Merken/Kleinhau - „Ponyführerschein“: Mit jeder Runde wächst das Selbstbewusstsein

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„Ponyführerschein“: Mit jeder Runde wächst das Selbstbewusstsein

Von: Stephan Johnen
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Zehn Mal waren die Merkener Schüler zu Besuch in der Kleinhauer Reithalle. Finanziert wurde das Projekt „Ponyführerschein“ aus dem Kinderfonds des Projeketes „Gegen Kinderarmut“. Foto: Stephan Johnen
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Dorothe Kirchberger ist Reitpädagogin.

Merken/Kleinhau. Es hat etwas gedauert, bis Paula und die Islandpferde Freundschaft geschlossen haben. „Die sind so groß. Ich hatte etwas Angst“, blickt die Zehnjährige auf den ersten Tag in der Reithalle des Pferdehofs Roßbroich in Kleinhau zurück. Paula besucht die Offene Ganztagsschule der Grundschule Merken. Auf einem Pferd hatte sie zuvor noch nie gesessen. Heute kann sie sogar im Trab akrobatische Übungen meistern.

„Das macht richtig Spaß“, sagt die Schülerin und lacht. Sie hat Vertrauen zu den Tieren gefasst – und auch mehr Selbstbewusstsein entwickelt.

Zehn Mal waren die Merkener Schüler Paula, Jil-Marie, Selina, Julian, Michelle und Aleksandar zu Gast bei Reitpädagogin Dorothe Kirchberger in Kleinhau. Finanziert wurde das Projekt „Ponyführerschein“ mit 2600 Euro aus dem Fonds des Dürener Projektes „Gegen Kinderarmut“.

Für ein weiteres halbes Jahr gibt es nun noch einmal 3000 Euro. Bezuschusst werden soziale, kulturelle und sportliche Projekte, die Barrieren abbauen, Benachteiligungen verringern und Inklusion voranbringen. Spenden sind wie Projektanfragen willkommen.

Für die Fahrten von Merken nach Kleinhau mussten einige Hebel in Bewegung gesetzt werden, doch der Aufwand hat sich gelohnt. „Den Schülern hat das halbe Jahr mit den Islandpferden viel gebracht“, ist Schulleiterin Eva-Maria Rinkens-Seebald überzeugt. Ausgewählt wurden Kinder, die beispielsweise Sprechhemmungen hatten, über eine eingeschränkte Motorik verfügten oder Lerndefizite hatten.

„Den Pferden ist das egal. Sie interessieren sich nicht für eine Vorgeschichte“, sagt Dorothe Kirchberger. Die Pferde, die aufgrund ihrer Größe von etwa 1,45 Meter Ponys genannt werden, aber durchaus temperamentvoll sein könnten, reagierten nur auf Körpersprache. „Wer mit den Tieren arbeitet, bekommt eine sofortige Reaktion – und hat auch viele Erfolgserlebnisse“, sagt Eva Maria Rinkens-Seebald. Die Schüler habe das besonders motiviert.

„Reiten ist eine Form von Therapie“, erklärt Kirchberger, die als Sonderpädagogin an Schulen gearbeitet hat. Durch die Bewegung auf dem Pferd werde beispielsweise die Atmung eines Menschen erleichtert. Damit werde die Ursache vieler Sprechstörungen gelindert. Reiten löse zudem Verspannungen im Körper, während gleichzeitig eine gesunde Körperspannung aufgebaut werde.

Ein wichtiger Lernprozess sei es zudem, die eigene Angst zu überwinden, die Tiere und ihr Wesen kennenzulernen, miteinander zu arbeiten. „Hier waren keine Einzelkämpfer unterwegs. Die Reitstunden waren Teamarbeit, die Kinder haben sich immer gegenseitig geholfen“, unterstreicht die Schulleiterin.

Und einen weiteren Zweck hatten die Besuche im Reitstall: „Viele Kinder drohen den Bezug zur Natur zu verlieren“, weiß Eva-Maria Rinkens-Seebald. Ein Pferd zu striegeln sei kaum mit dem „Wischen“ über ein Smartphone-Display zu vergleichen. Das echte Leben ist viel intensiver.

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