Porträts in Candy-Art, Masken und Totems

Von: Bruno Elberfeld
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Hardy Laddey, Bouchta Ouali und Detlef Ludwig (von links) eröffneten die ungewöhnliche Ausstellung „Malerei trifft Skulptur“. Foto: Bruno Elberfeld

Boich. Bevor der Besucher das Atelier, den dazugehörigen Hof und die langgestreckte Wiese in Augenschein nehmen kann, muss er vor dem Haus, in dem Bildhauer Bouchta Ouali lebt und arbeitet, strenge Blicke großer Holzskulpturen über sich ergehen lassen. „Labertasche“ hat der Künstler eine noch frische Skulptur aus Lindenholz getauft.

Die Labertasche, wie alle Gesichter im Atelier und auf dem ganzen Gelände, ist maskenhaft erstarrt. Sie verfügt über fünf Münder, die sie je nach Dialogpartner aktivieren kann. Sie ist, so verrät Bouchta Ouali, für den Skulpturenpark in Nideggen gedacht.

Mit Kettensäge und Flex

Handläufe, Treppengelände, Decken, Wände, alles Holzige erzählt von dem Tun des Mannes, der schon seit 40 Jahren in Deutschland lebt, davon 13 Jahre in Boich. Mit Kettensäge und Flex hat der Künstler dem Holz Formen gegeben, Beitel und Holzhammer übernehmen die Feinarbeiten.

Am Dachfries des Ateliers wachen Masken und Totems über Bewohner und Gäste. In der Mitte des Fries‘ thront die Maske von Altkanzler Helmut Kohl. Kohl, in seinen letzten Amtsjahren nach den Worten von Laudator Detlef Ludwig schon ein lebendiger Mythos, hat drei Münder, doch sie bleiben stumm. „Warum Totems und Masken?“, wird der Skulpturist gefragt. „Ich gestalte Masken“, überlegt Bouchta Ouali nicht lange, „weil alle Menschen – ich auch – mindestens zwei Masken tragen. Den verschiedenen Gelegenheiten angepasst“, fügt er hinzu. Einige der Werke Oualis stehen im Kreis Düren.

Eine Säule ziert ein Seniorenheim in Kreuzau. Die Säule ist verziert mit christlichen, jüdischen und muslimischen Symbolen. „Wir haben einen Gott. Ich bin ein friedlicher Weltbürger, ein Berber aus Marokko, der die Welt ein bisschen freundlicher machen möchte.“ Eine überzeugende Motivation seines künstlerischen Schaffens.

Ausstellungspartner ist Maler Hardy Laddey aus Thum. Laddey, seit Jahren schon für seine Acryl- und Aquarellarbeiten bekannt, malt meist Mittelformate. „Auch gut zum Verschicken“, erklärt er das gängige Format. Im Mittelpunkt seiner Arbeit sieht der Künstler den Menschen. Zielobjekt eines jeden menschlichen Dialogs ist das Gesicht, die Augen, der Kopf, die Büste des Menschen.

Hardy Laddey malt und zeichnet mit Vorliebe Porträts, weil er mit ihnen Menschen, bekannte und unbekannte, eine Seele geben kann.

Erotische Werke

Recht berühmt geworden ist der Wahl-Thumer aus Berlin mit seinen erotischen Werken, von denen einige jetzt in der Galerie Bouchtata betrachtet werden können. Laddeys Erkennungszeichen sind seine starken Farben. Abgrenzend zueinander gesetzt, vermitteln sie beim Betrachter ein Gefühl von Kälte. Detlef Ludwig bezeichnete die Gemälde Laddeys als „in Realismus schwelgende, fast morbid-grazile Menschenporträts, die nichts anderes als ein Abbild der Gesellschaft und des gesellschaftlichen Treibens sind.“ Der Maler selbst nennt sein Malen „Candy-Art“, eine Methode, beim Betrachter starke Aufmerksamkeit zu erregen.

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von dem bekannten Ensemble „Cantalyra“. Zu sehen ist die Ausstellung „Malerei trifft Skulptur“ im Atelier Bouchtata in Boich bis zum 28. Juli, montags bis freitags von 13 bis 19 Uhr, am Wochenende von 11 bis 19 Uhr.

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