Powervolleys: Nur über die Ziellinie rollen reicht nicht

Von: Guido Jansen
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Punkt für Düren: Rudy Verhoeff ist im Angriff gegen Herrsching erfolgreich. Trotzdem ist es den Powervolleys nicht gelungen, die Gäste aus Bayern abzuschütteln. Foto: Jansen

Düren. Auf diese Lektion hätten Dürens Volleyballer gerne verzichtet: Ein Spiel ist erst vorbei, wenn der Matchball gewonnen ist. Und wer das nicht verinnerlicht, der hat ein Problem. So wie die Powervolleys neulich im Pokal-Viertelfinale.

„Wir hatten das Essen schon auf dem Teller. Wir haben es nur nicht gegessen“, sagt Trainer Tommi Tiilikainen. 23:20 führte Düren im vierten Satz gegen den TSV Herrsching. Das Halbfinale war so gut wie gebucht. „Der Spannungsabfall kam zu früh“, beschreibt Routinier Michael Andrei. „Das darf uns nicht passieren.“ Oft funktioniert das. Es gibt Mannschaften, an denen zieht man vorbei und rollt dann über die Ziellinie. Die Herrschinger sind davon offenbar keine. „Sie waren wie Schmeißfliegen. Wir sind sie nicht losgeworden“, machte Andrei einen Vergleich, der abschätzig klingen mag, aber als Kompliment gemeint ist.

Von welcher Natur der TV Ingersoll Bühl ist, ist noch nicht bekannt. Die Volleyballer aus dem Schwarzwald sind am Samstag ab 19.30 Uhr in der Arena Kreis Düren zu Gast. Bühl hat im Sommer ein Insolvenzverfahren durchlaufen und ist stärker als zuvor zurückgekommen, finanziell und was die Neuverpflichtungen angeht. Der Papierform nach steht ein Spitzenteam auf der anderen Seite des Netzes. Die Neuen kommen aus Russland, Polen, Italien; von da also, wo die stärksten Ligen der Welt zu finden sind. Und sie haben in diesem Ligen gespielt. Welchen Charakter das neue Bühler Team hat, ob sie vielleicht genau so schwer loszuwerden sind wie die Herrschinger, ist nicht bekannt.

Und es spielt laut Tommi Tiilikainen auch keine große Rolle in der Vorbereitung auf das Spiel. „Wenn wir unsere beste Leitung abrufen, dann können wir jeden schlagen“, sagt er. Es mag wie ein Spruch klingen, den der neue Dürener Trainer immer und immer wieder durch die Gebetsmühle dreht, wenn er dauernd wiederholt, dass seine Spieler Punkt für Punkt denken sollen. Aber wer genau das macht, der läuft nicht Gefahr, nur noch zu rollen, wenn man einen Gegner eben überholt hat. Und – die Herrschinger haben es vorgemacht – der lässt nicht abreißen, wenn man überholt wurde. Michael Andrei hat die Situation beschrieben, die Düren den Einzug in das Halbfinale gekostet hat.

Nachdem seine Mitspieler und er Ende des vierten Satzes nur über die Ziellinie rollen wollten, hatten sie im Tiebreak große Probleme, wieder auf das Gas zu treten. „Danach haben wir zwar wieder zu unserem Spiel zurückgefunden. Wir kommen immer zurück. Aber für den Tiebreak war das zu spät“, sagte der 2,10-Meter-Riese. Leerlauf funktioniert nicht in einer Volleyball-Bundesliga, die vor allem im Mittelfeld spürbar stärker geworden ist. Vielleicht waren sich die Powervolleys ihrer Sache zu sicher. Schließlich hatten sie die drei Spiele zuvor mitunter deutlich mit 3:0 gewonnen.

„Es geht nie mit weniger als 100 Prozent“, sagt Tiilikainen. „Das Aus im Viertelfinale war eine äußerst bittere Lektion. Aber ich bin mir sicher, dass sie uns auf lange Sicht stärker machen wird.“ Eins ist sicher: Unterschätzen wird Düren seinen heutigen Gegner nicht. Dafür hat der neu aufgerüstete Gegner einfach zu viele schwere Kaliber in seinen Reihen.

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