auch wenn diese Erfahrung als junger Sportler für Tiilikainen schmerzhaft war, ist er heute fast schon dankbar, dass er sie machen durfte. „Ich bin stärker geworden“, sagt er. „Und ich habe gelernt, dass auch miese Dinge im Leben einen Grund haben.“ Als junger Profi habe er die Welt immer nur wie durch einen schmalen Strohhalm gesehen. „Ich war total auf die eine Sache fokussiert. Heute ist mein Blick viel weiter.“

Tommi Tiilikainens Vater war auch Volleyballspieler und -trainer, vermutlich hat er von ihm seine Leidenschaft für gerade diesen Sport geerbt. „Ich hatte als Kind und Jugendlicher so viel Energie, dass ich außer Volleyball auch noch Eishockey, Basketball, Eiskunstlaufen und Skifahren gemacht habe.“ Volleyball aber sei für ihn viel mehr als nur Sport. „Volleyball ist meine Leidenschaft, und ich denke sehr viel darüber nach, warum das so ist. Ganz ehrlich? Ich habe die Antwort noch nicht wirklich gefunden. Es ist einfach so.“ Die Arbeit als Trainer, erzählt der Powervolleys-Coach, der seinen Vertrag gerade für zwei weitere Jahre verlängert hat, sei für ihn nicht wirklich Arbeit.

„Natürlich ist das mein Beruf, aber ich zähle nicht die Stunden. Ich lebe meine Arbeit.“ Die Frage nach seinem Alter und einem vielleicht damit verbundenem Respektproblem ist keine, die Tiilikainen besonders mag. „Als ich angefangen habe zu arbeiten, habe ich mir diese Frage selbst häufig gestellt. Heute aber nicht mehr. Respekt hat nicht unbedingt etwas mit dem Alter zu tun. Meine Spieler müssen mir folgen, weil sie von meiner Arbeit überzeugt sind.“

Gefragt, wo er sich in 15, 20 Jahren sieht, muss Tiilikainen, der in seiner Freizeit gerne liest und Gitarre spielt, schmunzeln. „Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass häufig alles anders kommt – auch wenn man gute Pläne hat.“ Er hoffe, sagt der Trainer, ein besserer Mensch zu werden und sich jede Menge Wissen aneignen zu können. „Ich glaube schon, dass ich auch mit 50 Jahren noch etwas mit Volleyball zu tun habe.“ Tiilikainen wünscht sich noch mehr Auslandserfahrung. „Zwei Dinge reizen mich sehr. Ich würde gerne irgendwann einmal in Japan und in den USA als Trainer arbeiten.“

Japan sei eine echte Volleyball-Nation. „Unser Sport ist in Japan sehr populär. Und Japan und die USA sind zwei völlig andere Kulturen, ganz andere Welten. Und sie sind völlig anders als das, was ich in Finnland und Deutschland erlebt habe. Das finde ich spannend.“ Bis dahin hat Tiilikainen aber vermutlich noch das ein oder andere Ziel mit den Powervolleys. Und ein ganz Konkretes obendrauf. „Ich möchte unbedingt besser Deutsch lernen. Seit ich in Düren bin, ist mein Englisch viel besser geworden, weil ich beim Training immer Englisch spreche. Mein Deutsch aber leider noch nicht.“

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